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Credit: Zur Verfügung gestellt von Bodo Hillers

17.06.2026

"Alles wird kleiner: Messen, Seminare, Außendienst, Großhandel, nur der Barbermarkt wächst massiv"

Stopperka Geschäftsführer Bodo Hillers trotzt der ungewissen Marktentwicklung und setzt 2026 auf die Stärke der dritten Generation und sein riesiges Fest in Hamburg im September, zu dem er alle Friseurinnen und Friseure einlädt, …

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Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Bodo Hillers, Geschäftsführer Stopperka Friseurfachgroßhandel

Bist du eigentlich noch oft persönlich im Markt unterwegs?
Bodo Hillers:
Als Geschäftsführer und Vertriebsleiter reise ich häufig mit dem Außendienst mit, um Kunden zu treffen, vom Kleinunternehmen bis zu mittleren und großen Kunden.

Welche Stimmung spürst du aktuell im Markt?
BH:
Es gibt eine riesengroße Verunsicherung, vor allem politisch. Die Frage, wohin die Reise geht, beschäftigt viele, vor allem, wenn es um den Mindestlohn geht, aber ebenso Altlasten, wie die Corona-Soforthilfe-Rückzahlung, außerdem fehlt es an FriseurgesellInnen. Dazu kommt die aus meiner Sicht sehr ungerechte Handhabe im Umgang mit den migrantischen Barbershops. Die Kontrollen, die derzeit stattfinden, sind nicht mehr als ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein.

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„Man fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.“

Wie gehen die Salonunternehmen damit um?
BH:
Man fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Sehenden Auges lässt man den deutschen Friseurmarkt in irrem Tempo schrumpfen. Salons schließen, die Filialisten schwächeln alle und werden immer kleiner. Das Einzige, was wirklich gut läuft, ist die nicht-deutsche Barber-Szene, die weiterhin in einem irren Tempo wächst.

Wozu es allerdings kein handfestes Zahlenmaterial gibt.
BH:
Ich bin neulich an einem Freitag mit dem Fahrrad durch Ahrensburg gefahren, eine Kleinstadt kurz vor Hamburg, die ich selbst 21 Jahre lang im Außendienst betreut habe. Dort gab es früher rund 30 Friseure, auch einen arabischstämmigen Barber. Heute sind es inzwischen nur noch etwa 20 deutsche Friseure und acht migrantisch geprägte Barbershops, und das in einer sehr reichen Vorstadt von Hamburg, mitten in der 1A-Lage der Fußgängerzone.  

Aber was machen die Barbershops, was klassische Friseure nicht machen?
BH:
Das ist eine Mischung aus vielen Dingen. Erstens sind Barber durch die Bank rund 30 % günstiger. Zweitens braucht man keinen Termin und es geht meist sehr schnell. Drittens können sie Männern wirklich gut Haare schneiden. Sie bieten also handwerklich einen guten Service. ABER, die hygienischen Rahmenbedingungen sind teilweise katastrophal, oft werden keine Steuern gezahlt. Die Regierung lässt sich das gefallen, die großen Verlierer bleiben alle, die ehrlich arbeiten.

„Entweder sind wir Partner des Friseurs oder Lieferant des Endverbrauchers.“

2016 hast du gesagt, dass es dir ganz wichtig ist, Großhändler für Friseure zu sein und nicht für Endverbraucher. Bist du heute noch genauso kompromisslos?
BH:
Tatsächlich ja. So ab 2010 entstanden immer mehr Endverbraucher-Shops. Damals haben mein Vater und ich uns klar dagegen entschieden: Entweder sind wir Partner des Friseurs oder Lieferant des Endverbrauchers. Beides lässt sich nicht ruhigen Gewissens vereinbaren.

Was ist heute schwieriger: Produkte zu verkaufen oder das Vertrauen der Kunden zu behalten?
BH:
Das Allerwichtigste ist Vertrauen. Produkte verkaufen kann man im Internet, an jeder Ecke und auch viel billiger. Es geht darum, dass der Mensch auf der anderen Seite dir vertraut und sagt: Wenn du sagst, das ist gut, dann nehme ich das.
Es gibt heute eigentlich keine schlechten Produkte mehr. Es gibt aber zu viele windige Geschäftemachereien. In unserem Geschäft geht nach wie vor nichts über einen guten, geschulten, kompetenten und zuverlässigen Außendienst.

„Wir haben heute eine 36-köpfige Außendienstmannschaft.“

Du hast 2026 massiv den Außendienst aufgestockt. Wie viele MitarbeiterInnen fahren aktuell für euch im Markt?
BH:
Im vergangenen Jahr habe ich insgesamt 35 Bewerbungen von Hair-Haus-Außendienstmitarbeitern erhalten. Ich habe sehr mit mir gerungen, ob ich und wenn ja wie viele ich einstelle. Am Ende haben wir uns für zehn neue Leute entschieden, die wir bei Stopperka integriert haben und haben heute eine 36-köpfige Außendienstmannschaft. Zehn zusätzliche Leute, das ist schon eine ziemlich große Investition, finanziell, personell und menschlich.

Habt ihr bestimmte Regionen verstärkt, intensiviert oder seid ihr in neue Regionen expandiert?
BH:
Sowohl als auch. In Regionen, in denen wir nicht so stark waren, haben wir uns mit neuen Personen verstärkt. Gleichzeitig sind wir auch in Gebiete gegangen, in denen wir vorher noch gar nicht waren. Ich habe dafür 10 passende Kandidaten ausgewählt. Gerne hätte ich mehr eingestellt, aber das können wir wirtschaftlich derzeit auch nicht stemmen. Weitere 10 Personen haben aber im Euro Friwa Großhandelsverbund, dem auch wir angehören, einen Job gefunden.

In den vergangenen Jahren gab es einige Insolvenzen und Schließungen beim Wettbewerb. Ist der Wettbewerb unter den Großhändlern dadurch fairer oder härter geworden?
BH:
Eigentlich hat man das gar nicht so stark gemerkt. Der Markt teilt sich relativ schnell auf die verbleibenden rund 30 Großhandlungen auf. Man darf auch nicht außer Acht lassen, was im Onlinebereich passiert. Da gibt es inzwischen auch Anbieter aus anderen Ländern, die ohne Service zu unfassbaren Dumpingpreisen in Deutschland verkaufen.

Mit einem größeren Außendienst wächst natürlich auch der Umsatz. Verzeichnet ihr auch Bestandswachstum?
BH:
Nein, da ist die Entwicklung leider eher rückwärts.

Im Moment reden viele von Krise; andere formulieren es positiv und sagen, es sei eine Marktbereinigung. Was ist es aus deiner Sicht?
BH:
Ich weiß nicht, ob sich der Markt gesundschrumpft, aber er schrumpft. Alles wird kleiner: Messen, Seminare, Außendienst, Großhandlungen. Was signifikant weiter wächst, ist der Online-Bereich und der migrantische Barbermarkt.

Wie seid ihr online-technisch aufgestellt?
BH:
Wir haben uns mit stopperka.de schon sehr früh digital aufgestellt. In dieser Abteilung arbeiten inzwischen 3 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist ein Bereich, der aktuell jedes Jahr zweistellig wächst.

Ihr feiert dieses Jahr 70 Jahre Stopperka. Mit welchem Fokus gehst du in die Zukunft?
BH:
Das ist eine spannende Frage. Ich bin ja bereits die dritte Stopperka-Generation. Es heißt: Die erste Generation gründet, die zweite baut auf und die dritte fährt das Unternehmen gegen die Wand. Das möchte ich natürlich überhaupt nicht und meine Kinder stehen theoretisch schon in den Startlöchern, da möchte ich die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zukunft schaffen, sollten sie denn wollen.

Am 5. und 6. September 2026 steigt die große Stopperka-Hausmesse in Hamburg. Was dürfen wir in diesem Jahr erwarten?
BH:
Unser großer Fokus liegt auf einem richtig großen Bühnenprogramm. Klar gibt es wie immer tolle Angebote, Gratisverkostung, das superbeliebte Glücksrad und die Veranstaltung kostet keinen Eintritt.

Stopperka Hausmesse 2026

Wer steht in diesem Jahr auf der Bühne?
BH:
Wir freuen uns, dass Daniel Golz an beiden Tagen da sein wird. Außerdem dabei sind Jutta Gsell, Balayage-König Fabian Meyer, Maher Aslan, ASP-Akteure aus England und Georg Kiriakidis. Also Hochstecken, Locken, Haarschnitte, Haarfärben, Balayage, Barber-Themen, praktisch alles aus der Trickkiste ist dabei. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll.

Ihr habt euren Seminarbereich stark ausgebaut. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?
BH:
Der Seminarkonsum hat sich massiv verändert. Heute sind es zwar deutlich weniger Menschen, die etwas lernen wollen, also weniger in der Quantität, aber diejenigen, die kommen, setzen auf Qualität. Sie wollen mitarbeiten, Workshops machen, Hands-on arbeiten und in kleinen Gruppen viel mitnehmen.
Unsere erfolgreichsten Seminare sind jene mit sechs bis 15 Teilnehmenden.

Gibt es eine Schulung oder ein Thema, das derzeit besonders stark gefragt ist?
BH: Blond und Balayage sind die Themen, die brennen. Vor allem spezielle Techniken wie Face Framing oder Air-Touch-Technik sind der Renner. Das zeigen wir auch auf unserer Hausmesse. Aber auch Barberthemen und Herrenschnitte sind sehr relevant, da gibt es weiterhin großen Schulungsbedarf.

Was stimmt dich positiv für die Zukunft?
BH:
Positiv finde ich, dass wir als Team immer mehr zusammengewachsen sind und auch durch schwere Zeiten gemeinsam steuern. Man merkt bei uns tatsächlich einen kleinen Ruck. Inzwischen sind wir über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gibt einen starken Kern von zuverlässigen, treuen Kolleginnen und Kollegen, die verstehen, dass wir nur im Team gut sind und als Team funktionieren. Da bin ich sehr stolz darauf.

Gibt es noch etwas, das dir auf dem Herzen liegt und das du noch nicht anbringen konntest?
BH:
Ja! Mir ist ganz wichtig, dass alle Friseurinnen und Friseure aus ganz Deutschland sehr herzlich zu unserer Hausmesse am 5. und 6. September in Hamburg eingeladen sind. Es ist keine Anmeldung notwendig und es kostet keinen Eintritt. Wir feiern unser 70-jähriges Firmenjubiläum, Essen und Trinken sind frei, alle Shows sind frei und ich freue mich über ein volles Haus.

Lieber Bodo, ich gratuliere zum Jubiläum und wir freuen uns auch in diesem Jahr bei eurer Messe dabei zu sein.

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