CUT THE BULLSHIT. Kolumne von Daniel Golz
Außendienst oder Alibi?
Jeder Friseursalon arbeitet mit einer Firma.
Egal, wie sie alle heißen. Ohne Industrie läuft kein Salon. Farben, Pflege, Chemie, Tools – wir hängen dran wie am Stromnetz.
Aber genau da liegt das Problem: Die Verbindung flackert.
Früher hatte man einen Vertreter. Heute hat man ein Ticketsystem.
Früher hatte man eine Beziehung. Heute hat man einen Webshop.
Und ich sage dir ganz ehrlich:
Die Persönlichkeit ist irgendwo zwischen Konzernfusion und PowerPoint gestorben.
Wenn ein Produkt nicht lieferbar ist, will ich kein Marketing-Textchen hören.
Ich will jemanden, der sagt: „Ja, ist gerade Chaos. Wir haben es verkackt. Ich find’s auch scheiße.“
Das wäre ehrlich.
Das wäre respektvoll.
Das wäre Partnerschaft.
Stattdessen bekomme ich einen 20-cm-Mikrofaserlappen als „Merchandise“, während mein Farbton seit drei Wochen nicht lieferbar ist. Danke für nichts.
Was Friseure längst besser können als ihre Lieferanten
Ich sehe jeden Tag, wie Friseure sich Wissen schneller bei TikTok, YouTube oder ChatGPT holen als beim Außendienst.
Das sollte eigentlich ein Alarmzeichen sein.
Wenn ich als Salon online schneller verstehe, wie ein Produkt funktioniert, als von der Firma, die es verkauft – dann läuft strukturell etwas schief.
Ein guter Friseur macht das, was ein guter Verkäufer auch machen müsste:
Er hört zu.
Er analysiert.
Er stellt Fragen.
Und dann schlägt er eine Lösung vor.
Warum gilt das für meine Kundin – aber nicht für meinen Lieferanten?
Ich will keinen Produktkatalog. Ich will einen Partner.
Ein Außendienstmitarbeiter sollte meinen Salon kennen.
Meine Preise.
Meine Zielgruppe.
Meine Probleme.
Nicht nur meine Bestellnummer.