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Credit: KI generiert / Daniel Golz / imSalon

30.01.2026

Außendienst war da, geholfen hat’s nicht

Der Farbton nicht lieferbar, stattdessen ein Mikrofaserlappen als „Goodie“? Daniel Golz rechnet ab mit Ticketsystemen und PowerPoint statt Beziehung und Partnerschaft und erklärt, was Salons von der Industrie wirklich brauchen: weniger Katalog, mehr Mitdenken.

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CUT THE BULLSHIT. Kolumne von Daniel Golz

Außendienst oder Alibi?

Jeder Friseursalon arbeitet mit einer Firma.
Egal, wie sie alle heißen. Ohne Industrie läuft kein Salon. Farben, Pflege, Chemie, Tools – wir hängen dran wie am Stromnetz.

Aber genau da liegt das Problem: Die Verbindung flackert.

Früher hatte man einen Vertreter. Heute hat man ein Ticketsystem.
Früher hatte man eine Beziehung. Heute hat man einen Webshop.

Und ich sage dir ganz ehrlich:
Die Persönlichkeit ist irgendwo zwischen Konzernfusion und PowerPoint gestorben.

Wenn ein Produkt nicht lieferbar ist, will ich kein Marketing-Textchen hören.
Ich will jemanden, der sagt: „Ja, ist gerade Chaos. Wir haben es verkackt. Ich find’s auch scheiße.“

Das wäre ehrlich.
Das wäre respektvoll.
Das wäre Partnerschaft.

Stattdessen bekomme ich einen 20-cm-Mikrofaserlappen als „Merchandise“, während mein Farbton seit drei Wochen nicht lieferbar ist. Danke für nichts.

Was Friseure längst besser können als ihre Lieferanten

Ich sehe jeden Tag, wie Friseure sich Wissen schneller bei TikTok, YouTube oder ChatGPT holen als beim Außendienst.
Das sollte eigentlich ein Alarmzeichen sein.

Wenn ich als Salon online schneller verstehe, wie ein Produkt funktioniert, als von der Firma, die es verkauft – dann läuft strukturell etwas schief.

Ein guter Friseur macht das, was ein guter Verkäufer auch machen müsste:
Er hört zu.
Er analysiert.
Er stellt Fragen.
Und dann schlägt er eine Lösung vor.

Warum gilt das für meine Kundin – aber nicht für meinen Lieferanten?

Ich will keinen Produktkatalog. Ich will einen Partner.

Ein Außendienstmitarbeiter sollte meinen Salon kennen.
Meine Preise.
Meine Zielgruppe.
Meine Probleme.
Nicht nur meine Bestellnummer.

Wenn ich Kunden berate, frage ich:
Was willst du?
Was brauchst du?
Was ist realistisch?
Das erwarte ich auch von der Industrie.

Und ja – manchmal bedeutet das auch zu sagen: „Dieses Produkt passt gerade nicht zu euch.“
Oder: „Eure Struktur ist gerade nicht bereit für diese Linie.“

Das ist kein Verkaufsfehler.
Das ist Professionalität.

Support ist mehr als Shampoo verkaufen

Großkonzerne haben heute etwas, was kleine Salons nicht haben:
Daten.
Trends.
Social-Media-Wissen.
Marktüberblick.

Warum zur Hölle wird das nicht geteilt?

Warum bekomme ich eine Vier-Stunden-Produktschulung, aber kein:
„So performen Friseursalons gerade auf TikTok.“
„So tickt die 20-jährige Kundschaft.“
„So baust du dir Reichweite auf, damit du deine Preise halten kannst.“

Das wäre echter Support.

Ich will keine Einmal-Show. Ich will Begleitung.

Keine Tagesseminare, die keiner mehr im Kopf hat.
Lieber:
30 Minuten Update.
Ein Monat später: kurzer Call.
Ein halbes Jahr: Strategie-Check.

Weniger Aufwand.
Mehr Wirkung.

Warum?
Weil ein Salon kein Event ist.
Ein Salon ist ein System.

Die Frage an euch:
Will ich einen Außendienst, der mir Produkte bringt – oder einen, der meinen Salon besser macht?

Und an die Industrie:
Wollt ihr Lieferant sein oder Partner?

Denn Produkte verkaufen wir Friseure auch alleine.
Was uns fehlt, ist jemand, der mit uns denkt.

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