Wo siehst Du digitalen Nachholbedarf beim Friseur?
CS: Es gibt zwei Hauptbereiche: Zum einen Social Media – hier ist die Präsenz der Salons (Website, Facebook, Instagram) enorm wichtig, um sich als Marke zu profilieren. Eine super Möglichkeit, um neue Kunden zu gewinnen. Zum anderen das Thema Onlinebuchung: Ich kenne Salonunternehmer, die unfassbare Kundenzuwächse nur mit Onlineterminplanung erreichen. Ich habe gerade mit einem Partner gesprochen, der mir sagte, zu welch unglaublichen Zeiten seine Kunden Termine buchen, Sonntagnacht und so… Der Endverbraucher erwartet 24/7, hier liegen Chancen.
Soll heißen digitale Salons werden die Gewinner sein?
CS: Ja, auch – aber natürlich bleiben die Mitarbeiter das Wichtigste! Die Salons, die in Mitarbeiter (Weiterbildung) investiert haben, sind schon die heutigen Gewinner und werden es Morgen noch mehr sein. Es gibt den Kunden, aber zuerst gibt es den Mitarbeiter. „Employer Value Proposition“ ist der Schlüssel: wie differenziere ich mich als Arbeitgeber und wie werde ich für diese junge Generation attraktiv. Und da kommt wieder Digitalisierung ins Spiel. Ein Friseur, der sich nicht digital präsentiert, wird von jungen Leuten nicht wahrgenommen, der ist altmodisch.
Wie wirkt sich das auf eure Distribution aus?
CS:Die Distribution hat sich verändert. Mittlerweile sind 47% des Marktes EPUs. Das hat einen Riesen Impact: Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir mit diesen Leuten kommunizieren, die sehr personalisierte Kommunikation benötigen.
„Großhandel ist der verlängerte Arm unseres Direktvertriebes“
Wie geht ihr mit EPUs um?
CS: Es stellen sich zwei Fragen: Welche Marke ist für sie die richtige und über welche Vertriebsschiene erreichen wir sie? Mit Direktvertrieb ist das ja nicht rentabel, ergo setzen wir hier stark auf den Großhandel als Partner, quasi als verlängerter Arm unseres Direktvertriebes.
Welche Veränderungen dürfen wir von dir erwarten?
CS: Wir wollen viel kunden- und konsumentenorientierter sein, unser Markenportfolio stärker spielen und auf neue Trends wie Naturality mit größeren Innovationen setzen.
Was sind eure Stärken?
CS: Unser Markenportfolio mit so klaren Positionierungen, das hat kein Mitbewerber. Das ist ganz klar eine unserer Stärken, die wir noch weiter ausbauen wollen.
Ist ein riesiges Markenporfolio für den Friseur denn relevant?
CS: Im Colorationsbereich braucht der Friseur sicher nicht mehrere Marken. Um aber den Verkaufsbereich zu entwickeln, wird nur eine einzige Marke zu führen die Erwartungen der Endverbraucher nicht erfüllen.
Wird die derzeitige drei Säulen Vertriebsorganisation bestehen bleiben?
CS: Teilweise bist du da jetzt mit deinem Interview zu früh (lächelt). In den letzten drei Monaten war ich häufig in Salons und habe viele Friseure getroffen, um zu verstehen, wie der Markt funktioniert, was er erwartet und wie wir unsere Partner noch stärker unterstützen können.
„Zukünftig wird es Salon Emotion Developer geben“
Gibt es Baustellen?
CS: Es gibt keine Baustellen, es gibt Businessprioritäten und da ist unser Fokus längst nicht mehr nur Produkte zu verkaufen, sondern die Friseure erfolgreich zu entwickeln. Vertreter müssen Businessberater werden. Friseure wollen wissen, wie man eine neue Leistung an den Kunden transportiert.
Die zweite Priorität ist Salon Emotion. Wir wissen jetzt, dass dieses Konzept erfolgreich ist und wollen damit die Friseure unterstützen, um das Erlebnis der Endverbraucher in den Salons zu optimieren. Hierfür wird es zukünftig Salon Emotion Developer geben, soviel kann ich verraten.
2018 steht ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit und Natur. Hat L’Oréal hier überhaupt eine Glaubwürdigkeit?
CS: Wenn es um Nachhaltigkeit Richtlinienerfüllung geht, waren wir eine der ersten Firmen mit unserem Programm „Sharing Beauty with All“ und haben auch viele Preise gewonnen. Wir stehen beispielsweise gerade auf Platz 1 vom Newsweek Green Ranking, von insgesamt 500 untersuchten Unternehmen. Außerdem haben wir Bestnoten von CDP (Carbon Disclosure Program) in allen drei Kategorien Klimaschutz, Wassermanagement und Schutz der Wälder erhalten. 2017 wurden wir außerdem zum 8. Mal als eine der Most Ethical Companies ausgezeichnet – unter anderem wurde hier auch unser Nachhaltigkeits-Commitment bewertet.
Ich bin außerdem stolz, dass wir bei einem Plus von 30% in der Produktion gleichzeitig 67% CO2 Emissionen, 35 % Abfall und 48 % Wasser eingespart haben.
Ich bin also überzeugt davon, dass wir eine Glaubwürdigkeit haben, wir haben sie nur noch nicht genug kommuniziert.