Ihr habt abgestimmt, das sind die wichtigsten Themen für die Zukunft der Ausbildung im Friseurhandwerk:
1. Mehr Geld fürs Image des Friseurberufes
Beim Polittalk haben wir gehört, die Wirtschaftskammer sitzt auf ca. zwei Milliarden Euro Rücklagen. Wofür werden die eigentlich eingesetzt? Ein großartiges Einsatzgebiet wäre endlich richtig Geld in die Imageförderung des Handwerks zu investieren, denn hier sehen alle den größten Bedarf – auch das Publikum. Die Wertschätzung und den Respekt für dieses unglaublich wichtige Handwerk muss endlich auf goldenen Boden gestellt werden, dann kommen auch wieder mehr Lehrlinge.
2. Einheitliches Schneidesystem für alle Lehrlinge
Diese Forderung sorgte für den größten Applaus aus dem Publikum. Wie kann es sein, dass in jedem Bundesland, an jeder Schule, ein eigenes Schneidesystem gelehrt wird, das auch nicht mit den Ausbildern abgesprochen ist? Große Forderung: endlich ein einheitliches Schneidesystem.
3. Klarer Überblick über Förderungs-Möglichkeiten
Wir haben es gehört: Einige Salons bekommen ihre Lehrlinge fast voll finanziert. Weshalb? Weil sie wissen, wo sie wann, welche Förderungen beantragen können. Wir lernen: Es gibt einen unglaublichen Dschungel aus Förderbeiträgen. Die klare Forderung an die Innung: schafft einen klaren Überblick über die Fördertöpfe, denn auch das, bedeutet Fairness gegenüber den Ausbildungsbetrieben in ganz Österreich.
4. Kommunikation Berufsschule – Betriebe verbessern
Aktuell nicht existent: die Kommunikation zwischen Berufsschulen und Betrieben. Hier gibt es sicherlich Aufholbedarf auf beiden Seiten. Monieren die Ausbilder, dass zu wenig gesprochen wird, monieren die Berufsschulen, dass keiner zu den „Elterntagen“ kommt. Auch hier muss drüber gesprochen werden.
5. Blockunterricht vs. Normalunterricht muss reevaluiert werden
In den letzten Jahren wurden alle Bundesländer auf Blockunterricht umgestellt. Hört man den jungen Leuten zu, klingt kein Argument so überzeugend, wie das, dass man sich ja für ein Handwerk entscheidet, um endlich der Schule zu entkommen und um mit den Händen arbeiten zu dürfen. Und dann soll man 10 Wochen am Stück in der Schule sitzen? Da hat keiner Freude dran! Ganz dringend muss hier reevaluiert werden, wie in Zukunft den jungen Lehrlingen Theorie vermittelt wird.
6. Alternative Ausbildungskonzepte
Wenn es das duale Ausbildungssystem nicht mehr gibt, was sind die Alternativen? Zwei Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Hairdressing School oder die Modeschule Hallein, wurden auf der Bühne besprochen. Alle stimmen überein: es muss das duale Ausbildungssystem, sowie alternative Konzepte geben – das fordert allein schon die enorme Zunahme der EPUs und nicht ausbildender Betriebe.
7. Ausbildungsbegleitmappe/ zeitgemäßes Lehrmaterial
Zeitgemäßes Lehrmaterial, sowie eine die Ausbildungszeit überspannende, eventuell digitale, Lehrmappe hätten gerne die ausbildenden Betriebe, um parallel mitverfolgen zu können, wie der Stand der Auszubildenden gerade ist.
8. Klare Trennung zwischen Praxis (Salons) und Theorie (Schulen)
Praxis gehört in die Salons, Theorie in die Schulen. Warum sollen Berufsschulen Praxis vermitteln? Die Zeit für Weiterbildung der Berufsschullehrer ist so minimal, dass eine zeitgemäße Ausbildung der Praxis gar nicht mehr möglich ist. Hier ist ein Umdenken und ein Umstellen der gesamten Ausbildungsstruktur angebracht.
9. Reglementierung Friseurberuf überdenken
Auch hier die große Frage: muss der Friseurberuf reglementiert bleiben, oder gibt es andere Möglichkeiten, wie es in 80 Prozent der Länder auf der ganzen Welt bereits funktioniert? Ist es ein Mythos, dass wir beneidet werden für unsere duale Ausbildung?
10. Verkürzte Lehre, die zwischen 15- und über 25-Jährigen differenziert
Man muss klar differenzieren beim Alter der Auszubildenden. Das sind unterschiedliche Bedürfnisse und Herangehensweisen, wie man etwas lernt, was man braucht. Es ist in den vergangenen Jahren versäumt worden, hier klare Konzepte zu erarbeiten, um auch Quereinsteigende anzusprechen. Große Forderung von allen!
11. Lehre mit Matura
Ja, es gibt Anfragen. Aber im Großen und Ganzen spielt es aktuell noch keine große Rolle, was aber nicht heißt, dass es nicht dennoch angeboten werden sollte.
Die Podiumsdiskussion zum Nachschauen