Was ist plötzlich mit den Menschen los? Ratlosigkeit bei erfahrenen Praktikern, großes Thema in den Medien und ertragreiches Material für die Beratungsorganisationen.
Wie gehen wir mit Menschen um, für die alles selbstverständlich zu sein scheint, wo genetisch Leistung und Erfolg voneinander getrennt scheinen, die äußerst ich-zentriert wirken und empfindlich. Oftmals nahe an der Krankmeldung oder gar nach einer Kritik dem Burnout nahe. Schwindende Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber und diesen zu wechseln, fällt plötzlich leicht. Menschen, die unabhängig ihrer Performance eine herausragende Bezahlung fordern und denen es scheinbar nie genügt. Ende des Klischees.
Eines ist sicher: Kein Klischee, die Angst einen Arbeitsplatz zu verlieren und danach womöglich arbeitslos zu sein, existiert nicht mehr in der Form, wie sie vor 20 Jahren noch Kraft hatte. Seine individuellen Bedürfnisse zurückzustellen, weil sonst „schmeißen die mich vielleicht raus“ scheint nicht mehr notwendig zu sein. Und seine individuellen Bedürfnisse mitzuteilen, war ein wichtiger Punkt der Erziehung der letzten 20 Jahre. Das haben wir nun davon. Wir, damit meine ich die Mehrzahl der ab 35-jährigen. Hätten wir uns eventuell auch damals getraut, was sich jüngere Menschen heute trauen, wenn wir nicht schlimme Sanktionen gefürchtet hätten?
Ich möchte die Überschrift gerne beantworten: Ja, Menschen zu führen ist ein Dilemma; zerrissen sein zwischen Forderungen. Und die sind quantitativ gewachsen. Dies ist die neue Realität und mit dieser müssen wir umgehen. Sie darf uns nicht mehr aufregen und wir dürfen sie nicht mehr bewerten. Sie ist weder gut noch schlecht, sie ist schlicht normal.
Umgang mit Forderungen
Wenn uns das gelingt, können wir die Forderungen anerkennen und klarmachen, sie zu verstehen, ohne sie abzuwerten. Also kein „wie kann man so denken“ mehr.
Forderungen anerkennen bedeutet allerdings nicht, Forderungen bedingungslos zu erfüllen.
Denn, auch der Chef darf seine Forderungen aussprechen und gleichermaßen Verständnis erwarten. Und er darf nicht nur, sondern er muss in manchen Fällen einen pädagogischen Auftrag erfüllen. Zu lehren, wie Arbeiten funktioniert, wie Arbeitsgemeinschaften funktionieren. Bitte, ich meine das absolut nicht zynisch und möchte nicht falsch verstanden werden. Wo in ihrem jungen Leben, ist denn gelernt worden, wie Betriebe funktionieren. In der Vergangenheit verhalfen Ferienjobs oder Nachbarschaftshilfe recht früh zu einem Eindruck von der Arbeitswelt.
Eintritt in eine Arbeitsgemeinschaft
Ich halte es für zumutbar, verantwortungsvoll und langfristig erfolgversprechend, jungen Mitarbeitern deutlich zu machen, dass sie in eine Arbeitsgemeinschaft eintreten, deren Zusammenhalt vorrangig ist. Nur, wenn diese Arbeitsgemeinschaft zuverlässig funktioniert, bedeutet das größtmöglichen Erfolg aller. Individuelle Bedürfnisse sind somit nachrangig, nicht gleichgültig, sondern lediglich nicht vorrangig.
Es ist kein Eintritt in die Heilsarmee, sagt Reinhard Sprenger.
Weitergehen
Unsere Kunden sind diejenigen, die entscheiden, ob es morgen weitergeht mit dieser Arbeitsgemeinschaft. Dem „Weitergehen“ wird sich also alles andere unterordnen müssen. Die Kunden entscheiden über wirtschaftliches Leben oder wirtschaftlichen Tod.
Und das Wort „Weitergehen“ sagt bereits, dass es einen Gang davor gab, um das Unternehmen zu erschaffen, in das gerade jemand eintritt. Dafür haben andere hart gearbeitet. Dies nicht zu gefährden, ist eine Verantwortung und Pflicht.