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Credit: NHM Wien

19.11.2025

Haarmode auf Münzen seit 2.400 Jahren – Ausstellungstipp

Kopf & Kragen. Münzen machen Mode – läuft seit 11.11.2025 im Kunsthistorischen Museum in Wien.

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Münzbilder zählen zu den kleinsten Porträts der Welt – und erzählen dabei große Geschichten. Täglich gingen sie durch unzählige Hände, wurden massenhaft geprägt und prägten im wahrsten Sinn das Bild ihrer Zeit. Das Porträt auf einer Münze war oft jenes, das die Untertanen am häufigsten sahen – ein machtvolles Medium der Selbstdarstellung. Umso bedeutsamer war, wie sich Herrscherinnen und Herrscher auf den wenigen Quadratzentimetern inszenierten; manche wurden so zu wahren TrendsetterInnen.

Die Ausstellung Kopf & Kragen. Münzen machen Mode im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums präsentiert knapp 200 Münzporträts aus kulturhistorischer Perspektive und zeigt Fashion und Lifestyle aus über 2.400 Jahren.

Frisurentrends als Ausdruck von Macht

Frisuren waren Ausdruck von Macht und Modebewusstsein. Männliche Herrscher trugen ihr Haar gerne kinnlang, ein Jahrhundert später hingegen kurz – dafür zählten spitze Kinnbärte zu den Must-haves. In der Ausstellung begegnen Besucherinnen und Besuchern etwa dem Mailänder Herzog Ludovico Maria Sforza mit seinem charakteristischen zazzera-Haarschnitt – dem Renaissance-Bob – und König Ludwig XII., der auf seinen Münzen modische Kopfbedeckung und französische Lilienkrone vereinte.

In der Renaissance wurden Hüte zu wahren Modestatements. Wer Rang und Namen hatte, trug Barett oder Myllan Cap – gefertigt aus Brokat, Samt oder feinem Filz. Diese kunstvollen Kopfbedeckungen verrieten Stand, Bildung und Haltung.

Auch die Damenwelt setzte Zeichen: Adelige Frauen zeigten sich mit aufwendigen Flechtfrisuren und reich bestickten Hauben. An den europäischen Höfen des Barock ließen sie sich ihre Haare zu künstlerischen Hochsteckfrisuren kämmen, die Fürsten trugen überdimensionale Lockenperücken. Eine Zeitreise durch die Neuzeit präsentiert Haartrends aus mehreren Jahrhunderten und bietet möglicherweise Inspiration für das eigene Styling.

Barttrends als Statussymbol

Ob Schnurrbart, Kinnbart, Dreitagebart oder Vollbart – Gesichtsbehaarung diente zunächst vor allem dem Schutz vor Wind und Wetter. Doch wie Kleidung oder Kopfbedeckungen unterlagen auch Bärte stets dem Wandel der Mode. Sie wurden zum Zeichen von Macht, Würde und Repräsentation der Herrschenden.

Im Mittelalter galt der Bart als Statussymbol und war „unantastbar“. König Alfred von England verfügte im 9. Jahrhundert, dass jeder, der den Bart eines anderen Mannes abschnitt, eine hohe Geldstrafe entrichten musste. Einen gegenteiligen Effekt erzielte 1698 der russische Zar Peter der Große mit der Einführung einer Bartsteuer, deren Bezahlung mit eigens dafür geprägten Münzen belegt wurde. Wer auf seinen Bart nicht verzichten wollte, musste ihn sich etwas kosten lassen.

Symbolkräftige Kopfbedeckungen

Die Kleinheit der Münzporträts erfordert nicht selten eine symbolkräftige Bildsprache. Die dargestellten Frisuren, Kleidungsstücke und Accessoires sind mehr als ästhetisches Beiwerk, sie sind ein Spiegel des Zeitgeistes und ein Fenster in die Kultur vergangener Epochen.

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt den symbolträchtigen Kopfbedeckungen.

Die Münzporträts antiker römischer Kaiser und der englischen Königin Elisabeth II. haben eines gemeinsam: einen Lorbeerkranz als Symbol für Sieg und göttliche Legitimation. Seine Darstellung zieht sich wie ein roter Faden durch die Münzgeschichte und verbindet Epochen und Geschlechter. Prunkvolle Kaiser- und Königskronen, traditionelle Kopfbedeckungen indigener Völker, imposante Hüte und kostbare Schleier spiegeln höfischen Glanz und gesellschaftliche Rollenbilder wider.

Besonders eindrucksvoll erscheinen aus heutiger Sicht exotische Tierkopfkronen der Antike; so trugen beispielsweise die sogenannten Nezak-Könige, eine spätantike Dynastie im heutigen Afghanistan, eine aufwendige Krone mit einer Mondsichel, einem Paar Flügel und dem Schädel eines Wasserbüffels, die Machtanspruch und Mystik vereinten.

Kostbare Selbstdarstellung

Als Modetrendsetterin der frühen Neuzeit gilt die französische Königin Maria de’ Medici. Ihre Medaillen zählen zu den Höhepunkten der Graveurkunst: Darin entfalten ihre voluminösen Spitzenkrägen eine beinahe dreidimensionale Wirkung. Diese fächerförmigen Stehkrägen, Ende des 16. bis ins frühe 17. Jahrhundert sehr en vogue, wurden schließlich sogar nach ihr benannt und sind als „Medici-Krägen“ bekannt.

Die Ausstellung Kopf & Kragen zeigt, dass Mode und Macht seit jeher untrennbar verbunden sind. Porträts dienten der Inszenierung und Selbstdarstellung und wie keine andere Bildgattung bieten Münz- und Medaillenporträts Einblicke in die Modegeschichte.

Johannes Hartner, Anna Lörnitzo, Andrea Mayr, Benedikt Prokisch, Andrea Spinka, Klaus Vondrovec und Heinz Winter haben die Ausstellung kuratiert.

Begleitend zur Ausstellung erscheint die Publikation Coins in Fashion – gestaltet wie ein Modemagazin, das historische Trends und moderne Inspirationen elegant, visuell opulent und überraschend anders verbindet.

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