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Credit: KI generiert / Daniel Golz / imSalon

16.01.2026

Haarschnitt verkackt!? TikTok ist das neue Amtsgericht!

Ein verschnittener Bob, ein virales Video, eine Kommentarspalte auf Krawall – willkommen in der neuen Realität. Warum für Daniel Golz ein simples Foto-Protokoll die Lösung ist ...

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CUT THE BULLSHIT. Kolumne von Daniel Golz

Neulich dieses Video:
Ein Bob, komplett verschnitten. Die Kundin verzweifelt, filmt sich, greift selbst zur Schere, macht alles noch schlimmer – und geht dann doch wieder in den Salon, um den Schaden zu „reklamieren“. Der Friseur versucht zu retten, was zu retten ist. Es geht wieder schief. Schnitt. Upload. Hunderttausende Views. Kommentarspalte: Blutdurst.

Das ist die neue Realität.
Google-Bewertungen sind tot.
TikTok ist das neue Amtsgericht.

Ich sage dir ganz ehrlich: Wir Friseure haben daran eine Mitschuld. Nicht, weil wir schlechter geworden sind. Sondern weil wir immer noch so arbeiten, als gäbe es kein Internet, keine Clips, keine viralen Rufmorde in 30 Sekunden.

Was viele nicht wissen – und was in diesen Videos nie erklärt wird – ist die rechtliche Grundlage. Beim Friseur gibt es kein „Gefällt mir nicht, ich will mein Geld zurück“. Der Kunde hat einen Werkvertrag. Der Friseur schuldet ein vereinbartes Ergebnis. Wenn dieses Ergebnis objektiv falsch ist – also nicht nur subjektiv „mäh“, sondern wirklich daneben –, dann hat der Kunde ein Recht auf Nachbesserung. Und zwar zuerst. Immer. Der Salon muss die Chance bekommen, den Fehler zu beheben. Kostenlos. Solange, wie es sinnvoll und technisch möglich ist.

Und jetzt kommt der Teil, den viele übersehen: 
Zeit spielt eine Rolle.

Rechtlich gilt beim Friseurbesuch für Kunden grundsätzlich:
→ sofort reklamieren, sobald man bemerkt, dass etwas objektiv falsch ist.
→ am besten am selben Tag oder innerhalb der ersten 1–2 Tage.

Warum? Weil in diesen ersten Stunden und Tagen der Zustand frisch und unverändert ist, und niemand streitig machen kann, wann der Mangel entstanden ist. Dann habt ihr die Chance auf Nachbesserung.

Nach etwa 3–5 Tagen wird es rechtlich schon schwammiger: Je länger du wartest, desto schwerer ist es zu beweisen, dass das Ergebnis wirklich schon im Salon mangelhaft war und nicht später durch äußere Einflüsse entstanden ist. Die Frist ist keine starre gesetzliche „Deadline“, sondern ein pragmatischer Orientierungsrahmen: Je früher der Kunde reklamiert, desto klarer ist der rechtliche Anspruch. Je später er oder sie kommt, desto eher kann der Friseur argumentieren, es könne zwischenzeitlich etwas passiert sein.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem TikTok jedes Mal lügt: 
Sobald eine Kundin zwischen Termin und Reklamation selbst an ihren Haaren rumfummelt, ist das Spiel rechtlich vorbei. Wer nachschneidet, nachfärbt, mit Silbershampoo, Gloss, Tönung oder DIY-Aktionen dazwischengeht, zerstört den Beweis. Dann kann niemand mehr sagen, ob der Schaden vom Friseur kam oder vom Badezimmer. Und ohne Beweis gibt es kein Nachbesserungsrech, keinen Rücktritt, kein Geld zurück. Nur Drama.

In dem Bob-Video war genau das passiert. Die Kundin hatte selbst Hand angelegt. Juristisch wäre das Thema damit eigentlich erledigt gewesen. Aber TikTok interessiert sich nicht für Zivilrecht. TikTok interessiert sich für Emotionen. Für Opferrollen. Für Klicks.

Und genau deshalb sage ich seit Monaten: Friseure müssen anfangen, wie Handwerker zu arbeiten. Ein Klempner fotografiert das kaputte Klo. Dann das reparierte Klo. Niemand diskutiert. Wir hingegen stehen da und sagen: „Ich schwöre, es sah vorher schlimmer aus.“

Nein. 2026 reicht das nicht mehr!

Heutige Dienstleistung braucht ein Fotoprotokoll

Eine professionelle Dienstleistung braucht heute ein Protokoll. Nicht als Misstrauen, sondern als Schutz. Ein Foto der Ausgangsbasis. Ein kurzer Vermerk, was gewünscht wurde. Ein Foto des Ergebnisses. Kein Gesicht, kein Name, kein Datenschutz-Drama – nur Haare. Seiten. Längen. Ansatz. Fertig.

Das schützt beide Seiten. Den Kunden, weil er sieht, dass sauber gearbeitet wird. Und den Friseur, weil TikTok dann nicht mehr die Wahrheit erfindet.

Denn Haare sind Chemie. Haare sind Geometrie. Haare sind Risiko. Und wer heute ohne Dokumentation blondiert, schneidet und färbt, arbeitet nicht kreativ – sondern fahrlässig.

Der Bob ging nicht nur schief.
Die Absicherung hat gefehlt.
Und die rechtliche Zeitkomponente wurde ignoriert.

Sprich mit Kunden, lese Kunden, verstehe Kunden. Sie sollen sofort reklamieren, bevor jemand am Haar rumgefummelt hat – oder du stehst allein da.

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