Wieso das, viele Hunde lieben den Salontrubel!
HB: Klar funktioniert es, sie sind ja gerne im Salon, aber Hunde müssen sich bewegen können. Sie müssen im Kopf ausgelastet werden und müde gemacht werden. Erst dann können sie ein glückliches Hundeleben führen. Im Salon ist es zu stressig, man ist bis spät am Abend dort und die Mittagspause wird oft reduziert, dann bleibt keine Zeit mehr für einen Spaziergang. Sogar eine kleine Französische Bulldogge, wie meine Wilma, braucht 2-3h Auslauf pro Tag!
Das klingt, als wäre der Friseurberuf an sich nicht mit Hund kompatibel?
HB: Es gibt sicher Berufe, die leichter mit Hund zu kombinieren sind. In jedem Büro kann man mal raus, aber mit Kunden ist das nicht möglich. Vor allem als Chef ist es enorm schwierig und stressig.
Ist ein Hund nicht gerade dann ein Ruhepol, wenn es stressig wird?
HB: Ja, klar, für einen selbst ist der Hund ein Therapiefaktor, wenn es stressig ist. Aber das ist doch super eigennützig, nicht?
Du hast auch von Chemie und Gerüchen gesprochen…?
HB: Ja! Stellt euch vor, ihr geht in eine Parfümerie – für den Hund ist das jeden Tag im Salon so. Duftstoffe, ätherische Öle, Chemikalien, Haarspray, das sinkt alles nach unten zum Hund. Und der Hund bleibt ja nicht auf seinem Platz, sondern wandert herum, wenn ihm langweilig wird.
Heute sagen alle, sie wollen Nachhaltigkeit, kaufen gutes Fleisch fürs Futter, Vitamine, Baden, Sonne und Bewegung – und dann sperren wir den Hund den ganzen Tag ein? Wo ist da die Ursprünglichkeit? Das passt für mich einfach nicht zusammen. Ein Hund ist viel Arbeit und wenn die Leute im Alltag nicht klarkommen, landen die Hunde im Tierheim und letztendlich dann bei meiner Mutter, die sich seit jeher im Tierschutz engagiert.
„Die leckerli-stopfenden Kunden machen mir mein Hundetraining kaputt!“
Wie siehst du die Kundenbindung mit Salonhund?
HB: Nicht jeder ist ein Hundefreund – bei uns im Salon geht es sehr international zu und man merkt schon, dass in manche Kulturen weniger Bezug zum Hund und mehr Angst da ist. Klar gibt es auch das Gegenteil – die würden meine Frenchies am liebsten dauerknuddeln und bringen immer Leckerlis mit. Aber der Hund meiner Mutter ist hochgradig allergisch, ich musste ständig aufpassen, dass die Kunden ihn nicht einfach ohne zu fragen füttern.
Eigentlich will ich auch gar nicht, dass der Hund Leckerlis reingestopft bekommt – das soll ja eine Belohnung sein, für etwas Gutes, das sie gemacht haben. Das macht unser ganzes Training kaputt. Ein Hund will arbeiten, üben, erschnüffeln – das ist ein wichtiger Aspekt, um den Hund auszulasten. Wenn er das machen kann, dann liegt der auch total k.o. im Salon und schläft bis zum Abend.