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Raphaela Kirschnick im Interview mit Peter Fuchs | Credit: Markus Wache

20.10.2022

Peter Fuchs: Friseure sind ständig mit Kopfhaut konfrontiert, fundiertes Wissen fehlt

Mit Spezialisierung auf Perücken, Zweithaarberatung und Haarausfall hat Peter Fuchs eine zusätzliche Dienstleistung im Friseursalon erfolgreich etabliert.

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Headdress Perücken | Credit: Headdress

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Peter, mit deinem Salonkonzept headdress hast Du Dich auf Zweithaar spezialisiert. Wie ist es dazu gekommen?
Peter Fuchs:
  Ich habe vor ca. 10 Jahren begonnen nach Businessalternativen zu suchen. Da immer öfter Chemo-PatientInnen zu uns kamen, haben wir uns damit näher auseinandergesetzt. Schlimm fand ich dabei vor allem, wie angestaubt das Image war. Dann habe ich mich mit meiner Frau Silvia auf die Suche gemacht, viel recherchiert, mit Ärzten gesprochen und mit vielen Betroffenen geredet. Denn das Beratungsgespräch muss ganz anders geführt werden und es braucht ruhige und geschützte Räume. Interessant war dabei auch, dass auch Ärzte an uns herangetreten sind.

Das ist ja eher unüblich, dass Ärzte an Friseure herantreten. Welche Ärzte waren das?
PF:
Onkologen. Denn die sind immer wieder damit konfrontiert, über Haare sprechen zu müssen. Bei vielen Frauen, die Krebs diagnostiziert werden, ist die erste Frage nicht, ob sie wieder gesund werden, sondern ob die Haare ausfallen.  Der Arzt ist für den medizinischen Bereich verantwortlich und unsere Aufgabe ist es über den Perückenbedarf zu informieren. Wir haben das dann modern aufgesetzt.

Wie groß ist denn der Umsatzanteil des Perückengeschäfts an eurem Gesamtumsatz?
PF:
Ca. 70 %

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Peter Fuchs bei der Kopfhautanalyse | Credit: Headdress

Wie ist eure Betreuung der Kunden, wenn es um die Abrechnung mit den Sozialversicherungsträgern geht?
PF:
Das ist unseren Kunden sehr wichtig. Das ist aktuell in jedem Bundesland anders geregelt und man muss sich da richtig gut auskennen. Wir machen für die Kunden die Abrechnung. Wichtig dabei, es gilt der Tarif des Bundeslandes, in dem der Salon steht.

Und dann kam zum Perückenstudio die Kopfhautbehandlung dazu?
PF:
Das sind zwei sehr unterschiedliche Themen.  Wenn man Perücke braucht, rückt zwangsläufig die Kopfhaut in den Fokus. Wir haben uns daraufhin gesamte Prozesse angeschaut und irgendwann gelernt, dass die Kopfhaut und der Haarausfall ein ganz komplexes Thema ist. Es gibt zahlreiche Arten von Haarausfall.

Ich habe oft das Gefühl, dass auch Friseure nicht so tief in der Kopfhaut Materie drin sind. Welche Fortbildung habt ihr denn gemacht, um Spezialisten zu sein?
PF:
Im ersten Schritt haben wir uns mit den Ursachen des Haarausfalls beschäftigt und dazu viel weitergebildet. Viele kennen ja oft nicht die Ursache für den Haarausfall. Nehmen wir das aktuelle Beispiel Long Covid, eine Nebenerscheinung ist tatsächlich Haarausfall. Das zu ermitteln, ist nicht ganz einfach.

"Wenn ein Kunde kommt, dann hat er schon Haarausfall, das heißt, man muss erstmal zurückrechnen und sich dann anschauen, was zu diesem Zeitpunkt war."

Wie findet man Ursachen von Haarausfall im Einzelfall heraus?
PF: 
Wenn wir Haaranalysen, sogenannte Trichogramme machen, dann wissen wir, dass ein Follikel-Zyklus 3-4 Monate dauert. Wenn ein Kunde kommt, dann hat er schon Haarausfall, das heißt, man muss erstmal zurückrechnen und sich dann anschauen, was zu diesem Zeitpunkt war, z. B. eine Coronaerkrankung. Dann hat man die Ursache und kann einen Behandlungsplan erstellen.

Ihr verwendet sehr viele Fachbegriffe. Gibt es hier ein Lexikon?
PF:
Man findet das unter anderem auf unserer Homepage, aber man kann dazu bei uns Seminare machen, diese bieten wir mittlerweile zu den Themen Haarausfall und Zweithaar an.

Du meintest, 'Kopfhaut ist aufwendig‘. Wie kalkuliert ihr die Dienstleistungen drumherum?
PF:
Es gibt bei uns keine klassische Preisliste und halten uns an Stundensätze. Dieser liegt bei uns bei 95 Euro.
Eine Haaranalyse kostet 95 Euro. Follow-Up-Kontrollen kosten 60 Euro und dauern 30 Minuten. Kunden sollten alle 3 Monate wiederkommen, um Behandlungserfolge zu prüfen. Dann gibt es noch unterschiedliche Haartherapien, die zwischen 30 und 90 Minuten dauern.

Ihr bietet auch so außergewöhnliche Behandlungen wie Eigenblutinjektion an. Wie läuft das ab?
PF:
Wir behandeln alle 14 Tage ca. 15 Personen, dafür kommt eigens eine Ärztin in den Salon. Eine Behandlung kostet 450 Euro. Hierfür haben wir einen eigenen Raum kreiert. Diese Kunden begleiten wir auch mit Produkten und Folgeterminen. Und der Erfolg ist sensationell.

Wie werden Kopfhaut-Wellness und Massagebehandlungen angenommen?
PF:
Das ist unterschiedlich. Insgesamt sehr gut angenommen, aber es kommt immer auf die Intensität an und welches Budget zur Verfügung steht.
Es gibt Therapien, die sollte man wöchentlich über einen Zeitraum von 3 Monaten machen und eine Therapiestunde kostet eben 95 Euro. Da redet man schnell mal von 3.000 Euro für eine Therapie. Vielen Kunden ist ihr gesundes Haar und Kopfhaut das wert.  

Was gibt es für Alternativen, wenn sich ein Kunde das nicht leisten will?
PF:
Wir haben eine eigene Produktlinie entwickelt‚ 'Sensicell-Hair‘. Nach einer professionellen Kopfhautanalyse und eingehender Beratung stellen wir Kunden ein individuelles Produktpaket zusammen. Der Kunde, muss die Behandlung zu Hause konsequent durchzuziehen, dabei erzielen wir ebenfalls großartige Behandlungserfolge. Wir haben dutzende Vorher-Nachher Bilder.

Eigenblutbehandlung, die bei Headdress eigens von einer Ärztin durchgeführt wird | Credit: Headdress

Sensicell Hair Produkte by Peter Fuchs | Credit: Headdress

Wie kommt die eigene Marke an?
PF:
Das ist ein Selbstläufer geworden. Wir haben mittlerweile viele Partnersalons, de damit arbeiten.
Schönes Haar beginnt ja mit der Kopfhaut und wenn man es schafft rechtzeitig richtig zu behandeln, dann ist das Haar perfekt. Das wird viel zu wenig von Friseuren beachtet. Oft ist einfach nur der Haarlebenszyklus gestört, an dem man arbeiten muss und automatisch wird das Haar voller, glänzender, etc.

Wie sieht es bei Männern und Haarausfall aus?
PF:
Das ist ein Riesenthema, vor allem bei den jungen Männern, die sich schon vorbeugend dem Thema widmen. Der große Unterschied liegt darin, dass sich Männer am Anfang ihres Lebenszyklus damit auseinandersetzen, Frauen eher ab 40. Das ist ganz einfach, bei Männern ist das Testosteron in jungen Jahren hoch, bei Frauen steigt es mit der Menopause.

Und gibt es auch Barber, die auf euch zukommen?
PF:
Ja, hier haben wir bereits einige Partnersalons.

Credit: Headdress

Welchen Rat gebt ihr Friseuren, die als Kopfhautspezialist wahrgenommen werden möchten?
PF:
Eigentlich sind Friseure ja ständig mit dem Thema Haarausfall konfrontiert, haben aber keinen fundierten Ratschlag dazu. Man kann sich dem Ganzen langsam, aber konsequent annähern, erste Schulungen, die Anschaffung und regelmäßige Nutzung eines Kopfhautanalysegerätes und echtes Interesse. Das ist eine Zusatzdienstleistung für den Friseurbetrieb, mit der man mehr Umsatz macht. Man braucht dafür auch keine teuren Geräte, die Kopfhautkamera gibt es bereits für 50 Euro und einen Computer hat doch jeder. Wenn man sich dann noch Zeit nimmt für Basisausbildungen, dann ist der Grundstein gelegt.  

Peter, vielen Dank für deine erste Einführung in ein sehr spannendes Thema und weiterhin viel Erfolg.

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