Vier Friseurbesuche später war ich begeistert. Mein Haar war immer schön und toll frisiert, es hielt, war weich und gesund bis in die Spitzen. Beim ersten Mal hat die Friseurin mir gleich gesagt ‚Pflege und Spitzenschneiden ist ein Muss‘. Ich konnte da gar nicht widersprechen und war danach so happy. Wenn ich bei uns zum Friseur gehe, dann werde ich grundsätzlich gefragt: „Darf es eine Pflege sein“ – das ist ja wie wenn der Arzt fragt: „Soll ich Ihnen Medizin verschreiben?“ „Nein, ich muss dein Haar hiermit pflegen und eine Steambehandlung mache ich auch, sonst wird die Frisur nicht schön“ Bumm! I’m loving it. Dieses Selbstbewusstsein, diese Klarheit, würde ich mir auch hier bei uns wünschen.
Lange Rundbürsten
Das Straßenbild zeigt es: Viele toll frisierte Menschen mit gesundem Haar, denn USA ist Föhnland und das können die so richtig gut. Überall wird mit langen Rundbürsten gearbeitet, das Föhntrendtool für langes Haar. Bei meinem vielen Haar sensationell, will ich auch in Europa haben.
Yoga für die Aura
Allumfassend geht es um mich, meinen Körper, meine Aura, mein Überleben im Jetzt, Yoga und Pilatesstudios verstreut wie Sand am Meer. Und weil so begehrt, ist das Yogaoutfit Teil der Streetfashion.
Überhaupt, niemals nicht fit
Hang-over-Treats und Party-Prep-Infusionen sind der Renner. Zu viel gefeiert? Kein Problem, es gibt Hangover-Bars, die Infusionen setzen, Standard in jedem Hotel in Las Vegas.
Psychics everywhere
Psychotherapie ist sowas von out, man geht jetzt zum Wahrsager: Ob Tarot, Kristallkugel oder Handlesen, man vertraut auf die Entdeckungen und Vorhersagen der vielen Psychics, die es an jeder Ecke von kärglich bis superluxuriös in allen Preisklassen gibt.
Ich sehe …
Keine Kerzen, sondern Autos und viel Tech
Shopping bleibt die Lieblingsbeschäftigung Nr.1, kein Wochenende ohne Mall-Besuch. Diese sind angefüllt mit Essen, Kleidung und Entertainment. Was fehlt, sind Interieur, Kerzen, Deko & Co. Dafür viel Hightech-Spielereien, gigantische Applestores, und es gibt Autos und Motorräder! Probesitzen in Teslas E-Panzer oder auf dem 40.000 $ E-Motorrad von Verge, bis hin zum Anfassen des neuesten Lamborghinis. Man muss nur wissen, wie man Männer lockt!
Dogs in the city
Für Kinder gibt es längst alles, im Konsummekka der USA sind Hundeeltern die neue zahlungskräftige Zielgruppe. Dog-Daycare for easy shopping findet man in jeder guten Einkaufsstraße. Es gibt eigene Hundebäckereien, Hundeeis und auch Hundesalons fehlen nicht. Hundedekadenz funktioniert, Money rules!
Ich will jetzt
An Knotenpunkten gibt es Automateninseln, ob für Nagellacke, Matchboxautos, Lebensmittel, Handyzubehör, whatever. Kreditkarte rein, Produkt raus.
Ich will mich
Nichts, was es nicht zu individualisieren gibt: Bausteine-Bäckereien, in denen man Torten individuell zusammenstellt, Cookies nach deinen Wünschen gebacken, individualisierte M&Ms, eigene Icecream-Flavours, Parfum, T-Shirt, Schuhe, Hautcreme, und, und, und. Shops sind bemüht Personalisierungscounter zu haben, Schlangestehen inklusive.
Ich will die Wahl
Im Schaufenster des Anthropology Stores hängt ein menschhoher Monitor und screent dich beim Vorbeigehen. Was dann geschieht, lädt zum Verweilen ein, denn im Sekundenrhythmus werden neue Kleider an deinen Körper geformt. GENIAL! Wie klasse wäre das im Friseurschaufenster. Jedem, der vorbeigeht, erhält mal eben unterschiedliche Frisuren oder Farben angepasst. Die Menschen würden Schlange stehen beim Friseur.
Dies ist eine kleine Auswahl meiner Highlights und Beobachtungen, es gäbe noch so viel mehr zu berichten. Einiges schwappt bereits herüber, anderes kommt sicher noch und manches wird sich nie etablieren. Mein Fazit fürs Friseurhandwerk: Denkt ans Storytelling, steht selbstbewusst zu eurem Können und entsprechenden Preisen, seid Haarärzte und bedient den Wunsch des Menschen nach Self-Enhancement.
Habt einen inspirierten Restsommer,
Eure Raphaela Kirschnick