Für die „Am Schauplatz“-Reportage „Friseursalon oder Barbershop“ war Fernsehjournalistin Nicole Kampl in ganz Österreich unterwegs und dokumentiert den Strukturwandel in der Friseurbranche: Wie funktionieren Barbershops und wie hat sich der einstige Traumberuf verändert?
Strukturwandel in der Friseurbranche
Der Traumberuf vieler junger Frauen stand 2024 erstmals auf der Berufsmangelliste in Österreich. (imSalon berichtete: ►Friseur ist bundesweiter Mangelberuf). Heuer gilt das nicht mehr bundesweit - "lediglich" Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol wird der Mangel bescheinigt. Gute Nachrichten sind das keine, die Branche ist im großen Wandel.
Barbershops boomen: Jedes drittes Friseurgeschäft mit Angestellten ist laut Friseurinnung mittlerweile ein Barbershop. Eine genaue Zahl gibt es nicht, Schätzungen der Innung gehen von rund 1.200 in Österreich aus. Viele der Beschäftigten in Barbershops haben migrantische Wurzeln und das Haareschneiden häufig in ihren Heimatländern gelernt. Der Haarschnitt um zehn Euro ist keine Seltenheit. Die Betreiber argumentieren mit Schnelligkeit - ein Maschinenschnitt dauert oft nur 15 Minuten. Doch die Finanzpolizei hat im Herbst 2024 ►34 Billigfriseure in Wien kontrolliert und dabei 29 Verstöße festgestellt.
Die ORF Reportage "Am Schauplatz" wirft mit ihrer Folge "Friseursalon oder Barbershop“ einen Blick auf den strukturellen Wandel in der Branche.
"Mehr als 20 Euro würde ich für so einen Haarschnitt nicht bezahlen."
Der Salon von Hassan Bouaziz in Wien ist ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche und junge Männer; viele kommen einmal die Woche, um sich ihren Taper-Fade- oder Low-Fade-Kurzhaarschnitt auffrischen zu lassen. Der gebürtige Algerier schneidet zwischen 15 und 25 Kunden am Tag, ein Haarschnitt kostet 17 Euro. „Mehr als 20 Euro würde ich für so einen Haarschnitt auch nicht bezahlen“, sagt ein Kunde. Die meisten kommen schon seit Jahren her, so auch der 21-jährige Leon aus Wien: „Es ist ein bisschen wie im Fitnessstudio: Man kommt zum Friseur und sieht jeden Menschen, alle Nationalitäten, von arm bis reich.“