Preiskonzepte für die Zukunft
von Friseurfreund Thomas Langer
Schneiden + Föhnen + Ansatzfarbe + Materialzuschlag + 15 Foliensträhnen + Neutralisierung + Glossing + Haarkur + Längenzuschlag + Energiezuschlag + Hygienezuschlag … macht zusammen … Oh Nein, ich habe den Augenservice vergessen! … zu spät. Genervt? Gewohnt? Erschrocken?
Ich skizziere hier eine Salonrealität, die in einem Großteil der Friseurunternehmen in Deutschland gelebt wird. Woher weiß ich das? Ich bin seit 25 Jahren in der Branche unterwegs und kenne sehr viele Unternehmen. Meine Mission als Friseurfreund.biz: Ich möchte die Arbeitskultur in Friseurunternehmen verbessern. Das Preiskonzept gehört unbedingt dazu. Es hat grundlegende Auswirkung auf die Arbeitsweise von Friseuren, es sollte beflügeln, nicht behindern.
Es gibt Preiskonzepte, welche die Qualität verbessern, Kundenbegeisterung ermöglichen und den Umsatz erhöhen, und ergibt andere, die dies nicht tun.
Wieso das so ist? Und was sind die besten Alternativen? Darum gehts in diesem Artikel.
Baukastenpreise sind out
Beginnen wir mit Gewohntem. Baukastenpreise, wie ich sie eingangs beschrieb, kenne ich seit meiner Friseurausbildung im Jahr 1998. Und es gibt natürlich wirkliche Vorteile dieses Preiskonzeptes. Vor allem zahlt jeder Kunde nur das, was er auch wirklich bekommen hat. Das Argument lasse ich gelten. Und die Preiskalkulation ist sehr detailliert möglich. Stimmt auch. Die Aufgeblähtheit der mir bekannten Baukastenpreislisten zeigt jedoch, dass selbst die feinste Untergliederung einer Preisliste die hochindividuellen Kundenwünsche in der Salonrealität nicht abbilden kann. Ein gern genommenes Beispiel aus Baukastenpreislisten: Strähnen. 15 Folien für 31€, 25 Folien für 35€, 35 Folien für 42€. Oder Pflege: Spülung 3€, Leave-In 4€, Maske 5€, Premium Maske 6€. Und Tönung, Farbe und Premiumfarbe haben auch unterschiedliche Preise. Von den ganzen Zuschlägen ganz zu schweigen. Gewohnt sind wir das. Aber ist es noch zeitgemäß? Passt das zu den wirklichen Bedürfnissen der Beteiligten in einem Friseursalon?
Was wollen unsere Kunden? Sie wollen einen individuellen und begeisternden Look, sie wollen eine gute Zeit mit ihrer(m) Stylistin(en) verbringen und sich hinterher einfach besser fühlen. Und das zu einem klaren, vorhersehbarem Preis.
Was wollen FriseurInnen? Sie wollen ihren Kunden ihre Wünsche erfüllen, kreativ das Beste aus dem machen, was ihnen der Kunde mitbringt und möglichst frei in ihren Entscheidungen und Handlungen ihr Kunsthandwerk leben.
Was wollen die Unternehmensgestalter? Begeisterte Kunden, die höchste Qualität bekommen, glückliche Mitarbeiter und dass die richtigen Preise für die Dienstleistung abgerechnet werden.
Baukastenpreise behindern die Erfüllung dieser Bedürfnisse. Aus meiner Sicht das größte Problem: Baukastenpreise stehen der Kundenbegeisterung und damit der Preisakzeptanz der Kunden im Weg. Warum? Bei einem Baukastenpreiskonzept muss der Friseur jede zusätzliche Dienstleistungsidee dem Kunden gegenüber preislich rechtfertigen, sie dem Kunden „verkaufen“.
Ja, es gibt FriseurInnen, die damit überhaupt kein Problem haben. Sie haben das nötige Standing, den nötigen Selbstwert und selbst überhaupt keine Angst vor hohen Preisen. Ich kenne da auch ein paar. Aber die meisten Kollegen scheuen sich vor dem Anbieten von Zusatzdienstleistungen, denn der Preis steigt mit jeder Empfehlung. Das frustriert viele Friseure.