Publikumsfrage: Warum denken Sie, ist es so schwer, Zukunftsbilder zu kreieren?
Marcel Aberle: Wir haben es ein Stück weit verlernt, uns die Zukunft vorzustellen. Kinder haben eine tolle Vorstellungskraft, die in der Schule abtrainiert wird. Ab da steht eher die Funktion im Mittelpunkt. Die Wirtschaft funktioniert auch so - man braucht Leute, die mit dem Strom schwimmen.
Für Zukunftsbilder muss man auch Mut haben und das bedeutet, sich nicht nur Freunde zu machen. Für Viele wird man damit eher zum Spinner. Man kann Zukunftsbilder aber auch kleiner denken - man muss damit ja nicht die Welt retten. Es reicht, wenn man sich überlegt: Wie soll es sich anfühlen, wenn ich in 5 Jahren meinen Salon betrete? Was möchte ich da hören, sehen oder riechen? Heute hat man so viele Möglichkeiten und steht vor vielen Entscheidungen, das kann überfordern - dann hilft es oft, kleiner zu denken.
Publikumsfrage: Welcher Megatrend könnte die Friseur-Branche entscheidend beeinflussen?
Marcel Aberle: Alle Megatrends beeinflussen alle Branchen. Das New Work Thema wird eine Riesengeschichte sein. Auch der Megatrend Konnektivität mit seiner Achtsamkeitsbewegung und der Wichtigkeit der Empathieberufe hat einfluss auf die Friseurbranche.
Der Trend der Digitalisierung steht der Achtsamkeit gegenüber. Gerade in der Friseurbranche sieht man häufig, dass das Digitale zuviel sein kann. Je digitaler die Welt wird, desto wichtiger sind empathische Berufe wie der Friseurberuf. Auch für den Friseur selbst - mit mehr Digitalität wird die Sehnsucht nach haptischem Arbeiten größer.