Im Gespräch mit Katriina Janhunen
imSalon: Du sagst, 80% der Leute, die sich bei dir bewerben, wollen schwarz arbeiten. Erzähl mal, was ist da los?
Subramaniam Santos: Die Bewerber kommen oft rein mit utopischen Vorstellungen, wollen 4.000 € verdienen, aber Teilzeit arbeiten – oder alles ohne Steuern zu zahlen!
Wie reagierst du auf solche Wünsche?
Ich sage, dass das unrealistisch ist. Klar, man kann jede Summe verdienen, wenn man sie auch erwirtschaftet. Diese Gehaltsvorstellungen sind ohne Erfahrung, Fleiß und Stammkundschaft aber nicht möglich. Und selbst wenn – wie viele Kunden willst du denn am Tag durchjagen? Das kann nur zu Unzufriedenheit und Qualitätsverlust führen.
Was erlebst du noch so bei Bewerbungsgesprächen?
Es gibt auch Bewerber, die reinkommen und sagen, dass sie auf der Suche nach einem Job sind – und wenn es um die Gehaltsverhandlung geht, wird es kurios! Ich zahle ein Fixgehalt plus Umsatz- und Verkaufsprovision, das reicht vielen nicht aus. Die wollen zusätzlich die Hälfte des persönlichen Tagesumsatzes bar auf die Hand.
Ist das ein gängiges "Geschäftsmodell"?
Es scheint so! Da dieses Modell für mich sehr schwer zu verstehen war, habe ich einen Bewerber gefragt, wie das umzusetzen wäre. Er sagte, wenn er zum Beispiel am Tag 400€ Umsatz erzielt, würde ihm davon die Hälfte gehören. Ich fragte: "Wovon soll ich die Steuern abführen, Betriebskosten und Material bezahlen bitte? Von deinen 200€? Wie soll ich dich entlohnen?" „Das gebe ich dir!!!“, meinte er.
Und das war noch nicht alles! Ich sagte ihm, dass dieses Modell hier nicht funktioniert und dass, wenn so etwas auffliegt, es schwere Konsequenzen hätte. Daraufhin sagte er zu mir: „Santos, du bist ein Friseur – ich bin aber ein Geschäftsmann!“ Bei dem Spruch bin ich echt vom Glauben abgefallen.