Im Interview mit Juliane Krammer
Hallo Andrea, wie viele Heim-Unfälle musst du monatlich korrigieren?
Andrea Hecker: (lacht) Heimunfälle kommen keine zu mir. Die letzte Korrektur, die mich sehr viele Nerven gekostet hat, hat ein sehr berühmter Kollege von mir verursacht. Unfälle von Kollegen machen einen Großteil meiner Korrekturen aus. Meistens sind diese Unfälle Missverständnisse, mit dem Ergebnis, dass sich die Kundin nicht wohl fühlt.
Was war das für eine Korrektur?
AH: Das war ein Profimodel, das bei einer Fotoproduktion verfärbt wurde und die mit ihrem neuen Look total unglücklich war.
Und dieses Model ist hilferufend zu dir gekommen?
AH: Der Verlag der Produktion hat mich angerufen und gemeint: „Wenn das jemand retten kann, dann du.“ Ich hab das Ganze tatsächlich retten können, aber es waren zwei Färbe Einheiten notwendig. Haare sind ja auch nur bis zu einem bestimmten Grad belastbar.
Wenn so eine Korrektur über 2 Einheiten abläuft, wie ist hier denn der Zwischenschritt?
AH: Da gibt es diverse Zaubermittel, mit denen man frische Farbe gut künstlich rausziehen kann. Das klappt bis zu einem gewissen prozentualen Anteil. Wenn das nicht ausreicht, musst du dann am Ende mit Blondierung ran. Klar ist, je öfter gefärbt wurde, umso mehr Pigment muss abgebaut werden. Eine Pigmentüberlagerung ist schon tricky.
Glücklicherweise ist die Technik heutzutage bei den Produkten schon weiter und diese leisten mehr, als das früher der Fall war. Zudem ist auch ein haarschonender Einsatz möglich geworden. Das Know-how brauchst du aber trotzdem.
Was bringt der Farbmarkt der Zukunft?
AH: Der Farbmarkt ist ganz klar im Umbruch. Das macht sich auch schon bei den Endverbrauchern unter 25 Jahren bemerkbar. Die greifen wieder auf Extremes - ein wiederkehrendes Phänomen in Zeiten der Revolution. Die Jungen, die Generation Z, gehen freitags auf die Straße, demonstrieren und boykottieren – auch am Kopf!