Die Lehrlingszahlen in NÖ sind mit ca. 380 in den letzten Jahren recht stabil. Du bildest selbst aus und bist der Ansicht, dass interessierte Jugendliche mitunter keine Lehrstelle finden. Wie lässt sich das lösen?
DD: Wir müssen uns im Ausbildungssektor breiter aufstellen – und ich sage bewusst Ausbildung und nicht Lehre. Das duale System ist ein gutes System, es funktioniert. Aber die Zeit hat sich weiterentwickelt und wir sollten das System um andere Möglichkeiten erweitern.
Was sind deine konkreten Vorschläge?
DD: Eine private Fachschule mit dreijähriger, praxisnaher Ausbildung, verbunden mit der Kosmetikbranche und dem Einzelhandel, also des Bürokaufmanns und der Bürokauffrau. Die Leute wären ca. acht Monate in der Schule und drei Monate verpflichtend im Betrieb. Mein Ansatz ist, eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht zu implizieren, mit finanzieller Unterstützung vom Bund, Gleichstellung mit Privatschulen, mit eigenen Statuten und staatlich anerkannten Abschlüssen. Und ganz bewusst ohne Matura. Erste Gespräche dahingehend habe ich mit der Wirtschaftskammer bereits geführt. Diese Fachschule wäre eine regionale Maßnahme und nur ein Teil vom Ganzen.
Sollten die Schülerinnen und Schüler dafür zahlen?
DD: Ja, einen Schulgeldbeitrag. In Privatschulen sind das in der Regel zwischen 150 und 300 Euro monatlich.
"Wir müssen die EPU mit ins Boot holen."
Warum eine Fachschule ohne Matura?
DD: Was die HBLA (Höhere Bundeslehranstalt, Anm.) zeigt: Die Leute, die die Matura machen, haben danach oft nicht das Ansinnen im Betrieb zu bleiben und am Kunden zu stehen. Wir müssen wirklich alle Kanäle bedienen, um zu unseren Fachkräften zu kommen. Wir müssen natürlich weiterhin auf Erwachsenenbildung setzen und bestehende Modelle, wie z.B. die ►AQUA-Lehre vom AMS, weiter ausbauen und stützen.
Jeder Betrieb kann auch einen Menschen ohne Lehrvertrag und auf Teilzeitbasis ausbilden. Gerade interessant im Umschulungssektor. So könnte eine Mutter in Teilzeit den Beruf erlernen und nach entsprechender Stundenanzahl und abgeleisteter Ausbildungszeit zu einer Lehrprüfung antreten. Und ganz wichtig: Wir müssen die EPU mit ins Boot holen.
Wie könnte das funktionieren?
DD: Zwei, drei EPUs können sich ohne weiteres einen Lehrling über einen Ausbildungsverband teilen und gemeinsam eine Fachkraft ausbilden. Der rechtliche Rahmen gibt da schon sehr vieles her, wir müssen die Betriebe darüber nur besser informieren. Es gibt Beispiele, wo sich drei EPUs ein Geschäftslokal teilen, sie könnten sich auch einen Lehrling teilen. Gerade heute, mit der Tendenz zur 4-Tage-Woche, wo einige Kolleginnen und Kollegen nur noch 30 Stunden geöffnet haben, und ein Lehrvertrag aber 40 Stunden umfassen muss, werden solche Modelle attraktiver: Mein EPU in der Nachbarschaft übernimmt den Lehrling, wenn ich nicht da bin.
Schwarzarbeit und Dumping beschäftigen die Branche zudem. Welche Maßnahmen erwartest du von Behörden – und welche Initiativen setzt die Innung selbst?
DD: In Niederösterreich funktioniert die Zusammenarbeit mit den BHs (Bezirkshuaptmannschaften, Anm.) sehr gut. Wir bekommen von der BH-Geschäftsanträge, die wir auf fachliche Gegebenheiten prüfen. Wenn beispielsweise dezidierte Fälle von Schwarzarbeit oder Gesetzesverstößen bei uns reinkommen, leiten wir die von der Wirtschaftskammer umgehend an die Finanz weiter.
"Es wäre wichtig, den Gewerbezugang zu vereinheitlichen."
Allerdings wünsche ich mir, dass die BHs österreichweit miteinander vernetzt sind und zusammenarbeiten, das würde Standortüberprüfungen erleichtern. Und es wäre wichtig, den Gewerbezugang zu vereinheitlichen. Für jeden Gewerbeschein braucht es eine Unternehmerprüfung - ob Barber mit Einschränkung auf Herren oder normales Friseurgeschäft – und das über alle reglementierten Gewerbe hinaus.
Was treibt dich an, die Branche voranbringen zu wollen?
DD: Ich habe sehr jung als Wirtschaftskammerfunktionär gestartet und ich glaube, man macht das nur, wenn man einen gewissen Entwicklungswillen hat. In dieser Funktion ist man einfach motiviert, egal mit welcher Problematik man konfrontiert wird. Ich bin mir sicher, dass jeder Innungsmeister, jede Innungsmeisterin und die Stellvertretenden, die viel Arbeit und Zeit investieren, eine hohe Motivation haben, das Beste aus der Branche herauszuholen.