Wenn du dann, wie bei der Verleihung des GOLDENE BILD der FRAU Awards, zwischen all den Promis sitzt… wie fühlt sich das an?
KF: Klar denkt man: Mein Gott haben wir nicht alle zu viel? Aber wir sollten kein schlechtes Gewissen haben, denn wir arbeiten auch dafür. Allerdings sollten wir auch abgeben, denn wir haben das Glück, dass der Kelch an uns vorbei zu gehen scheint. Und das tun die Leute bei solch einer Veranstaltung ja auch: abgeben.
„Unsere Kutten brechen das Eis auf.“
Warum tragen die Barber Angels Motorradkluft?
KF: Die Kluft nimmt den Menschen auf der Straße Hemmungen. Wir Friseure sind gern individuell und ziehen uns gern schick an. Auf der Straße würde keiner der Leute zu uns Vertrauen aufbauen. Deshalb sind die Motorrad-Kutten perfekt, sie brechen das Eis auf.
„Mir ging es selbst so. Als Jugendliche bin ich drei Tage auf der Straße gewesen.“
Ihr verhelft euren Gästen zu einer äußeren Veränderung – wie schaut das mit der inneren aus?
KF: Viele unserer Gäste, die zu uns kommen, sind verzweifelt. Aber auch froh, jemanden zu treffen, der ihnen zuhört und manchmal auch einen Tipp geben kann. Weißt du, jeder Barber Angel hat seine eigene Geschichte. Du wirst nicht einfach so ein Barber Angel. Wir haben in unseren eigenen Reihen Kollegen, die auf der Straße gelebt haben. Mir ging es selbst so. Als Jugendliche bin ich drei Tage auf der Straße gewesen und wusste nicht wohin. Das waren zwar nur drei Tage, aber ich kann ein wenig nachempfinden, wie sich das anfühlt kein Obdach zu haben und niemanden, zu dem man gehen kann. Ich hatte das Glück, dass Freunde mich aufgenommen haben, die meinten: „Nein Kristina, nicht DU!“ Freunde haben mich damals gerettet, aber dieses Glück haben nicht alle.
Welches Erlebnis hat dich in deiner Arbeit als Barber Angel am meisten berührt?
KF: Das ist schwer zu sagen, da gibt es tausende Geschichten! Aber um eine zu erzählen: Eine Frau aus München, die unter schwerster häuslicher Gewalt litt, hatte es zwar irgendwann geschafft, ihren Lebenspartner zu verlassen, geriet aber trotzdem in eine Abwärtsspirale: Ihre vier Kinder wurden ihr weggenommen, sie traf die falschen Freunde, falsche Entscheidungen, hinzu kamen Drogen. Ich hatte ihr damals im Frauenhaus in München die Haare geschnitten und sie dabei so behandelt, wie ich das eben mit jeder „normalen“ Kundin auch tue. Das hat sie sehr berührt und in ihrem Selbstvertrauen bestärkt. Zwei Tage später ist sie „aufgewacht“ und hat sich gesagt, sie nimmt die Tipps an und bekommt ihr Leben wieder in den Griff. Jetzt hat sie einen gut bezahlten Job, eine Wohnung und ihre Kinder zurück. Es ist schön zu sehen, was man mit Kamm und Schere machen kann.
Was nimmst du dir aus dem Frauennetzwerk der BILD der FRAU Preisträgerinnen mit?
KF: Das ist ein ganz besonderes Netzwerk und ich bin dankbar für viele neue Möglichkeiten. Das war jetzt erst der Anfang und ich denke, es werden einige Zusammenarbeiten zustande kommen. Die Preisträgerinnen setzen sich für die verschiedenste Projekte ein, für kranke Kinder, für Menschen mit Behinderung oder für innovative Umwelt- und Lebensprojekte. Einiges davon lässt sich mit Haareschneiden sicher verbinden.