Du pflegst keine Social Media-Aktivitäten?
BK: Nein, ich mach das nicht. Weil es mich nicht interessierst, was du zum Frühstück isst und wohin du in den Urlaub fährst. Und wenn, dann ruf ich dich an.
„Ich glaube nicht an das duale Ausbildungssystem.“
Du hast jetzt mehr Zeit für deinen Salon. Würdest du wieder ausbilden?
BK: Learning by doing! Ich glaube nicht an das duale Ausbildungssystem, auch wenn das gehypt wird. In meinen Augen wäre Mentoring eine bessere Sache. Ich möchte jemanden auf Augenhöhe etwas beibringen und das geht nicht, wenn man in einem Lehrlingsverhältnis steckt. Allerdings denke ich auch, dass es wenige Leute geben wird, die die entsprechende Motivation hätten. Ich habe genüg „Leeches“ (Blutegel, Anm.) kennengelernt, die dich aussaugen und dann liegen lassen.
„Unsere Branche hat mir so viel gegeben, dass ich gern bereit bin, zurückzugeben.“
Könnte man dich als Mentor buchen?
BK: Ich habe mich immer schon gefragt, warum verstaatlichte Organisationen, die den Beruf weiterbringen sollten, sich nie bei mir gemeldet haben. Mit dem damaligen Wiener Innungsmeister Lui Vehzely hatte das gut geklappt, er erkannte das Potential. Damals habe ich solche Sachen umsonst gemacht. Unsere Branche hat mir so viel gegeben, dass ich gern bereit bin, etwas zurückzugeben.
Innungsarbeit ist kein Thema für dich?
BK: (Schelmich) Nun ja, ich würde sofort Innungsmeister werden (lacht).
Verstehe … also nein :) Wann wird es das nächste Wella Seminar mit dir geben?
BK: Das steht noch nicht fest.
Also doch ein schleichender Rückzug? Wie schaut es denn bei dir im Salon mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus?
BK: Momentan spielen sie ‚Meuterei auf der Bounty‘ – ich bin der Marlon Brando, der ausgesetzt wird.
Warum? Weil du zu viel da bist?
BK: Ja, vielleicht sehe ich nun Sachen, die ich früher nicht gesehen habe (lacht). Momentan denke ich darüber nach, noch einmal kleiner zu werden.
„Ich werde mir nicht, durch das Problem Mitarbeiter zu motivieren, (…) die Lust am Haareschneiden nehmen lassen.“
Du hast jetzt 7 Mitarbeiter*innen – warum verkleinern?
BK: Ich kenne Leute in Amerika, in England, in Deutschland ... die Salons mit 20 Mitarbeitern und mehr hatten, und nun in einem kleinen Geschäft stehen und allein arbeiten. Ganz ehrlich, ich werde mir nicht durch das Problem, Mitarbeiter zu motivieren, zu halten und zu popscherln, mir die Lust am Haareschneiden nehmen lassen. Ich schneide für mein Leben gern, aber ich werde mir nicht das MUSS der Branche auferlegen, einen großen, gut gehenden Salon haben zu müssen, um erfolgreich zu sein. Ich habe für mich herausgefunden: Erfolgreich zu sein heißt, ein Wochenende mit meiner Frau zu haben.