Ein Gespräch mit Katja Ottiger
Herr Mausser, Sie sind Landesinnungsmeister im Burgenland. Was sind dort die besonderen Herausforderungen?
►Diethard Mausser: Es gibt zwei große. Zum einen ist es die Preissituation. Wir sind östliches Grenzgebiet, was sich mit den Preisen im Westen nicht vergleichen lässt. Gegenüber der Konkurrenz in Ungarn hat man nur eine Chance, wenn man mit Qualität punktet.
Zum Zweiten sind es die EPUs und hier vor allem die Kleinstbetriebe, die zu einem gewissen Satz umsatzsteuerbefreit sind. Zusammen mit Ungarn tut das den hiesigen Geschäften nicht gut.
Sie leiten den Arbeitskreis Aus- und Weiterbildung in der Bundesinnung, haben u.a. mit Berufsbild, LAP und Meisterprüfung zu tun. Wie stehen Sie zum dualen Ausbildungssystem?
DM: Das duale System in seiner derzeitigen Form ist mir ein Dorn im Auge. Dieses System kenne ich, seit ich auf der Welt bin, meine Mutter wurde in den 40er Jahren danach ausgebildet. Es ist in die Jahre gekommen. Die Vielfältigkeit ist noch vorhanden, aber nicht mehr aktuell.
„Praktische Ausbildung kann nirgends besser passieren als im Betrieb. (…) Die gesamte Praxis muss raus aus der Schule und rein in den Betrieb.“
Was ist Ihr Denkansatz?
DM: Praktische Ausbildung kann nirgends besser passieren als im Betrieb. Die wirtschaftliche Ausbildung beispielsweise, die wir in Zukunft wesentlich mehr brauchen werden, gehört im dualen System in die Berufsschule. Denn ich sehe das bei den Vorbereitungskursen für die Meisterprüfungen: Oft fehlt das wirtschaftliche Denken.
Für die Berufsschule heißt das: Praxisplätze raus und Theorie wie Wirtschaft und Digitalität rein?
DM: Ja, ich plädiere dafür, das gewachsene System umzudrehen: Die gesamte Praxis muss raus aus der Schule und rein in den Betrieb. Alles wesentlich Schulische, aber auch Wirtschaft und Marketing, Digitalität, Kalkulation und die deutsche Sprache gehören in die Berufsschule. Das alles wird in der Zukunft massiv gefordert werden und wenn man sich die Entwicklung anschaut, kann es in gar keine andere Richtung gehen.
„Wir gehen auf eine Zeit der Spezialisierung zu (…), wir müssen uns innerhalb des dualen Systems spezialisieren.“
Wie garantiert man dann, dass Lehrlinge in den Lehrbetrieben bestmöglich ausgebildet werden?
DM: Bei der Fülle der Kreativität in unserem Beruf und den Anforderungen an unser Handwerk, wird es nicht möglich sein, dass jeder Betrieb alles gleich gut ausbilden kann. Wir gehen auf eine Zeit der Spezialisierung zu. Wir spüren das doch schon, denken wir beispielsweise an Haarersatz, Haarverlängerungen. Das alles sind gelernte Friseurinnen und Friseure, die sich weitergebildet und spezialisiert haben. Wir müssen uns auch innerhalb des dualen Systems spezialisieren.
Dürfte nach diesem Gedankengang ein Salon, der ausschließlich Farbe macht, ausbilden?
DM: Kritiker würden genau mit diesem Argument kommen und es würde sich nichts ändern. Es ist ein Gedanke, der weitergedacht werden muss, auch im Zugang zu den Gewerberichtlinien. Aber wenn Sie sich heute irgendwo spezialisieren, egal in welchem Feld, habe Sie Haare schneiden schon einmal anderswo gelernt und praktiziert und können das dann auch weitergeben.
Wie kann ich mich als Lehrling spezialisieren, wenn mein Salon in einer anderen Richtung aufgestellt ist? Gäbe es da vonseiten der Innung Unterstützungsmöglichkeiten?
DM: Das probieren wir derzeit in unserer Berufsschule. Die Landesinnung Burgenland engagiert eine Firma, die sich auf verschiedenste Services spezialisiert hat, wie Ausbildung in der fachlichen Kopfmassage, beim Augenservice und der Maniküre für das 1. Lehrjahr. Das steigert sich natürlich in den folgenden Ausbildungsjahren bis zu Haarverlängerungen. Die Lehrlinge bekommen über jede Spezialisierung ein Diplom, was im Betrieb wiederum zu Umsätzen führen kann: Warum eine fachliche Kopfmassage nicht um 10 Euro anbieten?