Ich habe gesehen, ihr bietet ein Stuhlmiete-Stipendium an …
NR: Wir wollen junge Meister unterstützen, in die Selbstständigkeit zu gehen. Man kann sich online anmelden, ein paar Fragen beantworten, Arbeiten zeigen und mit etwas Glück gibt es drei Monate kostenlos Stuhlmiete von uns. Obendrauf kommt ein Education-Paket für ein Seminar. Es gibt Geld für neue Tools, Unterstützung von einer Grafikerin und außerdem eine komplette Beratung für die ersten Schritte in die Selbstständigkeit, um einen Kundenstock aufzubauen, den Cashflow richtig zu nutzen und um sich weiterzuentwickeln.
Welche Voraussetzung müssen deine Stuhlmietenden erfüllen?
NR: Es gibt im Vorhinein ein persönliches Gespräch und mir ist wichtig, dass kein Preisdumping stattfindet. Jeder kann selbst entscheiden, wie er seine Preise macht, aber es gibt Grenzen und so kann ich dazu beitragen, das Friseurhandwerk zu schützen. Außerdem sind zu günstige Preise nicht rentabel. Das müssen junge Unternehmer verstehen lernen.
Du hast dafür eine App entwickelt …
NR: Ja, so können die Friseure ihren Alltag steuern. Unter anderem gibt es einen Preiskalkulator. Du kannst eingeben, was du netto verdienen willst und aufgrund deiner Arbeitsstunden, Auslastung, Mietkosten, etc. kommt raus, was du in der Stunde einnehmen musst. Mit der Backoffice App kannst du außerdem deinen Stuhl buchen, Produkte bestellen, es gibt Bildmaterial für Marketingzwecke, einen Kummerkasten, …
Wie viel kostet es, einen Stuhl in deinen Stuhlmiete-Salons zu mieten?
NR: Ganztags belaufen sich die Kosten von 79 bis 90 Euro. Es kommt hier auf die Location an. Wir haben aber weitere Mietmodelle wie stundenweise oder halbtags. Da starten die Kosten bei 58 Euro.
Wie regelt ihr die Themen Öffnungszeiten, Registrierkasse, Lager und Produkte?
NR: Der Salon ist von 8:00-22:00 Uhr geöffnet und da kann zu den gebuchten Zeiten die Räumlichkeit genutzt werden. In punkto Registrierkasse braucht es teilweise nur mehr eine App, um über das eigene Handy abzukassieren.
Und das funktioniert so einfach?
NR: Ein Stuhlmieter, der ja eher keine Mitarbeiter hat, macht niemals so viel Umsatz wie ein Salonbetreiber, der ein Kartengerät von der Sparkasse braucht, das monatlich noch Geld kostet. Alle Systeme, die wir empfehlen, sind monatlich kündbar.
Und wie sieht es bei Produkten und Lager aus?
NR: Ganz unterschiedlich. Alle Friseure entscheiden selbst, welche Produkte sie anbieten. Im Store stellen wir unter anderem die Marken ► Davines, Kevin Murphy und Kérastase zur Verfügung – die Stuhlmieter bekommen hier eine Verkaufsprovision. Genauso können sie über uns Waren zum Einkaufspreis beziehen. Für die eigenen Produkte gibt es einzelne Fächer, je nachdem wie viel Tage die Woche gebucht hat, variiert die Größe.
Du hast in 5 Jahren viel aufgebaut. Was ist noch geplant?
NR: Es ist alles noch in Kinderschuhen, aber ich möchte unsere Backoffice App digital so weiterentwickeln, dass sie Stuhlmietern in anderen Regionen hilft, sich selbstständig zu machen. Aber auch Stuhlmietbetreiber sollen darüber digitale Unterstützung erhalten.
Meinst du, ist der Bedarf da?
NR: Ja, ich sehe die Nachfrage unseres Stuhlmiete-Seminars ist. Viele Salonbesitzer mit mehreren Läden merken, wie schwer es geworden ist, Mitarbeiter zu finden, diese fair bezahlen zu können und die Auslastung zu garantieren. Dementsprechend machen sich viele Gedanken darüber, wie man Konzepte so umgestalten kann, dass man nicht mehr abhängig von den Mitarbeitern ist.
Danke, Nico, für deine Zeit und die Einblicke in dein Salonkonzept! Alles Gute für die Zukunft!
Über NICNOA & Co
Nico Rapp ist gelernter Friseur und Gründer des Stuhlmiete-Konzepts NICNOA & Co. Die drei Co-Working Salons für FriseurInnen sowie Beauty Artists sind im Münchner Glockenbachviertel, in der Maxvorstadt sowie am Gärtnerplatz zu finden. Insgesamt stehen 31 Plätze für unterschiedliche Mietoptionen zur Verfügung.