Gehen Leute weniger zum Friseur als früher?
JM: Es gehen andere Leute zum Friseur! Früher waren wöchentliche Föhnkundinnen häufig. Heute nehmen mehr Kundinnen, große Dienstleistungen mit aufwendiger Farbe und Treatments in Anspruch. Dafür kommen sie nicht mehr jede Woche.
Warum glaubst du, hat sich das verändert?
JM: Der größte Grund dafür ist Social Media! Die Leute sind viel aufgeklärter über ihre Haare, Pflegeroutinen und der Wert des Friseurs wird stärker kommuniziert. Wenn ich den ganzen Tag gezeigt kriege, was ich mit Haaren machen kann, dann wächst auch mein Wunsch, das umzusetzen.
Inwieweit hat die Produkt-Enwicklung damit zu tun?
JM: Es gibt Produkte, die gab es früher nicht. Heute ist es ganz normal, dass eine Farbkundin im Anschluss eine Veredelung dazunimmt. Früher hat man jede Kundin mit einfach blondierten Haaren rausgeschickt.
Wie wird es weitergehen?
JM: Die Entwicklung ist echt crazy! Ich glaube, dass der Friseur mal eine Luxusdienstleistung wird, die sich nur ein gewisses Klientel leistet. Und der Rest wird auf Do-it-yourself gehen – die Angebote in der Drogerie werden immer besser und auch die DIY-Tutorials, die man in den Sozialen Netzwerken findet. Zum Friseur geht man dann für eine Auszeit und will ganz viel Wellness dazubekommen. Die Salons werden immer krasser in der Ausstattung mit Massagesesseln, Spa-Angeboten und Wellnesscharakter.
Wie spielt der Fachkräftemangel da rein?
JM: Mittlerweile sind Kundinnen froh, einen Termin zu bekommen oder sogar als Stammkunde aufgenommen zu werden, ähnlich wie beim Arzt. Die Nachfrage ist riesig, das Angebot ist klein, es gibt keinen vernünftigen Nachwuchs. Die meisten werden in Kauf nehmen, für eine qualitativ hochwertige Dienstleistung weit fahren und viel Geld zahlen zu müssen.
Du verkaufst den Großteil deiner Produkte über deinen Online-Shop. Wie kam es dazu?
JM: Ich arbeite schon lange mit New Flag zusammen und für Urban Alchemy war ich einer der 300 Salons, die es exklusiv vertreiben durfte. Mein Onlineshop war in 10 Minuten leergekauft. Ich habe Daniel Haffa [Anm. CEO New Flag] angerufen und gesagt: „Dani, ich habe hier hunderte Leute, die jetzt dieses Produkt kaufen möchten. Wie sieht's aus, habt ihr noch was?“ Ich wollte meine Kunden ja nicht von meinem eigenen Onlineshop wegschicken. Da hat er gesagt: „Du, wir haben so ein Affiliate-Programm, das ist zwar noch nicht am Start, aber gib mir zehn Minuten.“ Er hat mir einen Code geschickt und den habe ich an meine Kunden weitergegeben. Ich habe Umsatz gemacht, ohne Lagerkosten und ohne, dass meine Angestellten hier packen und versenden müssen, weil alles über den Shop von New Flag lief.
Kanntest du solche Verkaufsmodelle davor?
JM: Klar, ich kenne Affiliate-Programme aus diesem Influencer-Game mit Lifestyle, Beauty, Make-up, Sportsachen usw. aber die Rate, die ich bei Urban Alchemy bekomme, ist mega-hoch. Ich muss mich auch nicht absprechen, was ich wann poste und muss keinen Kooperationsvertrag aushandeln. Ich kann raushauen, wann ich will, permanent oder eben auch mal zwei Monate nicht und habe keinen Stress. Ich habe natürlich eine große Reichweite, aber egal wie groß deine Zielgruppe ist - hier liegt ein leichter Zusatzumsatz, den kein Salon liegenlassen sollte.