Dann ist Anna Sophie ja aus einem der ersten Jahrgänge an der Modeschule!
JM: Ja, Anna Sophie ist aus dem ersten Abschlussjahr, quasi ein Prototyp. Sie hatte bei mir bereits das Pflichtpraktikum und später ihre Abschlussarbeiten gemacht. Anna-Sophie hat ihren Abschluss in Visagistik, Kosmetik & Haarstyling, sowie Abitur. Den Meister hat sie auch gleich darauf gemacht.
Das Konzept der Modeschule gibt es allerdings nur einmal.
JM: Da denke ich, muss sich unsere Branche noch mehr einfallen lassen, um mehr qualifizierten Nachwuchs zu bekommen.
Ihr seid 6 Frauen! Welchen Stellenwert hat die Frau in der Branche für dich?
JM: Für mich machen sich die Frauen selbst viel zu oft zu klein und fordern zu wenig ein. Und sie stehen oft auch nicht für ihren Wert ein. Langsam dreht sich das. Im Salon ist mir das sehr wichtig, wir arbeiten stark in die Richtung „Wir sind uns das wert“.
Ich möchte, dass sich in den Köpfen verankert, „Ich bin in der Stunde mindestens 70 Euro wert“. Ich will, dass das alle meine Mädchen sagen.
Du zahlst Überkollektiv?
JM: Ja natürlich. Auch mein Lehrling, der bereits Umsatz erbringt.
Und welchen Status hat eure Beauty Assistentin?
JM: Dazu hat mich tatsächlich die Kao Initiative (imSalon berichtete) inspiriert. Wir hatten genügend Lehrlingsbewerbungen und sind ein gutes Team. Aber wir benötigen Unterstützung bei vielen kleinen wichtigen Zu-Arbeiten. Lienz ist eine Schulstadt und viele Schüler suchen Nebenbeschäftigungen. Was kann einem denn Besseres passieren, wenn man an 1-3 Tagen Unterstützung von Schülerinnen erhält.
Vor allem sind sie Werbeträger für uns und damit Neukundenbringer. Die Beauty Assistentin, die wir jetzt beschäftigen ist ein 20-jähriges Mädchen, die am WIFI im zweiten Bildungsweg Matura macht. Und die arbeitet an 2 Tagen bei uns.
Sie betreut den Waschbereich, wir haben ihr das Augenservice gelernt, sie macht Getränke und Rezeption und räumt uns am Abend den Laden auf.
Weil du gerade Augenservice erwähnst. Das wird ja häufig sehr stiefkindlich gehandhabt.
JM: Bei uns bekommt wirklich jede Frau einen Augenservice angeboten und 90 % machen das. Unsere Anna-Sophie hat eine hervorragende Basisausbildung und hat alle im Salon darauf trainiert. Augenservice umfasst bei uns Färben, Zupfen, Harzen und Lashlift. Und die machen wir immer, während die Pflege einwirkt, im Waschbereich.
Du hast viele Ideen für die „Jungen“ Wie begegnest du der neuen Generation?
JM: Auch ich tue mir mit der neuen Generation schwerer als noch vor 15 Jahren. Die letzten 1 ½ Jahre habe ich mich bemüht, auf die Work-Life-Balance aller einzugehen. Da war ich dann die große Verliererin, denn ich war die Erste, die Letzte und die, die dauernd im Laden war. Das hat mich so viel Energie gekostet und ich habe dazu gelernt.
"Unsere Generation muss aufpassen, dass sie sich nicht zur Geisel seiner Mitarbeiter macht."
Und wie kommt man da wieder raus?
JM: Miteinander reden! Unisono haben wir das im Team besprochen und ich hab‘ dem einen Riegel vorgeschoben. Wenn von 6 Personen ständig jemand eine Ausnahme fordert, dann macht das mürbe. Unsere Generation muss aufpassen, dass sie sich nicht zur Geisel seiner Mitarbeiter macht. Es kann nicht alles stattfinden, was jetzt als Work-Life-Balance verkauft wird.
Und jetzt?
JM: Meine Mädels sind klasse und wir haben gemeinsam Regeln definiert. Jetzt wissen alle, wohin die Reise geht. Wir haben Lösungen gefunden. Zum Beispiel haben wir an einem Standort samstags geschlossen und so können wir gut verteilen und es hat jeder regelmäßig freie Samstage.
Liebe Judith, vielen Dank für dieses interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg beim Ausbilden.
Über Judith Moosmann
Judith Moosmann ist Inhaberin zweier Friseursalons in Osttirol, in Sillian und seit Sommer 2022 in Lienz. Sie ist seit 30 Jahren Ausbilderin, mit immer 2 Lehrlingen parallel. Sie beschäftigt 5 Mitarbeiterinnen, darunter eine Beauty-Assistentin.