„Ich mache seit Jahren eine Weihnachtsfeier mit anderen EPUs.“
Was vermisst du konkret?
KR: Die Industrie! Natürlich fahren wir nicht die Umsätze, die Österreichs Größen fahren. Aber wir haben Know-how, Kampfgeist, Organisation und verdammt viel Herzblut. Und genau diese Punkte aktivieren Umsatz, was wiederum der Industrie zugutekommt.
Und unter uns Soloselbstständigen geht es mir um besseres Vernetzen allgemein, auch bei solchen simplen Themen wie Weihnachtsfeier, Messebesuchen oder Seminaren. Wir machen z.B. seit einigen Jahren EPU-Weihnachtsfeiern mit Kollegen aus unterschiedlichen Branchen.
„Meine Umsatzpläne kleben für mich gut sichtbar an meiner Rezeption.“
Wie machst du das mit deiner täglichen Eigenmotivation?
KR: Ich habe in meinem Salon Post-its kleben, die ich jeden Tag lese. Beim Cutting Edge beispielsweise hatte ich den Flyer vom Wettbewerb an meiner Rezeption hängen, immer im Visier, immer mit dem Gedanken: Habe ich heute schon meine Community bespielt? Dort kleben aber auch meine Umsatzziele und in meinem Aufenthaltsraum hängen jede Menge Smileys. Und ich führe ein Dankbarkeitstagebuch.
Ein Dankbarkeitsbuch?
KR: Ja, dort schreibe ich jeden Tag hinein, wofür ich im dankbar bin, sowohl im Salon als auch im Privaten, aber auch, was meine nächsten Ziele sind, wo ich in einem Jahr stehen möchte.
Du weißt, wie es ist, Mitarbeiter zu haben, aber trotzdem möchtest du EPU bleiben?
KR: Allerdings, obwohl ich derzeit eine Assistenz suche, die mich im Salonalltag unterstützt - an der Rezeption und im Office - und zudem habe ich die Möglichkeit, einen Platz zur Stuhlmiete anzubieten. Als EPU kann ich freier sein, freier meine Seminarkarriere ausbauen und bin flexibler im Privaten – ich habe zwei Kinder.
„Ich bin allein und hätte lieber eine Assistentin, die Kundenservice, Rezeption, Social Media macht.“
Andere würden eben sagen, dafür hat man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
KR: Das sehe ich anders. Ich habe meinen Qualitätsstandard und möchte diesen halten. Als Unternehmerin mit Personal muss ich schauen, wie ich meine Mitarbeiterinnen auf mein Level bekomme. Das ist wiederum eine Investition von Zeit, Kraft und Geld. Ich bin allein, mein ganzer Salon baut auf mich auf. Selbst der Salonname. Und ich bin für die Sachen frei, die vorne im Salon passieren und letztlich das Geld bringen.
Die ständige Frage an alle Soloselbstständigen: Wie sicherst du dich im Fall deines Ausfalls ab?
KR: Ganz altmodisch, wie es unsere Eltern schon getan haben: Sparen und schauen, dass immer etwas auf der Seite ist und ich so abgesichert bin, dass ich im Falle eines krankheitsbedingten Ausfalls eine gewisse Zeit überbrücken kann. Natürlich baut mein Konzept auf einem Standbein auf, auf der anderen Seite habe ich nicht die Kosten, die ein Betrieb mit Mitarbeitern hat. Aber auch, wenn du Mitarbeiter hast, kann dich das nicht unbedingt schützen. Wenn das Fundament fehlt, funktioniert es langfristig nirgends.
Hast du eine Betriebsausfallversicherung?
KR: Ja.
"Größere Chancen beim Nachwuchs sehe ich bei 30 plus. (...) Wir müssen Ausbildung so gestalten, dass die im Leben Stehenden finanziell abgesichert sind."
Du bist Trainerin, u.a. im Wifi Tirol und hast früher Lehrlinge ausgebildet. Heut kommt das für dich nicht mehr infrage?
KR: Ich habe früher Lehrlinge ausgebildet. Das geht sich zeitlich nicht mehr aus, da ich zwar Vollzeit im Salon bin, meine Öffnungszeiten aber nicht konform zur gesetzlichen Arbeitszeit eines Lehrlings stehen.