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Raphaela Kirschnick, Chefredaktion imSalon.at | Credit: Martin Steiger

19.11.2025

Konkurrenz oder sinnvolle Ergänzung - Überbetriebliche Lehrausbildung im Friseurhandwerk?

Schon von der ÜBA (Überbetriebliche Lehrausbildung) gehört? Nein? Ging mir genauso. Also haben wir genauer hingesehen, was dabei sichtbar wird, wirft viele Fragen auf.

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Ein Kommentar von Raphaela Kirschnick

Die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) soll Jugendliche ohne Lehrstelle auffangen. Sie starten ihre Lehre nicht in einem Salon, sondern in einem Ausbildungszentrum, etwa beim AMS. Dafür erhält das AMS viel Geld vom Staat. Sehr viel Geld.

Die Wiener Landesinnung sieht das AMS in dieser Rolle als direkte Konkurrenz zu all den Betrieben, die händeringend Lehrlinge suchen, und ►fordert ein Ende der ÜBA im Friseurhandwerk. Schaut man sich die ►Zahlen an, versteht man warum:

  • 2024 waren 192 Friseur-Lehrlinge in ÜBA,
  • davon 108 allein in Wien.
  • In den letzten fünf Jahren waren es in Wien im Jahresschnitt rund 110 ÜBA-Lehrlinge – mittlerweile 16 % aller Wiener Friseurlehrlinge.

Das wäre ja noch zu diskutieren, würde das System nachweislich funktionieren.
Tut es das? Eher nicht.

Gerade einmal durchschnittlich 18 dieser Jugendlichen treten zur LAP an – und die Hälfte davon fällt durch. Das klingt nicht nach einem Erfolgsmodell, eher nach einem sehr teuren Experiment.

Hakt man beim AMS nach, klingt alles deutlich besser. Man betont die „Gutheit“ des Projekts: Das AMS übernehme nicht nur eine berufliche, sondern auch eine sozialpädagogische Betreuung. Die Zielgruppe seien häufig Jugendliche mit persönlichen und psychischen Problemen, mit Defiziten bei sozialen Kompetenzen oder schulischen Grundkenntnissen, erklärt AMS-Chef Dr. Johannes Kopf im ►Interview mit imSalon.

Das ist zweifellos ein löblicher Auftrag. Aber er kostet:
90,8 Millionen Euro fließen in die ÜBA – über alle Ausbildungsberufe hinweg. Wie viel davon in den Friseurbereich geht, konnte man uns nicht sagen. Dabei braucht es voll ausgestattete Salonräume, FachausbildnerInnen, Lehrlingsentschädigungen, Sozialversicherungsbeiträge, Produkte, Werkzeug.

Und jetzt kommt der wirklich heikle Punkt:
Es gibt keine belastbaren Erfolgszahlen.

AMS Chef Kopf betont, dass viele der ÜBA-Lehrlinge erfolgreich in Betriebe vermittelt würden. Wie viele das tatsächlich sind? Dazu werden keine Statistiken geführt, heißt es beim AMS.

Dass 50 % der wenigen zur LAP antretenden ÜBA-Lehrlinge durchfallen, wird eher weggewischt als ernsthaft analysiert. Wie soll man da seriös beurteilen, ob dieses System sinnvoll ist – für die Jugendlichen, für das Handwerk, für die Steuerzahlenden?

In den Bundesländern sind die ÜBA-Zahlen im Vergleich zur „Regelausbildung“ verhältnismäßig niedrig, doch in Wien zeigen sich die Dimensionen des Problems sehr deutlich. Dennoch fließt verdammt viel Geld in einen Kanal, der weder Transparenz noch klare Erfolgsindikatoren liefert.

Das stinkt!

Wer verschleiert, hat einen Grund, etwas intransparent zu halten.
90,8 Millionen Euro – wohin genau dieses Geld fließt, ist unklar.
Ob es erfolgreich eingesetzt wird, wird nicht einmal ernsthaft gemessen.

Da darf sich ein gesamtes Handwerk schon fragen:
Warum fließen diese Mittel nicht direkt in die Unterstützung der Ausbildungsbetriebe, die tagtäglich real, praxisnah und unternehmerisch Verantwortung für junge Menschen übernehmen?

In einem Land, das auf einen Höchststand der Staatsschulden zusteuert und sein Budget nicht im Griff hat, können 90,8 Millionen Euro nicht egal sein. Aber das ist ein Thema, das andere Medien im Detail sezieren mögen.

Mir geht es um unser Friseurhandwerk.
Die Ausbildung sollte bei jenen liegen, die Realität an echten KundInnen im Salonalltag leben und die wissen, was es braucht, um gute FriseurInnen auszubilden.

Mein Fazit:
Die Fördermittel gehören dorthin, wo echte Praxis passiert: direkt in die Salons, die ausbilden – und nicht in ein System, das viel kostet, aber kaum zeigt, was dabei tatsächlich herauskommt.

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