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Credit: Martina Almer, Hintergrund bearbeitet mit KI

09.01.2026

"'Lehrjahre sind keine Herrenjahre' – ich könnte kotzen!"

Martina Almer hat ein ruhiges Naturell. Wenn sie aber an ihre Zeit als klassischer Lehrling zurückdenkt oder ihre Meisterprüfung Revue passieren lässt, will sie nicht mehr stumm bleiben …

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Meisterkurs: " ... ich habe nichts gelernt und mir stattdessen veraltete Techniken antrainiert, um durchzukommen." 

Martina, du hast mit einem ► Reel unter anderem Kritik an Meisterkurs sowie -Prüfung geübt und damit einen Nerv bei deinen FollowerInnen getroffen. Wie war deine Erfahrung?
Martina Almer:
Man geht beim Meisterkurs und der Prüfung nach einer gewissen Norm vor, was bei einem Prüfungssystem auch Sinn macht. Die große Problematik ist aber, dass es keine Neuerungen gibt. Für so einen Vorbereitungskurs gibt man viel Geld aus und ich habe tatsächlich nichts gelernt und stattdessen mir veraltete Techniken antrainiert, um durchzukommen. In dem „Perfektionskurs“ perfektionierte ich ein Arbeiten, wie ich es in der Praxis nicht anwende. Es wird eine Norm geprüft, bei der der Titel nichts über das Können aussagt.

Kannst du ein Beispiel nennen?
MA:
Bei der Farbe entschied ich mich gegen ein verlaufendes Ergebnis und machte zwei knallige Blocksträhnen. Es ist vollkommen absurd, dass eine Balayage unerwünscht war. Das wurde mir im Kurs vermittelt.

Hat dich das ganze Vorgehen überrascht?
MA:
Im Nachhinein betrachtet – Nein, wenn man weiß, wie die Innung tickt.

Was würdest du der Wiener Innungsmeisterin oder dem Bundesinnungsmeister gerne sagen?
MA:
Ich bin Friseurin, Handwerkerin und die Innungsarbeit ist politisch. Im Grunde ist die Innung dafür da, um sich für uns einzusetzen. Ich will meine Arbeit machen, eine gute Ausbildung haben, aber es ist ein gefühlter Stillstand. Gewisse Grundlagen finde ich wichtig, wie die Dauerwelle, die feiert ja auch immer wieder ihr Revival. Trotzdem müssen Techniken und Bewertungssysteme modernisiert werden.

Überlegst du selbst in der Innung aktiv zu werden?
MA:
Nein, ich kenne einige Motivierte, die versuchten, Neues einzubringen, aber das System ist so festgefahren, dass sie scheiterten. Deshalb fokussiere ich mich lieber auf das, was ich wirklich beeinflussen kann: Gutes Friseurhandwerk meinen KundInnen zu bieten sowie modernes Wissen und Techniken über meine Education-Angebote zu vermitteln.

Wie war deine Ausbildung?
MA:
Ich selbst habe mich auf 2. Bildungsweg für die Friseurlehre entschieden und 6 Monate lang eine klassische Lehre probiert, abgebrochen, um danach die Privatschule Headquarters zu besuchen, um wirklich etwas zu lernen.

Warum hast du deine Lehre nach einem halben Jahr beendet?
MA:
In dieser kurzen Lehrzeit habe ich regelmäßig den Beruf hinterfragt. In meinem Fall musste ich 45 Minuten vor Salonöffnung kommen, um den Salon zu putzen – unbezahlt natürlich. Außerdem waren mir nur Farbe auftragen und waschen plus 2 Stunden Trainingsabende zu wenig, um das Handwerk wirklich zu erlernen. Wie oft ich „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ gehört habe … ganz ehrlich, bei dieser Aussage könnte ich kotzen! Als wäre es völlig normal, dass man als Lehrling ausgenutzt wird. Überstunden? Gehören einfach dazu. Nur putzen, weil man bloß nicht herumstehen soll? Ganz normal. Kaum was lernen, aber dafür schön funktionieren.

"Ich bin davon überzeugt, dass es mehr Vorbilder im Handwerk braucht, um vorzuzeigen, wie erfolgreich und kreativ man als Friseurin sein kann."

Machst du dir Gedanken, wie es mit dem Handwerk und vor allem dem Nachwuchs weitergeht?
MA:
Ja, definitiv. Man sieht ja, wie der Nachwuchs zurückgegangen ist. Ich bin davon überzeugt, dass es mehr Vorbilder im Handwerk braucht, um vorzuzeigen, wie erfolgreich und kreativ man als Friseur bzw. Friseurin sein kann. Ich hoffe so sehr, dass Ausbildung für junge motivierte Menschen anders läuft: mit Respekt, auf Augenhöhe und echtem Interesse, junge Menschen auszubilden, statt sie nur „beschäftigt“ zu halten.

Danke dir, Martina, dass du deine Gedanken mit uns geteilt hast.

Über Martina Almer

Martina Almer ist 3 Tage die Woche Stuhlmieterin bei Your Choice Wien. Als Bridal Hairstyle Profi bietet sie außerdem österreichweit Trainings für FriseurInnen an. Auf Instagram ist Martina Almer unter @martina.almer aktiv. Dort schildert sie ihre Gedanken zur Friseurausbildung sowie dem Friseuralltag. Außerdem bietet sie Tipps und Lösungen rund um Haarstylings.

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