Wie gehst du mit Azubis und den flexiblen Arbeitszeiten um?
NM: Meine Azubis freuen sich jetzt schon darauf, wenn sie ausgelernt sind, die Work-Rotation zu nutzen.
Hast du Tipps für andere Salons?
NM: Man muss sich individuell auf die einzelne Person einstellen und flexibel sein. Ich habe außerdem fixe Aufgaben an jede einzelne Mitarbeiterin verteilt. Meine Salonleitung hat zum Beispiel 4h Stunden in der Woche, die geblockt sind, um alles Organisatorische zu erledigen. Sie kann aber während dieser Zeit, wenn sie will, Kunden bedienen, da sie auch umsatzbeteiligt ist. Genauso habe ich eine Mitarbeiterin, die auch Social Media Managerin ist. Sie hat ihre geblockten Zeiten, in der sie Instagram betreut.
Alle wissen, welche Aufgaben, bis wann zu erledigen sind. So ist alles organisiert und hat seine Struktur. Junge Menschen brauchen Führung und Struktur.
Wie hast du einen eigenen Führungsstil entwickelt?
NM: Ich bin damals mit 20 in die Selbstständigkeit reingestolpert und habe nicht viel darüber nachgedacht, welche Art Chefin ich sein möchte. Von Führung hatte ich keine Ahnung und alles lief, als ob Freundinnen miteinander arbeiten. Das hat für eine Zeit gut funktioniert und dann nicht mehr. Führungstechnisch bin ich an meine Grenzen gekommen. Meine Arbeit machte mir keinen Spaß. Alles war schwer und fühlte sich nach Kampf an. Ich habe mir dann Hilfe von einem Unternehmensberater geholt, um an meinem Mindset zu arbeiten.
"Ich lernte abzugeben."
Wie beschreibst du deinen Führungsstil, der anscheinend bei der jungen Generation gut ankommt und auch dich entlastet?
NM: Ich lernte abzugeben. Davor dachte ich, dass alles an mir hängt. Früher wollte ich nicht einmal das Kassieren jemand anderen machen lassen … aber mit einer klaren Preislistenstruktur, konnte ich diesen Punkt abgeben. Mir war aber klar, dass das nicht mein Leben sein konnte. Ich wollte Herrin über meine Zeit und mein eigenes Leben sein. Es musste im Kopf „Klick“ machen. Jetzt bin ich keine Friseurin mehr, sondern Unternehmerin und auch Mentorin. Ich bin da, um zu helfen und zu unterstützen, dabei gebe ich einen Rahmen vor und versuche Klarheit in gewissen Punkten zu schaffen. So hat mein Team ein Gefühl von Freiheit, aber keine Unsicherheit. Es war ein langer Prozess, aber das Loslassen hat sich gut angefühlt. Es ist alles organisiert. Natürlich läuft ab und zu auch etwas schief. Das ist aber gut. Dann sehe ich wieder genauer hin und kann Abläufe optimieren. Ich machte einen Probelauf: Wie funktioniert alles, wenn ich nicht da bin.