Fühlt sich das komisch an, die Produkte nicht direkt zu verkaufen?
RV: Nein, eigentlich nicht. Die Kundin ist im ersten Moment verwundert. Aber die Resonanz ein paar Tage später ist riesig, wenn sie das Paket zu Hause öffnet. Das kommt megaschön daher und dann folgen die Social Media Posts. Für uns ist das willkommen, denn erst gibt’s die Posts vom Friseurbesuch und 2 Tage später von den Produkten.
Wie läuft da noch der Produktverkauf im Salon?
RV: Wir verkaufen sehr viel Produkte, es gibt ja viele unterschiedliche Kundenansprüche von nachhaltig, über vegan bis premium. Aber eben auch sehr technisch wie SalonLab&Me, das im Haarinneren arbeitet und Schwefelbrücken wiederaufbaut. Es gibt viele Kundinnen, die genau diesen Effekt spüren wollen.
Du sprichst sehr leidenschaftlich über die Analyse. Wie bringst du Mitarbeiter dazu, sich genauso dafür zu begeistern?
RV: Wir haben vor 1,5 Jahren an unserem neuen Standort Blend by R79 gestartet. Dort war es von Anfang an in der Dienstleistung als Beratung integriert. Dadurch war es nie ein Thema für die MitarbeiterInnen. Wir haben es dann schrittweise in den anderen Salons etabliert.
Es ist super wichtig, dass man die Mitarbeiter motiviert UND Ihnen hilft zu verstehen, wieso man sowas macht. Wenn man sich parallel zur Dienstleistungsqualität innovativ weiterentwickeln möchte, muss man auch Beratung überdenken und sich klar und deutlich hinter die Ohren schreibe, ok ich will mich verändern, ich will meiner Kundschaft etwas Neues bieten, deshalb muss ich die Beratung in dem Sinne anpassen. Es geht nicht darum, dass du alles von vorher umwerfen musst, aber es geht darum, diesen extremen Mehrwert für die Kundin zu schaffen.
Kommt das Tool bei Männern und Frauen gleichermaßen zum Einsatz?
RV: Um ein möglichst aussagekräftiges Resultat zu erhalten, benötigt man eine gewisse Haarlänge, das heißt Langhaar auf der Herrenseite machen wir auch, Kurzhaar eher nicht.
Ihr arbeitet bereits seit 1,5 Jahren mit der Analyse. Welche neuen Einblicke in das Kundenleben gewinnt man?
RV: Viele (lacht), vor allem in die Gewohnheiten und Vorstellungen der Kunden. Damit erhält man eine immense Datenmenge, die man auseinandernehmen kann und sich fragen kann, was sind eigentlich die Kundenwünsche.
Und das sind?
RV: Immer die gleichen: gesundes, glänzendes und volles Haar.
"Ich bin der, der die Preise macht im Salon und ich muss dafür die Kundschaft finden."
Welche Innovationen braucht das Friseurhandwerk?
RV: Gar nicht so viele. Die Qualität des Handwerks muss wiederentdeckt werden. Die Wertigkeit des Handwerks ist nicht mehr gegeben und wir sind selber schuld daran. Friseure müssen zu Ihrem Können stehen und entsprechend ihres Know-hows und Erfahrung ihre Preise anpassen. Ich bin der, der die Preise macht im Salon und ich muss dafür die Kundschaft finden.
Was empfiehlst du Salonunternehmern, die ihre Beratung stärker digitalisieren wollen?
RV: Was ich ihnen empfehle? Es langt nicht, nur innovativ sein zu wollen. Es muss ein großer Veränderungswille da sein, das halte ich für sehr, sehr wichtig. Jeder muss entscheiden, wie er sich weiterentwickeln möchte und das konsequent durchziehen.
Lieber Raffaello, ich danke dir für deine Insights und wünsche dir weiterhin viel Erfolg