Wie entfaltet sich damit dein Weg?
SM: Ich wurde in eine Friseurfamilie geboren, im Salon großgezogen und mit 13 Jahren wurde ich Friseur. Meine Mom war ein Educataholic und so habe ich von klein auf erlebt, wie dich Weiterbildung und das konstante Investment in deine Skills erfolgreich machen. Und so folgte meine 42 Jahre lange Karriere als Friseur und Ausbildner. Die Entscheidung für Paul Mitchell war eine logische Entwicklung. Persönlich begeistert mich der Gedanke einem jungen Stylisten den Kopf zu öffnen und ganz viel Schneide-, Färbe-, Salonbusinesswissen hineinzugeben.
Deine Leidenschaft ist Schnitt oder Farbe?
SM: Well, bei Sassoon musst du dich für Farbe oder Schnitt entscheiden, du kannst nicht beides machen. Ich fühlte mich immer stärker zu Shapes, Texture und Architektur hingezogen, meine Leidenschaft ist Schneiden, das kann ich am besten und noch besser bin ich darin, diese Kunst zu vermitteln. ABER! Der beste Schnitt ist nichts ohne die perfekte Farbe und hier kommt Colin Caruso ins Spiel, großartig, wie wir uns hier ergänzen.
Ist Sassoon noch wichtiger Bestandteil deines Stylisten-Daseins?
SM: ‚Very much‘ und das wird niemals enden.
Was hat sich in deiner Arbeit als Trainer seither verändert?
SM: 1980 begann ich als Trainer, 2024 ist eine neue Ära, die heutigen 22-Jährigen sind komplett andere Wesen. Als Educator bin ich nicht nur fasziniert vom Haareschneiden, sondern davon, eine Verbindung mit diesen jungen ‚Hairdressern‘ aufzubauen und diese zu inspirieren, denn deren Gedankengänge, deren Inspirationsquellen und deren Aufmerksamkeitsspanne ist fundamental anders im Vergleich zu 1980. Das fordert auch mich als Educator heraus, denn ich muss mich an mein Publikum anpassen. Ich muss mich hier ändern.
"Auf meinem Grabstein sollen einmal zwei Wörter stehen: Share & Stick!"
Wie lautet deine Education-Mission?
SM: Auf meinem Grabstein sollen einmal zwei Wörter stehen: Share & Stick! Ich teile (share) Information, Inspiration, Wissen und ich möchte, dass dieses kleben (stick) bleibt. Das ist mein Mission-Statement und ich hoffe, dass Menschen, mit denen ich vor 10, 20 Jahren trainiert habe, sich alle heute noch an mich und das Erlernte erinnern, das ist mein Ziel.
Du begleitest das Handwerk seit Jahrzehnten. Was ist für dich die relevanteste Änderung?
SM: Speed! Und ich meine damit nicht, schneller Haare zu schneiden. Es dauerte 5 Jahre für die Beatles es nach Afrika zu schaffen. Heute kommt eine neue Band mit ihren Songs in den Satelliten und eine halbe Sekunde später ist sie in der ganzen Welt. Neue Looks, Produkte … Fingerschnippen!
Wie oft wachst du morgens auf und denkst dir, wow, das ist neu?
SM: Ständig! Wenn ich im Flieger sitze, umgeben von 150 Menschen, dann gehe ich in meinem Kopf 150 Haarschnitte durch. Ich beobachte immer und ständig, sehe konstant Ideen. Ich verknüpfe Beobachtungen, sehe ein Kid, dass sich selbst die Haare gefärbt hat und das ist ‚raw‘, nicht schön, aber ‚raw‘ und dann entwickle ich das weiter und es entsteht etwas in meinem Kopf, ein neuer Look, eine Idee.
"Als Friseur bist du eine Batterie ..."
Was motiviert dich?
SM: Meine Mutter sagte immer als Friseur bist du eine Batterie, du gibst und gibst und gibst, jeden Tag all deinen Klienten so viel. Aber irgendwann bist du leer. Und dann komme ich als Educator und helfe ihnen, diese Batterie wieder aufzufüllen.
Du hast viele Awards gewonnen, bist NAHA 2021 Educator of the Year und auch in diesem Jahr wieder NAHA Finalist. Was bedeutet dir das?
SM: Natürlich schmeichelt das, aber eigentlich ist es ‚Bullshit‘. Man darf sich auf diesen Auszeichnungen nicht ausruhen und so konzentriere ich mich sehr fokussiert auf das Heute und die Möglichkeiten, die der Tag und die neuen Menschen in meiner Klasse bringen. Ich bin nur so gut wie meine letzte Seminargruppe, das ist die einzige Auszeichnung, die wirklich zählt.