„Sieben Jahre sind so etwas wie mein persönlicher Rhythmus“
Tobias, dein Weggang bei KAO hat für DIE Überraschung im Frühsommer gesorgt. Wie kam es zu diesem Schritt?
Tobias Staehle: Der Gedanke kam mit der Anfrage Revlon/Elizabeth Arden Anfang März, ich war bis dahin nicht aktiv auf der Suche. Allerdings wollte ich schon immer Beauty auch außerhalb der Friseurbranche machen, das Angebot bot dafür die perfekte Gelegenheit. Die Gesamtverantwortung für die Bereiche Professional, Prestige und Consumer finde ich super spannend. An den Standort in Rhein/Main bin ich durch meine Familie ja mehr oder weniger gebunden, also dachte ich: „Ideal, das mache ich jetzt!“ Rückblickend sind sieben Jahre so etwas wie mein persönlicher Rhythmus. Ich war sieben Jahre bei P&G, danach sieben Jahre bei Kao, danach häute ich mich offensichtlich (lacht).
Dann bin ich gespannt was 2027 kommt! Manche meinen es sei ein Rückschritt für dich, ist es das?
TS: Danke für diese Frage! Ja, formal gesehen ist es ein Rückschritt, zumindest was Umsatzvolumen und Mitarbeiteranzahl angeht. Aber was den Erfahrungsschatz betrifft und die Lernmöglichkeiten in den Bereichen, die ich noch nicht kenne, also Parfümerie und Retail, ist es ein Fortschritt. Ich bin kein Verwalter, es war Zeit für eine Veränderung.
Du bist die Attacke! Welche Herausforderungen siehst du jetzt?
TS: Eine Herausforderung ist, die zwei Firmenkulturen von Revlon Professional und Elizabeth Arden zusammenzubringen, die Firmen sind ja erst letztes Jahr zusammengezogen. Wir sind ein kleines Team mit 120 Mitarbeitern, alle sehr leidenschaftlich und jung, ich bin hier mit Abstand der Älteste (lacht).
„Im Friseurmarkt geht es um die Beziehungen, die Menschen“
Was ist für dich der größte Unterschied zwischen Retail und Friseur?
TS: Wenn ich an die Jahresgespräche denke, dann geht es im Retail vor allem um die richtige Platzierung, wo das Produkt im Regal steht, mit welchem Display, in welcher Verpackung und zu welchem Preis. Im Friseurmarkt geht es um die Beziehungen, die Menschen und darum, wer der bessere Partner für den Friseur ist.
„American Crew… die Marke soll über mehrere Kanäle wachsen“
Gibt es Kunden, die beides abdecken, Retail & Friseur?
TS: Es gibt natürlich Douglas Filialen, die auch Friseursalons haben, was aber eher einen taktischen Hintergrund hat. Ich könnte mir vorstellen, dass Parfümerien und Beautysalons zukünftig immer mehr zusammenwachsen. Wir haben mit American Crew Acumen in diesem Jahr erstmalig eine High-End Skincare-Pflegelinie für Herren im Prestige Markt lanciert. Die Marke soll über mehrere Kanäle wachsen.
American Crew wird in der Parfümerie angeboten?
TS: Ja, wir haben die Serie Acumen in 200 ausgewählten Parfümerien eingeführt. Dort sind die Profis im Bereich Beratung von hochwertiger Gesichtspflege, was nicht das Steckenpferd des Friseurs ist.
Die Friseure haben alle Probleme mit Retail. Gibt es Bereiche, bei denen der Friseur vom E-Commerce profitiert?
TS: Dazu gibt es spannende Studien: Früher hat man sich im Laden informiert und online eingekauft. Jetzt informieren sich die meisten Konsumenten online, kaufen aber im Laden und wollen dort durch gute Beratung zusätzlich überzeugt werden. Im Salon müssen also die optimalen Voraussetzungen für gute Beratungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Spielen Kundenrezensionen in der Kosmetik eine Rolle?
TS: Oh ja, Kundenrezensionen sind einer der Haupttreiber für Kaufentscheidungen. Noch mehr läuft über Produktsampling, da investieren wir viel. Auch bei American Crew. Männer muss man begeistern, denn sie sind deutlich loyaler als Frauen, was ihre Produkte angeht. Männer sind viel zu träge zum Wechseln (lacht).
„Die Priorität liegt im Professional-Bereich, weil die Firma dort großes Potential sieht“
Wie bewahrst du dir die Nähe zum Friseur?
TS: Ich werde mich insbesondere auf das Professional Business konzentrieren, aber zuerst brauchen wir eine klare und abgestimmte Strategie. Als ich hier angefangen habe, hat mein Chef zu mir gesagt, die Priorität liegt im Professional-Bereich, weil die Firma dort großes Potential sieht.
Im globalen Elizabeth Arden Jahresbericht wird Friseur kaum erwähnt...
TS: Revlon Professional findet in den USA bisher kaum statt, wir sind dort gigantisch groß im Bereich der dekorativen Kosmetik. Professional findet zu 80 Prozent in Europa statt. Mein Fokus ist Professional, weil man da mit den Großen kämpfen kann, ohne mehrere Millionen in die Hand nehmen zu müssen. Wenn du im Retail keine großen Medienbudgets hast, kannst du das beste Team haben und es ist schwierig. Im Professional brauchst du in erster Linie einen guten Fokus UND ein gutes Team.