Im Gespräch mit Katriina Janhunen
Du warst früher in Wien und bist nun in Kärnten. Wie war der Umstieg von Großstadt auf Land?
Carolin Camaur: In der Stadt hat man mehr kreative Auswahl, die Trends kommen und gehen schneller. Am Land ist das Persönliche gefragt, Menschlichkeit und Herzlichkeit – die Leute kommen zum Teil seit 30 Jahren zu uns. Ich hatte das Glück, den Salon meiner Mutter übernehmen zu dürfen, den es seit 1978 gibt, mit tollem Team und Kundenstock.
„Ausbilden tu ich mir nicht mehr an“ hört man immer wieder. Wie siehst du diese Einstellung?
Ich bin in Spittal an der Drau und Umgebung fast der einzige Betrieb, der noch ausbildet. Man hört immer nur, das ist zu mühsam, das kostet zu viel – aber die positiven Aspekte zählt keiner auf. Mit Lehrling bringt man viel mehr Dienstleistung unter, das ist eine Assistenz, die dir vieles abnehmen kann, während du Umsatz generierst. Ausbilden heißt auch Verantwortung übernehmen.
Diese Verantwortung scheuen viele…
Wenn jemand sich beschwert, dass er keine Mitarbeiter findet, ist meine erste Frage: „Bildest du überhaupt selbst aus?“ Das ist doch der Sinn der Sache: Ausbilden und die Person dann ein paar Jahre zu halten. Wenn man in dem Rad drin bleibt, hat man immer eine Fachkraft, die sogar auf dich, deine Werte und Vorstellungen zugeschneidert ist.
Hat sich der Friseurnachwuchs verändert? Man hört oft, dass Motivation und Ehrgeiz fehlt.
Ich erlebe das manchmal auch. Es wird auch so vorgelebt: Auf Social Media sieht man ständig, wie man schnell und mühelos reich wird. Man sieht aber nicht, was Handwerk und richtiges Arbeiten bedeutet. Bei meinen Mädels wurden zum Glück immer die Arbeitsmoral von Zuhause mitgegeben.