Gülten Karagöz, bisherige Wiener Innungsmeister-Stellvertreterin, wurde zur neuen Landesinnungsmeisterin der Friseure gewählt und leitet als Listen führende des SPÖ-nahen Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes SWV einen Wandel in Wien ein. Wie ordnet sie ihren Sieg ein, was sind ihre Visionen und ersten Amtshandlungen? Wir haben nachgefragt:
Im Gespräch mit Katja Ottiger
Gülten, im Zuge deiner ►Wahl zur Wiener Innungsmeisterin wird gern von einem historischen Wechsel gesprochen. Weshalb ist das so?
Gülten Karagöz: Weil es der erste Sieg des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV) seit Bestehen der Innung in Wien ist! Und das macht mich sehr stolz.
11 der zu vergebenden 15 Mandate in der Fachgruppe „Friseure Wien“ entfielen auf dich und dein Team. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren hattest du 5 Mandate, während 9 auf den Wiener Wirtschaftsbund (ÖVP) kamen. In allen anderen Bundesländern ging der Wirtschaftsbund wieder als Sieger hervor, einzig Wien ist anders. Wie sehr warst du selbst von diesem Ergebnis überrascht?
GK: Sehr. Ich habe immer dafür gekämpft, Innungsmeisterin werden. Aber dass ich für meine 11 Listenplätze auch 11 Mandate bekomme, war für mich selbst eine Überraschung.
"Ich will nicht zu den Meckerern gehören, sondern zu den Machern."
Du bist gebürtige Deutsche, hast mittlerweile einen österreichischen Pass und bist schon lang politisch aktiv. Warum?
GK: Ich will nicht zu den Meckerern gehören, sondern zu den Machern. Um etwas zu bewegen, musst du politisch aktiv sein. Deshalb habe ich mich immer politisch engagiert: in der Gewerkschaft und seit 15 Jahren in der Friseurinnung. Dort war ich zuerst Innungsausschussmitglied und 2018, nach dem Tod von Georg Albrechtshofer, übernahm ich die Position als Landesinnungsmeister-Stellvertreterin.
"Wir müssen wirklich jeden ansprechen, um unseren Alltag in Ordnung zu bringen."
►Dein Team besteht zum Teil aus Mitgliedern mit Migrationsgeschichte und spiegelt die kulturelle Unternehmens-Diversität in Wien wider. Warum ist dir das wichtig?
GK: Ich habe die Kandidaten bewusst divers ausgewählt, wie z.B. auch eine fahrende Friseurin. Wir müssen wirklich jeden ansprechen, um unseren Alltag in Ordnung zu bringen. Und dafür brauche ich Leute, die dieselbe Sprache sprechen.
Thema Barbershops: Glaubst du, dass das gelingen kann?
GK: Ja! Während unserer Betriebsbesuche haben wir sehr viel mit den Unternehmern über ihre Probleme gesprochen. Sie klagen selbst über die Preisgestaltung oder darüber, dass ihre ehemaligen Mitarbeiter gleich nebenan ein neues Geschäft eröffnen.