Du und dein Mann, ihr bekommt das sehr ausgewogen hin. Was ist euch dabei wichtig?
MBM: Ich glaube, in uns allen steckt ein männlicher und ein weiblicher Anteil, und genau die dürfen zusammenwirken. Männer und Frauen bringen unterschiedliche Stärken mit, und als Team können wir genau das nutzen – nicht nur Frauenpower oder Männerpower, sondern echtes Zusammenspiel. Am Ende geht es ums Miteinander.
Und ja, die gläserne Decke gibt es nach wie vor. Viele Talente verlieren nicht ihr Können, sondern irgendwann die Vision – und genau da müssen wir besser darin werden, uns gegenseitig zu stärken.
Und trotzdem sagst du: Viele talentierte Frauen lassen sich irgendwann nicht mehr fördern.
MBM: Ja, ich glaube, viele verlieren unterwegs ein bisschen die Vision, wo sie eigentlich hinwollen. Gerade wenn Familie dazukommt, fährt man beruflich oft erst mal einen Gang runter – was ja auch völlig okay ist. Aber wenn man für sich merkt, dass man weiterkommen möchte, dann muss man sich irgendwann wieder fragen: Wo will ich hin? Was will ich noch erreichen? Und dann auch dranbleiben. Entwicklung ist anstrengend, aber wenn man merkt, dass man vorankommt, macht das am Ende auch glücklicher und zufriedener.
„Chefs sollten heute weniger „ansagen“ und mehr verstehen.“
Damit sich jemand fördern lässt, braucht es auch Führungskräfte, die fördern. Was ist dein Tipp an Chefs?
MBM: Gespräche! Das ist heute wichtiger denn je. Früher ging vieles schneller und klarer über Ansagen, heute musst du dir Zeit nehmen, um Mitarbeiter wirklich zu verstehen: Wo liegen ihre Impulse? Was wollen sie? Wo möchten sie hin? Erst dann kannst du sie auch richtig fördern.
Du hast vorhin gesagt: Viele junge Menschen haben Vorstellungen – aber es fehlt die Orientierung.
MBM: Genau. Wenn ich junge Menschen frage, wie sie das erreichen wollen, spüre ich oft: Da ist Leere. Und das müssen wir als Chefs füllen. Aber nicht, indem wir sagen: „Mach doch das.“ Sie müssen selbst erkennen: „Das ist mein Weg.“
Was sagst du jungen Menschen ganz konkret?
MBM: Geh los. Nicht nur drüber nachdenken, sondern losgehen. Der Weg ist das Ziel. Viele haben zu viele Varianten – dann wissen sie nicht wohin. Da muss man sagen: Ist doch wurscht, geh los. Du kannst auch später die Bahn wechseln.
„Scrollen kein Ersatz für Messe, Show und echtes Gegenüber.“
Du klingst skeptisch, wenn es um Social Media als „Austausch“ geht.
MBM: Ja, der Austausch läuft heute bei vielen jungen Leuten über Social Media, und das ist ja auch okay – no front. Aber für mich bleibt es oft eher Konsum als wirklicher Austausch, bei dem nachhaltig etwas hängen bleibt. Ich frage mich manchmal einfach: Wo sind die jungen Leute auf Messen oder Shows? Mich haben diese Begegnungen früher total elektrisiert. Du gehst raus, bist inspiriert und trägst dieses Gefühl noch Wochen mit dir. Dieses Live-Erlebnis, Menschen wirklich zu treffen und Energie mitzunehmen – das bekommst du nicht durch "scrollen" ... und DU HAST DIE WAHL!"
Du hast gesagt: Zehn Prozent heben das Handwerk in die Zukunft. Was meinst du damit?
MBM: Die Zukunft unseres Handwerks liegt bei den Friseuren und Visionären, die sich durch Qualität, präzises Schneiden, gute Beratung, starke Farbe und echten Anspruch hervorheben. So wie in den fünfziger Jahren Vidal Sassoon mit neuen Schnitttechniken und seinem Education Gedanken die Branche für Jahrzehnte geprägt hat, wird es auch wieder neue Visionäre und Vorbilder geben. Und jeder von uns hat die Wahl zu sagen: „Ich möchte Designer meiner Kunden sein. Ich möchte Farb- und Stilberater sein. Ich möchte der Name in meiner Stadt sein.“ Diese Wahl hat jeder, der den Beruf lernt. Aber viele bleiben irgendwann im Alltag hängen und nutzen ihr Potenzial nicht mehr richtig aus.
Und warum ist das so?
MBM: Weil Training anstrengend ist. Das ist wie im Sport: Willst du Richtung Olympia oder bleibst du im Hobbyverein? Ich bin überzeugt: Jeder, der Friseur wird, hat ein Fingerspitzengefühl. Was du daraus machst, ist Entscheidung – nicht nur Talent. Und seien wir ehrlich: Wenn der Job irgendwann nur noch Routine wird und Haare einfach abgearbeitet werden, leidet am Ende auch die Qualität.
Was siehst du 2026 in Bewegung?
MBM: Ich bekomme gerade wieder richtig spannende Bewerbungen im Ausbildungsbereich – sogar Abiturienten, die Friseur lernen wollen. Diese Entwicklung hatten wir in den letzten Jahren kaum. Oft ging es früher erst einmal darum, überhaupt jemanden zu finden. Heute kommen wieder mehr junge Leute, die sich bewusst für den Beruf entscheiden – und das merkt man.
Was heißt das für die Salons?
MBM: Viele junge Menschen suchen sich heute gezielt Salons aus, in denen wirklich trainiert wird – gute Schnitte, gute Farben, sauberes Handwerk. Es geht weniger um die Größe eines Salons, sondern darum, wo man wirklich etwas lernen und sich entwickeln kann.
Was braucht es, damit wirklich etwas passiert?
MBM: Aufstehen. Losgehen. Lösungen finden. Und wenn eine nicht funktioniert: weitermachen. Unsere Branche ist vielschichtig und selten nur Schwarz-Weiß. Aber wichtig ist, dass wir nicht stehenbleiben.
Auch wenn Verbände für alle da sein müssen, braucht es gleichzeitig den Blick nach vorne – hin zu denen, die vorangehen und neue Maßstäbe setzen. Wenn wir uns daran orientieren, kann das die ganze Branche weiterbringen. Dafür braucht es Mut – und manchmal auch den Mut, nicht im Wohlfühlmodus oder in der Masse stehen zu bleiben, sondern klare, zeitgerechte und mutige Entscheidungen zu treffen.
Zum Jahresbeginn wurde die Friseurbranche in Deutschland in das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz aufgenommen.
MBM: Ich habe Respekt davor, dass die Kontrollen jetzt zunehmen. Aber gleichzeitig bin ich dankbar, dass es diese Rahmenbedingungen gibt, weil faire Bedingungen für unsere Branche einfach wichtig sind. So wie es zuletzt lief, war es für viele Salons kaum noch tragbar.
„Wenn wir unsere Kernkompetenzen vernachlässigen, gehen sie uns verloren – und irgendwann macht der Barber die Kurzhaar-Looks.“
Welche Gefahren siehst du?
MBM: Wir sehen gerade, dass wir manche unserer Kernkompetenzen ein Stück weit aus der Hand geben – und dann entwickeln andere Akteure, wie Nagelstylisten, Visagisten usw., diese Themen weiter. Make-up und Nägel zum Beispiel gehörten früher ganz selbstverständlich zu unserem Angebot im Salon, heute sind das eigene Welten und eigene Branchen geworden. Und auch der Barber-Bereich entwickelt sich stark. Ursprünglich stark im Männerbereich, öffnen sich viele inzwischen auch für Frauen und Kurzhaar-Looks.
Was sind eure Kernkompetenzen?
MBM: Unsere Kernkompetenzen sind ganz klar: individuelle Beratung, die den Lifestyle unserer Kunden unterstützt, technisch hochwertige und präzise Haarschnitte sowie Farbkonzepte, die wirklich zum Menschen und zum Haarschnitt passen. Ich liebe Balayage, aber Trends wechseln. In den 80ern habe ich am Tag mehrere Dauerwellen gemacht – das war damals der Lifestyle. Und genau das zeigt ja auch unseren Beruf: Man lernt nie aus. Trends kommen und gehen, und irgendwann wird wieder mehr Haarschnitt gefragt sein. Und dafür müssen wir bereit sein. Wenn wir unser Handwerk weiter trainieren und unsere Qualität hochhalten, bleibt das Friseurhandwerk eine prägende Kraft für Stil, Schönheit und Persönlichkeit – egal welcher Trend gerade kommt. Wir können das alles. Wir müssen nur dranbleiben und unser Können selbstbewusst zeigen. Und wir müssen uns klar dafür entscheiden, die Macher dieser Branche zu sein – mit Qualität, Können, Talent, Menschlichkeit und Selbstbewusstsein. So wie Künstler oder Popstars ihre Bühne prägen, prägen wir Friseure unser Handwerk. Genau das ist unsere Rolle – heute und in Zukunft.
Liebe Mandy, vielen Dank für das offene Gespräch und weiterhin viel Erfolg.