imSalon: Lea, hattest du immer so einen klaren „Plan“ für deine Karriere?
Lea Sauter: Mir war immer klar, dass ich eine Lehre machen will – sie haben mir deshalb sogar das letzte Schuljahr erlassen. Ich wollte unabhängig sein und lernen, mich selbst zu stylen. Früher gabs ja kein Instagram und Youtube.
Eine Friseurin kann Probleme instant lösen, beim Arzt geht das nicht
Es ist aber schwer für Junge: Man hat keine Vorstellung, was man wirklich den ganzen Tag macht. Ich wusste es auch erst danach und es hat mir wirklich gefallen. Die Leute gehen zum Friseur, wenn sie unzufrieden sind und das Tolle an dem Beruf ist: Jemand kommt mit einem Problem und ich kann es instant lösen. Beim Arzt gehe ich nicht gesund wieder heraus.
…und nach der Lehre?
LS: Natürlich hatte ich Bedenken, hier immer der Lehrling zu bleiben, aber das war nicht so. Ich habe zwei Jahre als Gesellin gearbeitet und dann als Partnerin mit der Hälfte des Unternehmens. Damals waren wir wahnsinnig unterbesetzt, haben viele Überstunden gemacht. Mein damaliger Chef, Christian Hruska wollte sich zurückziehen und um die anderen Salons kümmern. Er wollte die Sicherheit, dass ich bleibe und ich wollte auch mit etwas aussteigen. Ich war aber damals noch zu jung, war überfordert und habe meine Anteile wieder abgegeben.
Um eine gute Unternehmerin zu sein, muss man den Beruf gerne machen
Das Ende war dann ein neuer Anfang. Ein Kunde meinte: „Lea, du bist so dumm, mach das nicht“ und hat mir das jedes Mal wieder gesagt, wenn er kam. Ich konnte zu viele Dinge nicht – ich bin eine gute Friseurin, aber Betriebswirtschaft? Personalführung? „Alles kann man lernen“, hat er gesagt. Um eine gute Unternehmerin zu sein, muss man eine Grundeinstellung haben und den Beruf gerne machen.
Also beschloss ich, dass ich mein eigenes Baby daraus machen will. Christian wollte, dass ich bleibe und so hat er mir den Salon ganz übergeben.
Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung, weil dann entscheidet man sich immer dagegen.
Sind Frauen vorsichtiger?
LS: Frauen machen sich Gedanken über Probleme, die noch gar nicht da sind. Was, wenn ich ein Kind bekomme, was wenn die Umsätze, wenn, wenn, wenn. Mein Kunde meinte: „Ja, und was wenn nicht?“. Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung, weil dann entscheidet man sich immer dagegen.
Männer denken da anders – wenn das Problem da ist, werde ich das schon irgendwie machen. Die haben eine größere Risikobereitschaft. Frauen brauchen mehr Sicherheit und einen Plan und wenn der nicht aufgeht, ist es immer ein Gefühl von Versagen. Aber eigentlich heißt das nur, dass man den Plan einfach ändern muss.