Vor sechs Jahren hast du mit deiner Kick-off Marke O‘right gestartet. Wie geht es der Marke heute?
GM: O‘right hat sich auf einem sehr guten Niveau stabilisiert. Anfangs war es für mich ein Test, eine neue Marke in den österreichischen Markt zu integrieren. Vor allem um zu schauen, wie weit der Markt offen für ein derart innovatives Konzept ist. Die Gesellschaft hat sich dann immer mehr in diese Richtung der Nachhaltigkeit entwickelt. Wir waren damals absoluter Vorreiter.
Ist O‘right im Moment die umsatzstärkste Marke in eurem Portfolio?
GM: Im Moment ist unsere umsatzstärkste Marke im Care-Bereich O‘right, sehr dicht gefolgt von milk_shake, mit der wir breiter aufgestellt sind. Momentan wächst milk_shake sehr stark mit der Haarfarbe.
Die oxidative Haarfarbe in eurem Sortiment kommt von milk_shake?
GM: Ja genau.
Ihr wart der erste Distributor, der das Thema Nachhaltigkeit mit der Marke O‘right fokussiert aufgenommen hat. Das hat sich über die Jahre geändert. Was ist deine heutige Distributionsphilosophie?
GM: Mit Pure Haircare bieten wir erlebnisorientierte Markenkonzepte im Hair & Beauty Segment aus den verschiedensten Metropolen an. Egal ob USA, Ferner Osten oder Italien. Die Pure Haircare definiert sich als Multibrand und bietet dem Friseur im Geschäft erlebnisorientierte, persönliche und individuelle Konzepte an. Wir verkaufen nicht nur Produkte, sondern gehen direkt auf unsere Kunden zu, erfassen ihre Bedürfnisse und geben ihnen die Möglichkeit, die für sie richtigen Produkte zu „erleben“.
Seht ihr in eurer Formierung als Exklusivdistributor von Lifestylebrands einen Wettbewerber in Österreich?
GM: Ein direkter Wettbewerber ist nicht zu sehen. Aber um genau zu sein ist der B2B Markt für jeden Anbieter der Gleiche und somit sind alle anderen Anbieter Wettbewerber. Wir differenzieren uns raus aus dem Mainstream, obwohl man bestimmt mehr Umsatz erzielt, wenn man sich mit einer Mainstreammarke breiter aufstellt.
„Das Single-Brand-Denken ist vorbei.“
Wie exklusiv will der Markt eigentlich noch sein?
GM: Das Single-Brand-Denken ist vorbei. Es verändert sich momentan sehr viel. Unsere Kunden stärken ihr Business-Modell indem sie zwei oder drei Marken in ihren Salon aufnehmen.
ghd wird gehen. Wie sieht es mit anderen Marken aus?
GM: Es kann immer sein, dass wir uns in den unterschiedlichen Segmenten neu aufstellen. Wir weiten auch die Distribution aus und sind unter anderem in Kaufhäusern wie Kastner & Öhler und in diversen Fashion Stores vertreten. Wir müssen uns so aufstellen, dass wir auch einen möglichen zweiten Lockdown überstehen würden.
„Als Zulieferer müssen wir den Friseur unterstützen.“
Was ist für dich eine Herausforderung im österreichischen Friseurmarkt?
GM: Wir müssen uns jetzt stärker auf die Corona Situation einstellen. Als Zulieferer müssen wir den Friseur unterstützen. Diese Bindung, die ein Friseur zu einer Firma hat, ist Gold wert. Deshalb erhöhen wir massiv die individuellen Seminare im Salon. Den klassischen Weg, wie etwa externe Schulungen, wird es sicher länger nicht geben
„Außendienst-Personal zu reduzieren, ist meiner Meinung nach ein Fehler.“
Wie siehst Du den Generationenwechsel? Wird das partnerschaftliche Denken mit der nächsten Generation von Friseuren und Salongründern noch so sein, wie wir es kennen?
GM: Ganz sicher. Aber ich höre immer öfter, dass eine Generation kommt, die diesen Kontakt nicht mehr braucht. Das stelle ich so nicht fest, denn auch die Jungen legen Wert auf eine persönliche Beratung. Im Lockdown waren die Zugriffszahlen auf unseren digitalen Partnershop traumhaft. Das ist jetzt aber wieder vorbei. Das zeigt uns, dass der Friseur die persönliche Betreuung braucht. Das Außendienst-Personal zu reduzieren, ist meiner Meinung nach ein Fehler.
Fällt es einem Friseur eigentlich leichter, Tools an seine Kunden zu verkaufen?
GM: Wir sehen eine große Chance, dass der Friseur zukünftig mit Electricals gute Geschäfte machen kann. Im Tool-Bereich ist der Markt noch nicht so gesättigt wie in anderen Segmenten wenn es um Kreativität geht.
Der Webshop ist rein B2B?
GM: Für jede unserer Marken haben wir einen D2C – digital zum Konsumenten – Shop. Das Geschäft ist im Vergleich zu einem typischen Retailer recht klein. Aber in der heutigen Zeit ist E-Commerce einfach Standard. Und die B2B Plattform, wie schon erwähnt, wurde in Coronazeiten installiert.