Was muss man tun, um bei euch Franchise Partner zu werden?
PS: Die meisten Franchise-Partner kommen aus den eigenen Reihen. Manche sagen nach ein paar Jahren, sie würden sich gerne selbstständig machen. Dann setzen wir uns zusammen, und besprechen die Ideen, Standort und Finanzielles. Das Lokal ist generell ein großes Thema: Lage, Konditionen, etc, da bringe ich viel Erfahrung mit und kann auch schon mal sagen, ob man besser die Finger davonlassen sollte. Dann gibt es drei Konzepte Hairfair, Strassl oder Exklusiv, bei jeder Marke gibt es Vor- und Nachteile. Das gehört besprochen.
In den letzten Monaten hast du neue Salons dazu genommen. Wo liegt für dich der Vorteil weitere Salons aufzukaufen?
PS: Die Salons, die wir aufgekauft haben, sind beide geführt von Franchisepartnern. Für mich mache ich keine Salons mehr auf, ich mache das nur mit mir bekannten Franchise Partnern. In Wiener Neustadt habe ich mit Andrea Vitek einen Salon eröffnet und in Eisenstadt mit Sabrina Laditsch. Bei beiden Frauen weiß ich, dass sie tüchtig sind und dass sie viel Potential haben.
Mit Peter Schaider läuft es immer noch gut?
PS: Mit Schaider läuft es sehr gut, wir sind nach wie vor enge Freunde und wir sind eine Einkaufsgenossenschaft. Wir profitieren teilweise von seiner Werbung und da schauen wir uns teilweise schon ein bisschen was ab. Als freundschaftlicher Partner ist er nach wie vor dabei.
Du bist sehr gut vernetzt und schon lange dabei, was bewegt dich nach Corona?
PS: Ich glaube, dass sich die Branche nach dieser Krise ändern wird. Es wird mehr Einzelkämpfer geben, sprich fahrende Friseure und ich fürchte auch, dass es mehr Pfusch geben wird. Viele sind jetzt auf die Idee gekommen, dass Pfusch gar nicht so schlecht ist. Auch auf Kundenseite wird diese Heim- Bequemlichkeit in irgendeiner Art und Weise hängen bleiben. Zudem wird es eine Bereinigung der Branche geben. Profitieren werden jene Betriebe, die finanziell sattelfest sind und die vernünftig gewirtschaftet haben.
Du blickst auf 65 Jahre aktives Friseursein zurück. Welche Tipps gibst du jungen Friseuren?
PS: Zu überlegen, in welche Richtung man gehen möchte: will man ein rein kreativer Friseur sein, eher Kaufmann oder beides? Dann sollte man sich entsprechend aufstellen. Um ein guter Kaufmann zu sein, braucht man einen kreativen Teil in seiner Firma, meist kreative Mitarbeiter. Wenn ich andererseits nur kreativ sein möchte, muss ich aufpassen, dass ich die kaufmännische Seite nicht vernachlässige.
Hast du noch einen regen Austausch in der Branche?
PS: Ja, ich habe noch viel Kontakt mit den in meiner Zeit großen Friseuren, wie Gerhard Mayer, Fred Sturmayr, Werner Pranz, Richard Raitz.
Wie hast Du die finanzielle Unterstützung empfunden?
PS: Die Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft waren richtig und gut. Wir hätten ohne Kurzarbeit und ohne Fixkostenzuschüsse nicht überlebt. Diejenigen, die so rumjammern, haben früher auch nicht viel auf die Füße gestellt. Diese werden das auch nicht überleben, das wird sich zeitverzögernd noch herausstellen.
Was hättest Du Dir zusätzlich gewünscht?
PS: Von der Wiener Innung höre und sehe ich nichts, das ist schon erstaunlich. Außer, dass ich einen Innungsbeitrag zahle, sind die nicht präsent, sorry. Einige Innungsmeisterinnen sind sehr aktiv, gehen in die Öffentlichkeit und setzen sich ein. Nur vom Wiener Innungsmeister kommt nichts außer Meldungen zu Rotwein und dass er in esoterischen Wolken schwebt.
Was wünschst Du dir für die Öffentlichkeitsarbeit?
PS: Das Einzige, was ich sehe, ist, wie sich Katharina (Strassl) einsetzt. Sie ist zu einer großen Stimme in der Branche geworden und legt Finger in die Wunden. Am meisten ärgert mich ja die Testpflicht der Kunden, da sind wir der Buhmann der Nation. Es ist gut so, wie Kathi ihre Meinung vertritt, sie redet gut und macht das nicht schlecht!
Gibt es etwas, dem du im langen Rückblick nachtrauerst?
PS: Ich vermisse Handschlagqualität, die gibt es heute nicht mehr.
Und dass der Friseurberuf wieder mehr im Vordergrund steht, als private Bedürfnisse. Das klingt jetzt vielleicht sehr brutal, aber früher haben wir gesagt, ich möchte etwas erreichen und auf das arbeite ich hin. Heute ist die Allgemeinheit dafür verantwortlich, dass ich etwas erreiche. Da läuft etwas falsch.