Für Paula Gerardu stand bereits mit 15 Jahren fest, dass sie Friseurin werden möchte. Dafür musste sie sich in der Schule bei den Lehrern rechtfertigen und in einigen Kreisen ihre Begeisterung für den Friseurberuf ständig erklären. Sie startete in der Pandemie ihre Ausbildung in einem Salon in Deutschland und gewinnt noch vor ihrer ersten Zwischenprüfung den Schwarzkopf Cutting Edge Award 2021 in der Kategorie Young Artist!
Was wir von einer Friseurauszubildenden lernen können…
Paula Gerardu im Gespräch mit Birgit Senger
Wann hast du dich dazu entschlossen Friseurin zu lernen?
Paula Gerardu: Ich wusste schon mit 15 Jahren, dass ich Friseurin werden möchte. Nach dem Abitur habe ich erstmal ein Praktikum bei der Haarmanufaktur Can gemacht und mich dann dafür entschieden. Meine Eltern fanden es von Anfang an total cool. Leider habe ich oft erlebt, dass die Lehrer meinen Entschluss nicht so lustig fanden und dass in bestimmten Kreisen eine Ausbildung nicht den gleichen Stellenwert hat, wie ein Studium. Ich musste mich da teilweise schon krass rechtfertigen.
Mit welchen Aussagen wird man da konfrontiert?
PG: Leider begegnet man bei vielen Leuten auf eine Abneigung zu einer Ausbildung im Handwerk. Vor allem den alten Lehrern gegenüber musste ich mich ständig erklären. „Ach Paula, warum denn? Bist du dir sicher? Möchtest du nicht lieber studieren gehen?“ Und den Satz, den ich ganz oft zu hören bekomme. „Na, dann machst du das erst mal und danach machst du bestimmt was anderes.“ Dann denke ich immer: warum eigentlich? Vielleicht mach ich das auch mein ganzes Leben lang, warum brauch ich eine Option?
„…ob FriseurIn ein richtiges Handwerk ist?“
Was glaubst du, warum ist das so?
PG: Ich spüre, dass die Haltung allgemein Handwerksberufen gegenüber ablehnender ist. Eine Diskussion, die ich leider auch sehr häufig führen muss, ist, ob FriseurIn eigentlich ein richtiges Handwerk ist. „Das ist doch nur ein bisschen schnacken und mit den Händen was machen, mehr auch nicht.“ Auch bei diesem Punkt habe ich das Gefühl wird dem Friseurberuf sehr viel abgesprochen.
Wie geht man damit um?
PG: Das nervt mich sehr. Zum Glück merkt mein engeres Umfeld, dass die Arbeit mich glücklich macht und dass es mir damit gut geht. In meinem Freundeskreis ist es auch sehr durchmischt, einige studieren, die anderen machen unterschiedlichste Ausbildungen. Ich verstehe es nicht und es macht mich sauer, dass mein Beruf vor allem von älteren Menschen abgewertet wird. Sicherlich fällt es mir noch mehr auf, seit ich ihn selbst erlerne, ich finde es absolut nicht gerechtfertigt.
Hast du eine Idee, wie man die Attraktivität des Friseurberufes besser kommunizieren könnte?
PG: Das frage ich mich oft. Mit Attila schaue ich mich oft auf Social Media um. Vieles, was wir sehen ist schon eine Art von Kunst und ein gutes Mittel, um zu zeigen, was Friseure so können. Auf der anderen Seite findet man aber auch Videos, wie man sich ganz schnell den Pony selber schneiden kann. Auch schwierig.
Was würdest du in der Friseurbranche gerne verändern?
PG: Die Frage find ich sehr schwer zu beantworten, ich fasse ja gerade erst Fuß in der Branche und steh noch ganz am Anfang. Ich saug erst mal alles auf, was ich kriegen kann.
„…da hat man das Gefühl, es wird vieles so gemacht, weil es seit 100 Jahren so gemacht wird.“
Gibt es in der Ausbildung etwas, was man aus deiner Sicht verbessern könnte?
PG: Ich denke man könnte über bestimmte Prüfungssituationen nachdenken. Viele tun sich mit der Dauerwelle schwer, da hat man das Gefühl, es wird vieles so gemacht, weil es seit 100 Jahren so gemacht wird. Bitte nicht falsch verstehen, ich kann sehr gut verstehen, dass Handwerkskünste erlernt und weitergegeben werden müssen. Ich denke, es ist wichtig Wellen wickeln zu können. Das Thema Dauerwelle ist bei mir gerade sehr präsent, weil es Hauptbestandteil meiner Zwischenprüfung in drei Wochen ist. Aber bisher kannte ich Dauerwelle nur noch von meiner Oma. Zum Glück wurden die Richtlinien so gelockert, dass die Wickelstärke nicht festgelegt ist. Ich habe ein junges Modell und möchte ihr eine modisches Welle machen, die auch zu ihrem Typ passt.
„Ich würde in einer Prüfungssituation jedoch auch gerne modisch und typgerechte Arbeit abliefern dürfen.“
Wieviele Leute, die du kennst, haben eine Dauerwelle?
PG: Wie gesagt, meine Oma lässt sich ab und zu noch eine Dauerwelle machen. Zu uns in den Salon kommen vielleicht 5 Kunden regelmäßig zur Dauerwelle. Bei den Männern ist sie gerade ein Trend. Ich finde es sehr wichtig, Grundtechniken zu erlernen. Ich würde in einer Prüfungssituation jedoch auch gerne modisch und typgerechte Arbeit abliefern dürfen.
Was sind deine Ziele?
PG: Mein erstes Ziel ist meine Ausbildung abzuschließen und dann bin ich mir sicher, dass ich in dem Jahr nach der Ausbildung noch viel lernen werde. Das stelle ich mir spannend vor. Für danach hab‘ ich ganz vieles im Kopf und sehe einige Optionen, Meisterprüfung ablegen, an weiteren Wettbewerben teilnehmen...