Christian Bernatzky und Christian Öhlböck sind die Geschäftsführer der Increase GmbH, die seit 5 Jahren die italienische Kult-Marke Davines vertreibt.
Im Gespräch mit Raphaela Kirschnick
Als Friseur und erfolgreicher Saloninhaber bist du jetzt zusätzlich Industriepartner, quasi auf der anderen Seite. Was machst Du anders?
Christian Bernatzky: Die Großindustrie wurde in den letzten Jahren mehr und mehr aufgekauft und dabei wurde die persönliche Ebene leider mitgeschluckt. Genau dieses familiäre Zusammengehören hat mir gefehlt, das haben ich bei Davines wiedergefunden, weswegen ich die Marke bereits vor 7 Jahren in meinen Salon aufnahm. Diese Verbindung mit den Friseuren, diese Community, die wir schon mal hatten, die aber zwischendrin verloren gegangen ist, die möchte ich wiederhaben und jetzt als Händler auch geben.
Wie unterstützen das die Produkte?
Christian Bernatzky: Wir haben Produkte, bei denen eine Idee, ein Sinn dahintersteckt, bei denen man weiß, warum sie entwickelt wurden und bei denen die Inhaltsstoffe bewusst gewählt wurden. Ich begann mit einer kleinen Linie von Davines, Naturaltech, da hab ich gemerkt, wow, da steckt so viel mehr drinnen, da will ich mehr von haben.
Du warst branchenfremd, wie bist du dazu gestossen?
Christian Öhlböck: Ja, ich war vollkommen branchenfremd. Christian schneidet mir seit meinem 17. Lebensjahr die Haare, daraus hat sich eine enge Freundschaft entwickelt. Christian kam irgendwann auf mich zu und meinte, es gäbe da einen Rohdiamanten, denn solle ich mir mal anschauen. Ich komme aus dem Handel, hab das große Ganze aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet, durchgerechnet und überlegt, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten. Wir waren uns schnell einig, dass wir uns das zutrauen. Das war vor 5 Jahren.
Was habt ihr denn vor für die nächsten Jahre?
Christian Öhlböck: Die ersten Jahre waren reiner Aufbau der internen Strukturen. Wir sind jetzt soweit, dass wir alle Bedürfnisse wie Lager, Vertrieb, Schulung der FriseurInnen gut abdecken können und wettbewerbsfähig sind. Die nächsten fünf Jahre wird es darum gehen, neue Kunden zu gewinnen und die Marke wirklich präsent zu machen. Ich möchte nie wieder von einem österreichischen Friseur hören „Davines? Kenn ich nicht!“. Unser Ziel ist es, langfristig 3,5% Marktanteil zu haben, maximal 250 KundInnen, um dann nur noch qualitativ in die Tiefe zu arbeiten.
„…mein privates Leben geht nicht mehr mit dem zusammen, was ich jetzt im Laden von der Industrie einkaufe.“
Wie kann ich mir den typischen Davines Kunden vorstellen?
Christian Bernatzky: Das ist breitgefächert. Auf der einen Seite spüren wir den Trend zu kleineren Salons, haben viele One-(Wo)Man-Shows, die sehr stark sind und großartige Arbeit machen. Und es gibt große Salons mit mehreren Mitarbeitern, es ist alles dabei. Vor allem sind es Friseure, die sich denken, mein privates Leben geht nicht mehr mit dem zusammen, was ich jetzt im Laden von der Industrie einkaufe.
Was ist das?
Christian Bernatzky: Mich hat das Nachhaltige gecatcht. Bei Davines hat die Gewinnmaximierung nicht oberste Priorität, Nachhaltigkeitsprojekte sind ebenso ein Teil unseres täglichen Strebens die Welt ein klein wenig zu verbessern, „Sustainable Beauty“ eben. Derzeit haben wir unser Bienenprojekt beeInside (imSalon berichtete). Das Schöne ist, dass die Friseure, die zu uns kommen, sich genau für solche Themen interessieren und diesen Weg gemeinsam mit uns mitgehen wollen.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigt ihr aktuell?
Christian Öhlböck: Wir sind insgesamt zu neunt. 4 davon sind im Außendienst unterwegs, das ist wichtig, um Kunden vernünftig zu bedienen, vor allem in der Größe, wie wir es vorhaben.
Gibt es eigentlich bei einer Marke wie Davines regionale Cluster?
Christian Öhlböck: Das ist interessant, wir beobachten das sehr stark mit unserer neuen Linie der festen Shampoos. Die kommen in Städten viel besser an.
Christian Bernatzky: Einige Kunden am Land haben sensationelle, umweltbewusst ausgebaute Salons, teilweise in Regionen, wo man es gar nicht erwarten würde. Es gibt aber auch immer wieder Salons, die bereits etwas in die Jahre gekommen sind bzw. von der jungen Geration übernommen wurden und neu zu denken sind. Wir gestalten solche Wege gemeinsam mit unseren Kunden. Wir haben einige Kunden gewonnen, die vom Herz und der Energie her auf unserer Wellenlänge waren, aber der Salon halt nicht. Dann unterstützen wir sie dabei, das so zu gestalten, dass es unsere gemeinsame Philosophie widerspiegelt.