Im Gespräch mit Katja Ottiger
Vom Industriekonzern zum Fachhändler– wie fühlt sich das an?
Kerstin Straßberger (früher Sumser): Gut! Hair Haus ist längst kein Großhändler mehr. Unabhängig davon, ein familiengeführtes Unternehmen mit hohem Leistungsanspruch und flachen Hierarchien. Ich arbeite direkt mit der Geschäftsführung zusammen und kann damit näher am Kundenwunsch sein. Ich genieße das schnelle Handeln, freie Arbeiten und das Vertrauen in mein Tun, perfekt oder?
Was machst du als Salonberaterin und -Coach bei Hair Haus?
KS: Es geht darum, Friseurbedürfnisse zu erheben und zu analysieren. Gezielt auf die Kollegen einzugehen und authentisch in gemeinsamer Friseursprache kreative Salon- und Weiterbildungskonzepte zu entwerfen, vom Lehrling bis zum Unternehmer, denn jeder will sich auf unterschiedliche Weise weiterentwickeln.
„Mit dem „nur“ Friseurin sein, habe ich mich nie zufriedengegeben.“
Du bist gelernte Friseurin, die Frage nach der gemeinsamen Sprache ist also geklärt.
KS: Ja, das wurde mir in die Wiege gelegt. Meine Mutter war Friseurin und hatte immer einen eigenen Salon. Ich muss ehrlich sagen, mit dem „nur“ Friseurin sein, habe ich mich nie zufriedengegeben. Ich habe meinen Meister gemacht und hatte dann den Wunsch, die Welt zu entdecken. Ich habe keine Scheu die Komfortzone zu verlassen, nach dem Motto: Think out of the Box! Etwas Neues tun, bringt etwas Neues nach. Ich dachte immer: Das mit dem eigenen Salon kann ich ja immer noch machen! Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich in einem Konzern hängenbleibe. (lacht)
„Auch im Konzern hatte ich immer den Praxisbezug.“
Genauer bei L’Oréal (DPP) Österreich, wo du 16 Jahre für Education verantwortlich warst
KS: Ich bin aus der Branche und ich kenne mich aus. Selbst als ich im Konzern tätig war, hatte ich immer den Praxisbezug durch meine Familie. Das ist ein Vorteil, um den Friseur und sein Handwerk zu verstehen. Aber auch gerade die Eindrücke aus verschiedenen Ländern und Kulturen sind ein großes Potential. Durch L’Oreal war ich oft in Paris und bin in Europa viel gereist - Spanien, Italien, Schweiz, Holland, Griechenland – war auf Kongressen und Meetings unterwegs und stand ständig im internationalen Austausch.
Wie geht es derzeit euren Salonkunden?
KS: Das ist komplett unterschiedlich und teilweise an die persönliche Einstellung gekoppelt, wie mit der Krise umgegangen wird. Manche müssen sehr kämpfen, haben Mitarbeiter in Kurzarbeit oder kündigen müssen. Andere haben sich auf ihr Unternehmen noch stärker konzentriert, gezielt auf deren Business, und sind auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Partnerschaft.
„Ausbildung benötigt neue Methoden und Ideen“
Die Work-Life-Balance ist jungen Friseuren besonders wichtig und das klassische Ausbildungs-System mit einheitlicher Ausbildung funktioniert nicht mehr gut. Hier können wir als Hair Haus neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten, echten Vorteilen und mit eigener Education gut punkten, gerade bei den kleineren und mittleren Salons. Individualität und Flexibilität wird vom Kunden erwartet. Große Unternehmen haben eigene Trainer und sind gut aufgestellt, aber bei kleineren Salons haben die Saloninhaber oft nicht die Zeit nachhaltig auszubilden. Es benötigt neue Methoden und Ideen!
„Längst weg vom klassischen Großhandelsproduktverkauf und Prozente protzen.“
Welchen Einfluss hatte Corona in deiner Sicht auf den Großhandel?
KS: Große Konzerne hatten es sicher schwieriger, sich schnell zu drehen oder wollten es vielleicht gar nicht. Wir sind wendiger und als Marke HAIR HAUS noch sichtbarer geworden. Friseure sind nicht mehr eindimensional unterwegs, sondern wollen „the cherry on the cake“. Sie suchen sich die Häppchen raus und stricken sich die Salonkonzepte selbst. Hier setzen wir an: Von der Schere über das Schnittseminar bis hin zu echten Salonmarken mit dem passenden Colorationsseminar – da kann ich als Kunde meine Wünsche ausleben. Wir sind längst weg vom klassischen Großhandels-Produktverkauf und Prozente protzen, sondern auf einem delikateren, qualitativen Weg unterwegs.