Flexible Arbeitszeiten gibt es in vielen Branchen. Auch in der Friseurbranche wird immer mehr darüber nachgedacht. Janina Milius ist Unternehmerin, Mutter, Trainerin im Friseurhandwerk und Lehrkraft in einer Berufsschule für Handwerksberufe. Flexible Arbeitszeiten sind in vielen Berufen möglich. Ob auch im Friseurberuf möglich wollte sie ausprobieren und startete im Juli 2021mit ihren Mitarbeiterinnen einen Versuchsballon. Aus dem Versuchsballon wurde ein Salon ohne feste Öffnungszeiten. Von ihr und ihren Mitarbeiterinnen wollten wir wissen, wie sich dadurch ihr Arbeitsalltag verändert hat.
Im Interview mit Birgit Senger
Warum habt ihr im Salon keine festen Öffnungszeiten mehr?
Janina Milius: Flexible Arbeitszeitmodelle gibt es in vielen Berufen, warum nicht auch für uns Friseure? Diese Frage beschäftigte mich schon lange. In vielen Branchen wird nur noch nach Termin gearbeitet, dann braucht es auch keine festen Öffnungszeiten mehr. Welches Modell wäre also für uns im Salon zeitgemäß? Letztes Jahr habe ich dann meine Mitarbeiter gefragt, was sie davon halten würden, wenn wir feste Öffnungszeiten abschaffen und flexible Arbeitszeiten einführen würden. Die Zustimmung war prompt und riesig. Ich finde feste Arbeitszeiten altmodisch. Seit Juli 2021 arbeiten wir mit flexiblen Arbeitszeiten und es läuft mega!
„Flexible Öffnungszeiten… man braucht Vertrauen, um den Schritt zu tun!“
Was ist zu beachten, wenn man feste Öffnungszeiten abschafft. JM: Die wichtigste Regel, sowohl für Unternehmer*innen und Mitarbeiter*innen heißt, der Umsatz muss stimmen, eigentlich ja nichts Neues. Wenn man mit einer guten Kassensoftware arbeitet, ist es für alle gut möglich ihre Umsätze im Blick zu behalten. Ich würde sagen, man braucht Mut und Vertrauen, um den Schritt zu tun. Ich habe meinen Mitarbeitern gleich gesagt, ihr braucht mir nicht zu sagen, wann ihr arbeiten wollt und wann ihr freihaben wollt. Macht einfach, so wie es euch passt, für mich ist alles ok, solange der Umsatz passt. Für manche Mitarbeiter*innen war das anfangs ungewohnt. Ab und zu werde ich noch gefragt, kann ich den Nachmittag oder das Wochenende freihaben. Da kommt die jahrelange Gewohnheit durch.
„Ihr braucht mir nicht zu sagen, wann ihr arbeiten wollt und wann ihr freihaben wollt.“
Vergeben alle Mitarbeiter*innen ihre Termine selbst?
JM: Angefangen haben wir damit, dass alle fünf ihre Termine über ein Salonhandy direkt mit den Kunden gemacht haben, das war die reinste Katastrophe. Es wurden mehrere Kundentermine gleichzeitig zur Auswahl angeboten etc. Jetzt arbeiten wir mit WhatsApp Business und sind dazu übergegangen, dass ich die Terminvergabe verwalte. Gibt es Terminwünsche, die von den gewohnten Arbeitszeiten der Mitarbeiter abweichen, werden diese zwischen Friseurin und Kund*innen persönlich abgesprochen.
„Ich muss mir keine Gedanken mehr um Dienstpläne machen.“
Welche Vorteile siehst du als Chef?
JM Um Dienstpläne muss ich mir keine Gedanken mehr machen. Ich muss den Mitarbeitern, die in meinem Fall alle älter sind als ich, nicht vorschreiben, wann sie zu arbeiten haben. Jeder teilt sich seine Zeit selbst ein. Es gibt keine Leerlaufzeiten, weil Mitarbeiter*innen nur da sind, wenn sie auch einen Termin haben. Wir haben ein tolles Arbeitsklima, weil die Mitarbeiter*innen zufriedener sind. Oder gerade in den letzten Monaten, wenn Kund*innen wegen Quarantäne kurzfristig einen Termin abgesagt haben, dann muss man nicht im Salon bleiben, sondern kümmert sich in der Zwischenzeit um Privates und bietet den Termin den Kunden in den darauffolgenden Tagen am Abend. Das klappt wirklich prima.