Wann hat es gestartet, dass Sie bewusst ein multikulturelles Team mit unterschiedlichem Knowhow zusammenzustellen?
LC: Ich muss gestehen, ich bin da anfangs gar nicht so strategisch ran gegangen. Es ergab sich über die Auszubildenden. Wir haben jährlich 10-15 Friseur*innen im ersten Lehrjahr und da haben sich einfach immer mehr internationale Personen beworben. Nach 2015 bekamen wir sehr viele Bewerbungen von männlichen Friseuren z.B. aus Syrien oder dem Iran.
Was bringen die syrischen oder iranischen Friseure mit in ihr Unternehmen?
LC: Das waren junge Stylisten mit einem sehr gepflegten, coolen Style und tollem Talent. Der Friseurberuf ist in Syrien angesehen. Man schneidet mit Stolz Haare.
Bewerben sich auch so junge Friseur*innen aus der Ukraine?
LC: Im Schnitt sind die Bewerberinnen um die 38 Jahr alt, mit Ausnahme einer 21-jährigen.
"Wenn man hier plötzlich mit „Weltoffenheit“ zum Werben anfängt, hat man vergessen, an welchem Ort man sich befindet."
Haben Sie Business-Empfehlungen, wenn man geflüchtete Menschen anstellt?
LC: Das ist ein sehr sensibles Thema. Wir sind hierzu wenig an die Öffentlichkeit gegangen. Denn, wenn ich das zum Thema mache, kommt oft die Frage: „Warum wird die Ukraine-Hilfe so positiv hervorgehoben und andere Fluchtbewegungen nicht?“
Unsere Salons sind aber international und uns ist vollkommen gleichgültig, welche Religion, welches Land, welches Geschlecht, welche Sexualität, … Man muss aber auch sagen, dass Berlin eine Stadt ist, die den Quantensprung geschafft hat, spätestens seit Klaus Wowereit als Bürgermeister gesagt hat: „Ich bin schwul und das ist gut so!“. Wenn man hier plötzlich mit „Weltoffenheit“ zum Werben anfängt, hat man vergessen, an welchem Ort man sich befindet. Deswegen werden wir hierzu nichts „werbetechnisches“ umsetzen.
"Ich akquiriere sozusagen die Flüchtlinge als Kunden."
Wir stellen aber fest, dass zunehmend ukrainische Kundschaft in unsere Salons kommt. Deswegen möchten wir Flyer erstellen, denn die suchen ihresgleichen, damit sie sich verständigen und austauschen können. Wir möchten deswegen sagen: „Hier können sich ukrainische Kunden die Haare machen lassen und sich in der Landessprache austauschen.“ Ich akquiriere sozusagen die Flüchtlinge als Kunden.
Außerdem lasse ich gerade Informationsbroschüren aufbereiten, welche Sprachen meine Mitarbeiter*innen anbeiten. Ich möchte weg von mein*e Mitarbeiter*in ist aus Griechenland, Peru, Syrien, Türkei, Iran, Irak oder Ukraine. Ich möchte dorthin: Mein*e Mitarbeiter*in kann Kund*innen in folgenden Sprachen ein Haar-Service anbieten. Das ist ein USP.
Wird es da Sonderkonditionen geben? Oder bieten sie ein Stärken der Community zu stärken?
LC: Wir werden zunächst einmal in diesem Jahr Junior-Hairdesign-Preise für ukrainische Flüchtlinge anbieten.
Danke für das spannende Gespräch und alles Gute für Sie und Ihr Team!