Die Brautsaison im Salon ist da, wie ist diese bei dir angelaufen?
Christine Wegscheider: Du merkst, dass es viel mehr ist, weil die letzten zwei Jahre war gefühlt nichts. Wir müssen den Andrang mittlerweile bremsen, weil so viele Anfragen da sind.
Warum hast du diese Entscheidung getroffen? Gibt es bei dir im Salon weitere Stylist*innen, die auch Brautstylings machen?
CW: Im Moment bin ich ausschließlich diejenige, die Bräute stylt. Außer, wenn es um die eigenen Kund*innen geht. Da sind meine Mitarbeiter*innen die Wedding-Stylist*innen.
Das ist ein Hauptproblem der Salons: Wenn es um Stecken, Welle oder Abendstylings geht, dann gibt es ausgewählte Spezialist*innen im Team, die Routine haben. Somit steht eine begrenzte (Wo)man-Power zur Verfügung. Ein weiterer Punkt, der in meinem Fall hinzukommt: Wir haben am Samstag geschlossen und als Unternehmerin, Stylistin und Dreifachmama muss ich Grenzen ziehen und kann nicht alle Samstage in der Hochzeits-Saison verplanen.
Du machst seit über 20 Jahren Braut-Stylings. Was hat sich beim Braut-Service verändert?
CW: Die modernen Bräute, die uns buchen, die wollen einen Event-Charakter. Da schlafen sie mit ihren Brautjungfern irgendwo und dort fahre ich ins Hotel, nach Hause, etc. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich die letzte Braut im Salon gestylt habe.
Es ist die Epoche der Instagram-Braut: Es wird zwei Jahre vorbereitet und es wichtiger, was Instagram sagt, als, dass die Gäste sagen „Wow, die Hochzeit war echt cool.“ Das hat sich gewandelt. Ich habe das Gefühl, wenn die erste Braut eine schräge Location hat, dann muss die 5., gefühlt, am Mond heiraten. (lacht) Hauptsache anders, spezieller, besonders, … Das finde ich schade, weil bei der ganzen Inszenierung der Spaß ein wenig verloren geht. Wir profitieren aber – je mehr Instagram, desto mehr Geld wird ausgegeben …
Das macht sich auch bei dir in der Kassa bemerkbar?
CW: Ja. Aber es gibt auch diejenigen, die 7.000 Euro fürs Brautkleid ausgeben und beim Styling versuchen, zu verhandeln, weil sie einen „natürlichen“ Look wollen. In dem Fall erkläre ich, dass ich als Dienstleister*in meine Stunden verrechne und nicht nur ein „nettes Styling“ mache. Das ist die Aufgabe der Friseur*innen, das Handwerk und die eigene Leistung nicht zu billig zu verkaufen.