Warum wurdest du Friseurin?
LK: Ich war in der Polytechnischen Schule und da hieß es, ich solle Friseurin schnuppern gehen, weil ich doch so viel rede. Ich war dann einen Tag in einem Salon, durfte am Trainingskopf Zöpfe flechten und wurde sogar den Kunden vorgestellt. Das hat mir damals echt gut gefallen. Danach habe ich meine Ausbildung gemacht und nie wieder etwas anderes!
Wie blickst du auf deine Ausbildungszeit?
LK: Ich hatte eine sehr harte Lehre, fühlte mich mehr als Putzfrau. Solche Dinge sind es auch, die sich über die Jahre unter den Jugendlichen herumsprechen und die Friseurlehre unattraktiv machen. Die Generationen vor uns haben die Ausbildung kaputt gemacht.
Das ist eine sehr harte Aussage.
LK: Ja, aber es ist die Wahrheit. Und ich stehe dazu, auch wenn ich für dieses Interview Kritik ernte. Wenn Lehrlinge angestellt werden, um sie putzen zu lassen, ist es kein Wunder, wenn den Beruf heute niemand mehr lernen möchte. Junge Leute wollen Balayage und Beach Waves machen und nicht Wasserwelle. Ich habe noch nie einer Kundin Wasserwelle gemacht. Ja, es ist eine schöne Arbeit, aber du brauchst sie halt im Alltag nicht.
„Friseur sein ist cool, aber die jungen Leute wollen lernen, was sie in Social Media sehen.“
Was erwartest du hier von den Innungen?
LK: Vielleicht wäre es ein Ansporn für die Innungen, die Jungen mit ins Boot zu holen und zu fragen, was die wollen und wie sie sich das Berufsbild des Friseurs vorstellen. Es darf nicht so weitergehen, nur, weil man es immer schon so gemacht hat und weil es immer schon so war. Friseur sein ist cool, aber die Jungen wollen lernen, was sie in Social Media sehen, auf Tik Tok oder Instagram.
Du hast direkt nach deiner Ausbildung in London gelebt und gearbeitet? Warum?
LK: Vorarlberg war mir zu langweilig und ich wollte mit 19 weg von all dem Bürgerlichen. Angefangen hab ich als Au Pair, weil ich damit leichter ins Ausland konnte und ein Dach über dem Kopf hatte. Währenddessen habe ich an den Wochenenden eine Make-up-Artist-Schule besucht und bin später zu Toni&Guy. Das Arbeiten in London war insofern spannend, weil die Friseure dort immer am neuesten Stand sind und mitziehen müssen, statt, wie es bei uns manchmal ist, stehenbleiben.
Hast du Interesse an der Innungsarbeit?
LK: Ja, ich bin sogar sehr daran interessiert. Ich habe im letzten Jahr meinen Meister gemacht, bin seit Kurzem selbstständig und habe Kontakte zur Innung geknüpft. Ich hoffe, dass sich etwas ergibt und ich Teil davon sein darf, die Dinge zu ändern und besser zu machen. Denn nur weil es schon immer so war und es schon fast normal ist, dass man als Friseurin nichts verdient, heißt das nicht, dass es so weiter gehen muss. Ich bin leidenschaftliche Friseurin und will mich einbringen. Denn ich möchte nicht, dass es bald nur noch wenige „ausgewählte“ Friseure gibt.
„Wir haben 2022 – und Friseure sind Mangelware. Wir müssen dringend etwas ändern.“
Wie schaut es in deinem Freundeskreis mit Friseurinnen aus?
LK: In meiner Berufsschulzeit waren wir zwischen 25 und 30 Schüler*innen - keine Handvoll davon ist noch im Beruf. Ist das nicht schlimm? Früher wollte doch beinahe jede Friseurin werden. Jetzt haben wir 2022 und Friseur*innen sind Mangelware, das konnte man sich früher doch gar nicht vorstellen! Wir müssen echt schnell was ändern!