Lieber Alexander, du bist seit über 40 Jahren Haarstylist und Visagist. Wo hast du deine Ausbildung gemacht?
AB: Mit 6 Jahren wusste ich bereits, dass ich Friseur werden wollte. Mit 12 machte ich bei Breuninger in Stuttgart ein Praktikum, ein riesiger Salon mit 154 Mitarbeiter*innen. Nach einer Woche Haare kehren und Tassen tragen, durfte ich am letzten Tag Haare waschen. Die Kundin meinte: „Aus Ihnen wird einmal was!“. Ab dann verdiente ich mir in den Ferien in diesem Salon Taschengeld dazu. Als ich alt genug war, folgte dort auch meine Ausbildung.
Wie kam es dann, dass du trotz dieser großartigen Zeit, nicht übernommen wurdest?
AB: Im Normalfall blieben Azubis nach der Lehre im Salon, aber mein Chef hat damals gemeint, dass ich anders sei und es gut wäre, herauszukommen, um aus meinem Potenzial alles herauszuholen. Ich landete bei Kertu und war dann nicht nur in Salons für Schulungen, sondern auch bei vielen Shows. So kam ich zum Modeln …
Du warst aber nicht als männliches Model auf dem Laufsteg, sondern als Frau …
AB: Ja, ich kam wirklich sehr unschuldig zu dieser neuen Herausforderung: Es fehlte ein passendes Langhaar-Model bei einer Show. Ich war 18, hatte eine androgyne Figur und lange Haare - kein "Stachelbeer-Look", wie ihn damals Jungs und Mädchen trugen (lacht) – damals eine genderneutrale Frisur.
Das war eine kleine Revolution – ein Mann als Frau auf dem Laufsteg. Dadurch wurde ich in meiner Heimat zum regionalen „Star“. Designer fragten mich an und es kamen immer mehr Aufträge. Dadurch lernte ich Haare und Make-up an mir umzusetzen. So führte eins zum anderen: Durch die vielen Modeljobs kam ich in die Studios und dort wurden oft Hair- und Make-up Artists gesucht – für mich ein perfekter Job, der mich in die Selbstständigkeit führte.