„Wir bilden unser Unternehmen nicht um die Menschen,
die wir haben, sondern um die Menschen,
die wir haben wollen.“
Welche Rolle spielt Social Media dabei?
Sam: Mich gezielt auf Social Media mit meiner Persönlichkeit zu präsentieren hat den Vorteil, dass ich die Menschen erreiche, die sich von mir und meinem Unternehmen angesprochen fühlen. Wir bilden unser Unternehmen nicht um die Menschen, die wir haben, sondern um die Menschen, die wir haben wollen. Seitdem mein Unternehmen eine Marke ist, die nicht jedem gefallen muss, habe ich keine Probleme mehr mit Kunden oder Mitarbeitenden. Daraus ist die authentische Mitarbeiterführungs-Methode und ein selbstbestimmtes Unternehmenskonzept entstanden, was ich in Workshops und Einzelcoachings anderen Dienstleistern weitergebe.
„Wem du die Schuld gibst, gibst du die Macht.“
Zu hohe Mehrwertsteuer, Mitarbeitermangel, Imageproblem, etc.. Im Moment gibt es fürs Nicht-erfolgreich-sein viele Schuldige. Siehst du das anders?
Sam: Wem du die Schuld gibst, gibst du die Macht. Man ist immer selbst schuld. Was in der Welt passiert, können wir nicht beeinflussen, das Erscheinungsbild unseres Unternehmens aber schon. Die Schuld permanent bei anderen zu suchen, ist immer nur der einfachste Weg, der dich aber nicht voranbringt.
Was ist der Ausweg?
Sam: Viele scheitern, weil sie zu emotional entscheiden. Um dem Unternehmen und den Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz mit Perspektive zu schaffen, müssen wir allerdings unternehmerisch und faktisch denken und rationale Entscheidungen treffen.
„Kein Applaus für Scheiße“ nenne ich das in meiner Sam-Sprache"
Also sich öfters fragen, was ist für das Unternehmen besser?
Sam: Würden wir anfangen, mehr Grenzen zu setzen, um unseren Frieden zu schützen, hätten wir Dienstleister im Allgemeinen weniger Stress. „Kein Applaus für Scheiße“ nenne ich das in meiner Sam-Sprache.
Es macht keinen Sinn, Frau Müller außerhalb der Öffnungszeiten für 20 € noch ranzunehmen. Wir Dienstleister dürfen uns unsere Kunden aussuchen. Machst du es einem Arschloch recht, machst du es fünfzehn Arschlöchern recht, denn die bringen dir ja auch noch ihre Freunde mit und blockieren dir deinen Terminkalender. Nur an Menschen, die zu uns passen, die einem Spaß machen und mit denen man auf Augenhöhe ist, macht der Job am meisten Spaß.
Du lebst nach dem Motto: Wer sich weiterentwickeln will, muss seine Komfortzone verlassen?
Sam: Ja, aus dem Grund prügele ich mich regelmäßig in Situationen, die mir eigentlich sehr schwerfallen, wie zum Beispiel Vorträge zu halten, gerade war ich beim Wella Business-Kongress (Link). Aber auch hier entwickle ich mich weiter und helfe zugleich anderen dabei, etwas selbstbewusster und selbstbestimmter durchs Leben zu gehen.
Warum sind in der Friseurbranche trotz sehr hoher Frauenquote die Männer sichtbarer?
Sam: Ich habe mich in meinem jüngsten Podcast „Hinterm Stuhl“ dem Thema Gleichberechtigung gewidmet. Nicht politisch, denn da ist in den letzten Jahren gar nicht mehr so viel passiert. Toxische Maskulinität hat sich seit 500 Jahren aufgebaut und macht selbstbestimmten Frauen das Leben sehr schwer.
Was ist toxische Maskulinität für dich?
Sam: In der Gesellschaft wird immer noch das Bild von einer Frau geprägt, die sich unterordnen soll und eine gewisse Rolle zu erfüllen hat. Das tut aber nicht nur Frauen weh, sondern die Männer schaden sich auch selbst, weil sie sich damit eine selbstauferlegte Rolle im Familienbild erfüllen müssen. Das sollten wir alle mal aufbrechen. Es gibt kein Rollen mehr zu erfüllen.
Ein schwieriges Unterfangen, was kannst du bewegen?
Sam: Ich versuche Sensibilität dafür zu wecken, welches Familienbild uns geprägt hat, um alte Muster ablegen zu können. Toxische Weiblichkeit ist dabei nicht das Pendant zur toxischen Männlichkeit. Wir Frauen bekommen noch immer eingetrichtert, wir seien untereinander stutenbissig. Ein Narrativ was uns seit Jahren auferlegt wird ist, dass wir Frauen uns gegenseitig hassen müssen. Wie kann es sein, dass in einer Branche, die von Frauen dominiert wird, die meisten, die ein ‚Outstanding‘ haben, Männer sind, obwohl sie gar nichts anderes leisten als viele Frauen. Frauen halten sich viel lieber klein. Viele Männer machen sich mit viel weniger viel, viel größer als sie sind. Ich wünsche mir, dass jede Frau an sich arbeitet, mutiger wird und zeigt, was sie kann. Auch ich arbeite daran jeden Tag. Du glaubst ja nicht, was das für ein Aufschrei gab, als ich mir mein neues Auto zugelegt hatte. Bei Männern sagt man „Guck mal, wie erfolgreich der ist“ bei Frauen „Guck mal, die ist aber abgehoben“.
Was macht den erfolgreichen Salon der Zukunft aus?
Sam: Wir werden auf Dauer nicht mehr anders herausstechen können als mit unserer Persönlichkeit. Einen guten Job und qualitativ hochwertige Arbeit machen mittlerweile einige! Menschen kaufen nicht, was du tust, sondern warum du was tust. Menschen suchen sich Dienstleistungen und Produkte aus, weil dahinter Menschen stehen, mit denen sie sich identifizieren können. Menschen wollen für Menschen arbeiten. Im letzten Jahr hatte ich 3 Bewerbungen von Leuten, die bei mir arbeiten wollten, obwohl sie vorher mit dem Friseurberuf noch gar nichts zu tun hatten. Sie hatten einfach Lust, in meinem Unternehmen mitzuarbeiten.
Für welchen Zeitraum setzt Du Dir Ziele?
Sam: Ich erlaube mir, groß zu denken. Ich habe mich im letzten Jahr räumlich um das Vierfache vergrößert. Mein Ziel ist es in 3–5 Jahren weiterzuwachsen, mit großen Seminarräumen, vielleicht mit einer Marketing-Agentur für Friseure, mit ganz vielen neu geschaffenen Arbeitsplätzen. Ich habe schöne großzügig gestaltet Räume vor Augen, in denen wir Dienstleistungen markenunabhängig, ehrlich und auf Augenhöhe weitergeben können. In 3 Jahren bin ich 34 und schuldenfrei, ich denke, da kann es ja nochmal ein bisschen rund gehen.
Vielen Dank Pam, ich freue mich auf unser nächstes Gespräch, bleib erfolgreich, kontrovers und anders!