Im Gespräch mit Katja Ottiger
Wie geht es dir und deinem Salon?
Jutta Gsell: Ich schwanke zwischen gut und super gut. Ich bin überzeugt davon, dass wir alle Hürden schaffen werden. Unsere Kundinnen kommen nach wie vor zu uns, auch wenn sie mehr darauf schauen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Wir setzen stärker denn ja auf Individualismus. Wir reden nicht über das Wetter, sondern ausschließlich über das, was die Kundin möchte und was sie bei uns mitbekommt. Wir erteilen Rat, reagieren auf die Ist-Situation und gehen gemeinsam neue Wege. Das Wertschätzen des Individuellen ist im Moment sehr, sehr wichtig.
Wie gehst du mit neuen Arbeitszeitmodellen um, beispielsweise einer verkürzten Arbeitswoche?
JG: Meine Mitarbeiterinnen können sich ihre Arbeitszeit frei einteilen. Allerdings mache ich das an Zahlen fest. Wir sind da sehr transparent: Sie kennen immer ihre Zahlen und auch meine. Sie wissen, was sie zu leisten haben und arbeiten eigenverantwortlich. Ich biete ihnen die Plattform, um sich persönlich verwirklichen zu können.
Selbstverwirklichung schließt auch ein, dass Menschen neue Wege gehen ...
JG: Ich finde es gut, wenn Menschen neuen Wege gehen und bin generell stolz, wenn sich ehemalige Mitarbeiterinnen selbstständig machen. Das hilft mir dabei, mir immer wieder selbst auf die Füße zu treten, immer besser zu werden.
Du bildest seit vielen Jahren aus, unterrichtest in Berufsschulen, machst Prüfungsabnahmen. Wie siehst du die Ausbildung allgemein?
JG: Ich habe einen sehr engen Kontakt zu unserer Berufsschule. Sie hat das Privileg, dass ich regelmäßig für ein oder zwei Tage übernehme. Die Ausbildung ist generell reformbedürftig, die Anforderungen sind noch immer althergebracht und ohne Aussagekraft.
Wir müssen uns mehr fragen: Was brauchen junge Menschen? Denn was sehen wir auf Instagram, auf TikTok?: ständige Veränderung! Aber wir lehren in den Berufsschulen alten Kram, der erst mal nicht wichtig ist.
Für mich wäre das Einbeziehen sozialer Medien ein Unterrichtsfach! Unsere Zukunft wird sehr davon abhängen. Das wird in Zukunft Einfluss in den Bewerbungsprozess haben. Denn so zeigt man, was man schon gemacht hat sowie persönliches Engagement. Instagram gehört in eine Berufsschule, denn damit repräsentiert sie sich nach außen.