„In den 90er Jahren hat man das Ende des Zweithaares herbeigeredet.“
Wo sehen Sie die Zukunft des Zweithaares?
CH: Eine spannende Frage! In den 90er Jahren, hat man das Ende des Zweithaares herbeigeredet. Man glaubte, dass es in der Krebstherapie bald eine Therapie ohne Haarausfall-Nebenwirkung geben würde. Für die Alopecia sagte man medikamentöse Genveränderungen vorher, die den Haarwuchs reanimieren würden. Das ist jetzt 30 Jahre her, eingetroffen ist davon nur wenig. Im medizinischen Bereich wird Zweithaar auf jeden Fall weiterhin gebraucht.
Die Anzahl von Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall, Anm.) Erkrankten ist so klein, dass sich keine Pharmaindustrie dem annehmen möchte, das rentiert sich nicht. Auch dieses Krankheitsbild wird es meiner Meinung nach noch lange geben und damit auch der Bedarf bei Haarersatz.
„Friseure brauchen neue Konzepte und da ist der Zweithaar-Sektor ein wichtiger.“
Und im Bereich Fashion?
CH: Ende der 80er Jahre kamen plötzlich diese Clip-in Haarteile auf, gefolgt von den Extensions. Aktuell gibt es einen Boom bei Toppern und Haarteilen. Perücken sind allerdings immer noch zu fast 100 % auf den medizinischen Einsatz begrenzt.
Friseure brauchen neue Konzepte und da ist der Zweithaarsektor ein wichtiger, der sich immer mehr durchsetzt. So wie sich viele Frauen mittlerweile die Nägel machen lassen und immer mehr Nagelstudios auf den Markt drängen, gibt es auch hier Wachstum.
„Herausforderung China: Sie drängen mit Vehemenz auf den Markt.“
Was sind die besonderen Herausforderungen am Zweithaar-Sektor?
CH: Das ist China! Sie drängen mit Vehemenz auf den deutschen Zweithaar-Markt und verdrängen, was man mühselig über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut hat. Sie kontaktieren ungefragt einfach jeden, der auf seiner Homepage etwas von Haarersatz stehen hat. Das ist eine wirkliche Herausforderung!
Wie ist die Qualität chinesischer Produkte?
CH: Die Handarbeit, ganz ehrlich, ist in China besser als bei uns, diese Feinheit ist eine asiatische Domäne, egal ob von Chinesen, Vietnamesen oder Koreanern. In Deutschland gibt es fast nur noch Knüpferinnen bei den Maskenbildnerinnen. Diese diffizile Handarbeit will man hierzulande nicht mehr ausüben und sie wäre auch nicht mehr bezahlbar.
„Ich kenne die Produktionsstätten meiner Lieferanten persönlich.“
Wie schaut es mit Menschenrechten in der Produktion aus? Können Sie die bei Ihren Lieferanten nachvollziehen?
CH: Das ist ein großes Thema, mit steigender Relevanz. Ich halte die Produktionsstandards mit meinen Lieferanten schriftlich fest und kenne die Produktionsstätten persönlich. Man kennt sich seit Jahren und es sind persönliche Bindungen entstanden. In der Perückenherstellung habe ich z.B. noch nie Kinder gesehen und die Löhne wurden in den letzten Jahren den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst.
Die gfh bietet ein umfangreiches ►Schulungsangebot in Sachen Handhabe und Beratung. Auch in puncto Abrechnung mit den Krankenkassen?
CH: Die Einreichung der Rezepte und die Abrechnung mit den Krankenkassen ist sehr kompliziert geworden und ich möchte behaupten, dass es sehr schwer ist, allein damit klarzukommen. Wir haben ein Handbuch für die erforderliche Präqualifizierung herausgegeben und beraten unsere Kunden auch telefonisch. Natürlich ist dies auch immer Thema in unseren Seminaren.