Samantha Schüller, Kopfsache Düsseldorf, im Gespräch mit Juliane Krammer
Du hast dir deine eigene Rentenversicherung angesehen. Welche Conclusio hast du für dich gezogen?
Samantha Schüller: Ich bin seit über 15 Jahren in diesem Beruf und mit meiner Rente stehe ich aktuell bei 1.396 Euro.
Viele würden hier sagen: „Das klingt gar nicht so wenig. Du hast ja noch ein paar Jahre vor dir …“
SS: Nach 10 Jahren Selbstständigkeit und der ganzen Verantwortung, die man für Mitarbeiter*innen und Arbeitsplätze trägt, steht das in keinem Verhältnis.
"Viele haben auch den Glaubenssatz: Geld ist nicht alles und der Beruf ist unsere Leidenschaft. Aber in Bezug auf die eigene Zukunft und auch die Zukunft der Mitarbeiter*innen ist das sehr kontraproduktiv."
Was können Unternehmende machen, die dieselben Gedanken haben?
SS: Jetzt gibt es immer noch sehr viele Friseurunternehmer*innen, die große Angst davor haben, Kund*innen zu verlieren, wenn sie Preise erhöhen. Viele haben auch den Glaubenssatz: Geld ist nicht alles und der Beruf ist unsere Leidenschaft. Aber in Bezug auf die eigene Zukunft und auch die Zukunft der Mitarbeiter*innen ist das sehr kontraproduktiv.
"Es ist zwar nett, dass wir mit dem Portemonnaie der Kundschaft denken, aber wir tragen Verantwortung für unser Leben und die Mitarbeitenden."
Warum gibt es so eine Einstellung vermehrt im Friseurhandwerk?
SS: Wir sind sehr nah am Kunden und emotional mit der Person am Stuhl vor uns verbunden. Es ist zwar nett, dass wir mit dem Portemonnaie der Kundschaft denken, aber wir tragen Verantwortung für unser Leben und die Mitarbeitenden. Wir müssen unternehmerischer denken, auch um uns finanziell abzusichern.
"Meine Leute bekommen eine Lebensversicherung obendrauf, die sie sich später auszahlen lassen können."
Als du dich selbstständig gemacht hast, welche Vorstellungen einer perfekten Rente hattest du?
SS: Ich habe mich mit 21 Jahren selbstständig gemacht. Damals hatte ich mich mit dem Thema Rente nicht direkt auseinandergesetzt. Jetzt aber unterschreibe ich, wenn jemand sagt: „Denk früh genug an deine Rente“. Das lernt man erst mit dem Alter. Wie lange ich arbeiten will, war für mich damals noch sehr weit weg. Erst seit ich in der Geschäftsführung bin – ich arbeite nämlich gar nicht mehr am Stuhl – habe ich mehr Zeit und Kapazitäten mir wirklich Gedanken zu machen. Als Arbeitgeberin habe ich nicht nur die Möglichkeit meinem Team mehr Gehalt zu ermöglichen … Meine Leute bekommen eine Lebensversicherung obendrauf, die sie sich später auszahlen lassen können. Das ist die Verantwortung, die ich trage. Das übersehen viele Chefs.