Sandra Ramsbacher im Gespräch mit Katja Ottiger
Ihr habt in eurem Salon in Kärnten in einer Ortschaft mit knapp 1.900 Einwohnern den "Silent Day" eingeführt. Wie kam es dazu?
Sandra Ramsbacher: Als Friseurin denkt man immer, man müsse etwas reden und auch die Kundschaft meint, man solle sich unterhalten, weil das erwartet wird. Auch mir geht das bei Massage und Kosmetik so, aber letztlich entspanne ich mich dann nicht richtig. Am Silent Day wird geschwiegen, das ziehen wir einen ganzen Tag durch, ohne Ausnahme.
„Das Schweigen fördert den Produktverkauf.“
Wie finden Beratung oder Verkauf statt?
SR: Wir kommunizieren flüsternd und immer so, dass wir die anderen nicht stören. Das, was leise besprochen wird, betrifft ausschließlich Haare und Dienstleistung, keinen small talk. Das Schweigen fördert sogar den Produktverkauf, weil die Kundschaft bewusster wahrnimmt, welche Produkte ins Haar gegeben werden.
Zu solch einer Entscheidung gehören Team und Kunden. Wie war der erste Silent Day?
SR: Wir sind hier am Dorf, viele unserer Kunden sind mit uns befreundet und Veränderungen müssen mit Bedacht angegangen werden. Es läuft im Hintergrund den ganzen Tag Wellnessmusik, wir haben Düfte im Diffuser oder verwenden Räucherstäbchen. Manche waren sofort begeistert, manche skeptisch, andere fanden das komisch, letztlich war es für die Leute pure Entspannung. Auch für uns! Am Abend des ersten Silent Days haben wir gedacht, wir hätten weniger gearbeitet als sonst, aber das war nicht der Fall.
Wer bucht den Silent Day?
SR: Von der Hausfrau über den Herren bis zur Managerin ist alles dabei. Diesen Tag buchen Kunden, von denen ich das niemals erwartet hätte. Ich hatte z.B. den Fall einer Kundin, die dringend einen Termin brauchte und der ich nur den Tag anbieten konnte, an dem nichts geredet wird. Diese Kundin redet normalerweise ohne Punkt und Komma und war sehr skeptisch ist. Hinterher hat sie sich bedankt, weil es für sie eine richtige Therapiestunde war.
„Wenn man mit dem `Silent Day` wirbt, können Kunden damit oft nichts anfangen.“
Was sollte man in der Kommunikation des Silent Day bedenken?
SR: Wichtig ist, dass man das in der Werbung wirklich genau beschreibt. Wenn man mit dem „Silent Day“ wirbt, können die Leute damit oft nicht viel anfangen. Man muss in der Beschreibung erklären, dass nur das Notwendigste kommuniziert wird und dass man vor allem die Entspannungsnote hervorhebt, die Zeit für sich selbst, die man bekommt. Denn anfangs waren die Leute verunsichert: Ich darf jetzt nicht mehr mit dir reden? Sie müssen verstehen, dass das Nichtreden Mehrwert für beide Seiten ist.
Gibt es einen fixen Tag für den Silent Day?
SR: Das mache ich Terminplanabhängig. Bei uns buchen viele Kunden die Termine im Voraus. Wir blättern den Kalender durch und schauen, welcher Tag noch frei ist. Den fixieren wir dann als Silent Day und geben den Termin 2-3 Wochen vorher auf Instagram bekannt. Derzeit machen wir diesen einmal im Monat, weil es für die Kunden ja auch etwas Neues ist. Unser Ziel wäre zweimal im Monat oder vielleicht wöchentlich. Aber wie du sagst, auch die Kunden gehören dazu und Veränderungen brauchen ihre Zeit.
„Am ersten Silent Day hatten wir gleich drei neue Kundschaften.“
Spricht sich das herum, kommen neue Kunden?
SR: Ja, das spricht sich rum. An unserem ersten Silent Day hatten wir gleich drei neue Kundschaften. Das macht die Leute einfach neugierig.