Und alle im Team gingen mit?
MH: Es war ein einstimmiges, begeistertes JA! Wir haben dann alle nochmal vier Wochen darüber nachgedacht und dann einstimmig die Entscheidung dafür gefällt.
Und wie habt ihr das Salonöffnungstechnisch gelöst?
MH: Wir haben Samstag geschlossen und die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag 7.30 Uhr bis 18:00. Schluss um 18:00 war allen ganz wichtig, um noch den Abend genießen zu können.
7:30 finde ich prickelnd. Gibt es denn überhaupt so viele Kunden, die zu dieser frühen Zeit kommen?
MH: Das habe ich meine Mitarbeiter auch gefragt und den Ball zurückgespielt. Ich sagte, wenn ihr wollt, dass wir so früh aufsperren, dann müsst ihr dafür sorgen, dass wir auch was zu tun haben. Und was für mich spannend war und ist, dass wir so eine ganz andere Art von Zielgruppe ansprechen. Nämlich jene Kunden, die immer abends lange arbeiten. Diese kommen nun vor der Arbeit. Auch unsere Balayage Kundinnen, die oft sehr lange sitzen, kommen jetzt um 7:30, weil sie so mittags früher fertig sind und den ganzen Tag für sich haben.
Wie habt ihr eure Kunden darüber informiert und wie waren die Reaktionen?
MH: Ich hatte ja bereits Mitarbeiter, die ihre Kunden von Samstag in die Woche gezogen haben. Da ging das erstaunlich einfach. Wir haben einen Aushang gemacht, einen Newsletter an alle Kund*innen verschickt und natürlich auch Social Media genutzt. Ich erwartete ganz viel Gegenwind, aber überhaupt nicht, im Gegenteil, viele haben das begrüßt.
Kein Kunde hat sich beschwert?
MH: Eine einzige Dame ist an die Decke gegangen und hat uns einen wütenden Vortrag gehalten, darüber, wie wir uns so etwas als Dienstleister erlauben können. Mit solchen Leuten musst du leben. Wir haben sehr viele Neukunden gewonnen und so ist es ein Kommen und Gehen.
"Jetzt habe ich 24 Arbeitsstunden in der Woche gewonnen, ohne jemanden Neues einzustellen. Hammer!"
Was hat sich im Team geändert?
MH: Dadurch, dass wir jetzt alle wieder zu den gleichen Zeiten arbeiten, schweißt das enorm zusammen. Wir haben ein tolles Teamgefühl, das ist richtig schön. Und weißt du was? Die Mitarbeiter, die bereits die 4-Tage-Woche mit reduzierten Stunden hatten, arbeiten alle vier wieder Vollzeit. Jetzt habe ich 24 Arbeitsstunden in der Woche gewonnen, ohne jemanden Neues einzustellen. Hammer!
Wie sind die Auswirkungen auf den Umsatz? Wie ist dein erstes Resümee nach sechs Wochen?
MH: Wir haben echt krasse Umsatzsteigerungen von über 20 %.
"Es ist wirklich verrückt, was die Aussicht auf ein langes Wochenende psychisch im Kopf macht."
Und wie erklärst du diesen Mehrumsatz?
MH: Du organisierst dich einfach besser an so einem langen Tag und die Leute sind motiviert und dadurch produktiver. Es ist wirklich verrückt, was die Aussicht auf ein langes Wochenende psychisch im Kopf macht.
Es gibt einige Kolleg*innen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, Arbeitstage zu reduzieren. Was wäre dein Ratschlag für all jene?
MH: Kommuniziert von Anfang an eng mit den Mitarbeitenden und mache auch klar, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt. Wenn es nicht funktionieren sollte, dann muss man auch wieder zurückgehen können.
Wie sieht es eigentlich mit den Auszubildenden aus?
MH: Wir haben eine Auszubildende, die ist 18, deswegen können wir das auch so machen. Hätte ich unter 18-Jährige, dann müssten wir da eine andere Lösung finden, da diese aus arbeitsrechtlichen Gründen maximal 8,5 Stunden am Tag arbeiten dürfen. Dann würden wir einen extra Trainingstag einlegen, aber zum Glück brauchen wir das nicht.
Lieber Matthias, ich danke dir für das Gespräch und bin gespannt, wie sich dein neues Arbeitszeitmodell langfristig etabliert.