Im Gespräch mit Katriina Janhunen
imSalon: Ihr hattet beide eine andere Laufbahn eingeschlagen. Wie seid ihr zusammen in diesem Salon gelandet?
Maria Meßner: Wir haben 2006 zusammen die Friseurausbildung bei Headquarters gemacht. Dani war 2020 meine letzte Kundin vor dem ersten Lockdown. Wir haben gesagt, wir gehen jetzt noch einen Spritzer trinken, bevor alles 6 Wochen zu ist und haben festgestellt, dass wir beide nicht glücklich waren. Wir wollten mehr Wertschätzung für das, was wir tun und die Lockdowns haben uns die Zeit gegeben, an diesem gemeinsamen Projekt zu arbeiten.
„Wir sind doch alle gleich, warum können wir nicht ohne nachdenken zu müssen, da hingehen, wo wir gerne hinmöchten?“
Woher kam die Idee, euren Salon komplett barrierefrei zu machen?
MM: Dani hat früher gehörlose und gehörbeeinträchtigte Kinder unterrichtet und hat mich für ein Theaterprojekt fürs Make-up dazugeholt. Das ist eine ganz eigene Bubble, die mir davor nie aufgefallen ist. Dadurch habe ich gesehen, dass fast kein Friseur barrierefrei ist, im Sinne, dass du easy peasy, ohne drüber nachdenken zu müssen, mit dem Rollstuhl reinkommen kannst. Nicht mal Ärzte müssen barrierefrei sein, das muss man sich mal vorstellen!
Es war nie der Plan „Wir machen jetzt was Barrierefreies, damit auf jeden Fall jeder kommt, der eine Einschränkung hat“, sondern wir wollten etwas schaffen, wo jeder, der uns als Dienstleister schätzt, den Besuch ganz entspannt auf sich nehmen kann. Ohne darüber nachzudenken, ob er über eine Stufe gehoben werden muss. Wir sind doch alle gleich, warum können wir nicht einfach da hingehen, wo wir gerne hinmöchten. Warum muss man immer extra nachfragen. Ich verstehe nicht, warum Barrierefreiheit nicht einfach normal sein kann, vor allem wenn man eh etwas Neues anfängt.
Wie lief Salonsuche und Umbau im Sinne der Barrierefreiheit?
MM: Wir haben lange suchen müssen und durch Corona hat sich alles extrem verzögert mit dem Umbau und den Lieferungen. Es war auch schwierig, weil wir uns mit Förderungen nicht so ausgekannt haben. Wenn die Leute mehr darüber wüssten, würde sich das öfter wer antun. Aber solange es nicht verlangt wird, machts keiner.
Beim Umbau hattet ihr auch eine Dame von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehbehinderten hier.
MM: Ja, sie hat einen Testdurchgang gemacht und uns beraten. Durch ihren Input haben wir z.B. die Bodenfarbe unseres Podests angepasst. Es hat jetzt eine Kontrastfarbe zum Boden und die Kante schimmert metallisch, damit sie gut sichtbar ist. Sie hat uns auch zu dem kleinen tastbaren Knopf an der Türklingel geraten. Wir haben viel gelernt, das war spannend.